Finanzen

In den Berliner Bezirken fehlen fast 1900 Mitarbeiter

Die Bezirke haben 2018 ihr Geld nicht ausgegeben und hohe Überschüsse erzielt. Vor allem, weil sie ihre Stellen nicht besetzt haben.

Menschen gehen im Bürgeramt an einem Hinweisschild für die Terminvergabe vorbei (Archivbild).

Menschen gehen im Bürgeramt an einem Hinweisschild für die Terminvergabe vorbei (Archivbild).

Foto: Wolfgang Kumm / dpa

Berlin. Die zwölf Berliner Bezirksämter haben das vergangene Jahr finanziell mit dem besten Ergebnis ihrer Geschichte abgeschlossen. Alle Bezirke erzielten zum Teil deutliche Überschüsse, keiner hat noch Schulden. Ohne Überträge aus den Vorjahren erwirtschafteten die Bezirke im vergangenen Jahr ein Plus von 67 Millionen Euro. Hinzu kamen 75,3 Millionen Euro aus den Vorjahren, so dass der Überschuss insgesamt 142,3 Millionen Euro beträgt.

Zusammen haben die Bezirksämter über die Jahre ein Guthaben von 230 Millionen Euro angehäuft. Am reichsten sind Lichtenberg mit einem Guthaben von 46,2 Millionen Euro vor Tempelhof-Schöneberg (34,4) und Mitte (31,5).

Kommentar: Die Bezirksämter müssen ihre freien Stellen endlich besetzen

Die Kehrseite dieser finanziellen Rekordzahlen sind nicht besetzte Stellen in erheblichem Umfang, für die die Kommunalpolitiker die Ausgaben sparen konnten. Fast 1900 Stellen waren zum Stichtag 1. Oktober 2018 nicht besetzt. Das waren 8,6 Prozent aller knapp 22.000 Arbeitsplätze, die die Bezirksämter laut ihren Plänen anbieten. In den Hauptverwaltungen des Senats liegt diese Quote laut Finanzressort bei 2,25 Prozent. 89 Millionen Euro für Personal eingeplante Mittel wurden nicht benötigt.

Finanzsenator Kollatz würde das Geld lieber ausgegeben sehen

Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) würde lieber sehen, dass das Geld zum Wohle der Bürger ausgegeben wird. „Das Ziel darf nicht sein, Guthaben anzuhäufen.“

Mittes Bürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) räumte ein, dass der Überschuss von 19 Millionen Euro eher eine schlechte Nachricht sei. „Wir bekommen Leute nicht, oder sie gehen sehr schnell wieder.“

Auffällig sind die Unterschiede zwischen den Bezirken bei den offenen Stellen. In Pankow und Reinickendorf sind nur fünf Prozent der Stellen unbesetzt. Mitte und Steglitz-Zehlendorf liegen bei mehr als zehn Prozent, Marzahn-Hellersdorf bei über elf und Tempelhof-Schöneberg bei mehr als zwölf Prozent. Relativ gesehen die meisten offenen Stellen hat Treptow-Köpenick mit 13,2 Prozent.

Unterschiede zwischen Bezirken „verblüffend“

Die Vorsitzende des Hauptpersonalrats, Daniela Ortmann, nannte die Unterschiede zwischen den Bezirken „verblüffend“. Andrea Kühnemann von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi verwies auf die unterschiedliche Qualität des Personalmanagements in den Rathäusern. „Wer mehr als zehn Prozent Stellen frei hat, der sollte schnell etwas unternehmen“, sagte Kühnemann.

Treptow-Köpenicks Bürgermeister Oliver Igel (SPD) erklärte den unrühmlichen Spitzenplatz mit der langen Geschichte des Stellenabbaus. Bis 2018 sei dem Bezirk vom Senat auferlegt gewesen, frei werdende Posten nicht wieder zu besetzen. Jetzt sei es schwierig, Bewerber zu finden. „Das ist frustrierend“, sagte Igel.

Immer wieder wandern Mitarbeiter ab

Angelika Schöttler (SPD), Bürgermeisterin von Tempelhof-Schöneberg, verwies darauf, dass ihr Bezirk zuletzt viele neue Stellen geschaffen habe, die aber nur schwer zu besetzen seien. Laut Tempelhof-Schönebergs Baustadtrat Jörn Oltmann (Grüne) sind im Stadtentwicklungsamt 20 Stellen unbesetzt, in der Gebäudeunterhaltung 30. Freie Stellen könnten teilweise aufgrund fehlender geeigneter Bewerber nicht besetzt werden. Auch wanderten immer wieder Mitarbeiter zum Senat ab, beklagte Oltmann. Im Stadtentwicklungsamt seien allein in diesem Jahr zwölf Mitarbeiter gegangen. Zwar gilt für Bezirke wie Senat der gleiche Tarif, doch wird die Arbeit inhaltlich oft anders bewertet und damit höher dotiert.

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