Verkehr in Berlin

Rot-Rot-Grün streitet über Zukunft der Berliner S-Bahn

Rot-Rot-Grün ist sich uneinig, wie es mit der S-Bahn in Berlin weitergehen soll. Zwei Punkte stehen besonders in der Kritik.

Wer betreibt in Zukunft die S-Bahn? Die Verkehrssenatorin will bei der anstehenden Ausschreibung der Teilnetze den Auftrag an mehrere Anbieter vergeben.

Wer betreibt in Zukunft die S-Bahn? Die Verkehrssenatorin will bei der anstehenden Ausschreibung der Teilnetze den Auftrag an mehrere Anbieter vergeben.

Foto: Paul Zinken / dpa

Berlin. In der rot-rot-grünen Regierungskoalition ist wieder Streit über die Zukunft der Berliner S-Bahn ausgebrochen. Vor allem bei einigen SPD-Abgeordneten wächst die Skepsis darüber, wie das von den Grünen verantwortete Verkehrsressort im Berliner Senat das Stadtbahn-Angebot künftig organisieren will.

Auslöser sind Überlegungen von Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne), bei der anstehenden EU-weiten Ausschreibung der S-Bahn-Teilnetze Stadtbahn und Nord-Süd ab 2026 eine Los-Limitierung einzusetzen.

Diese hätte zur Folge, dass ein Anbieter selbst dann nicht alle Posten des milliardenschweren Auftrags übernehmen kann, wenn er das jeweils günstigste Angebot dafür abgibt.

Vorbild sind die Vergabeverfahren im Regionalbahnverkehr, bei denen zuletzt mindestens zwei Anbieter zum Zuge kamen. Eine Los-Limitierung würde sich vor allem gegen die Deutsche Bahn richten, die bislang über ein Tochterunternehmen den S-Bahnverkehr in Berlin allein verantwortet.

Beratung im Hauptausschuss vertagt

Ebenfalls für Dissens sorgen Überlegungen in der Senatsverkehrsverwaltung, die Gleichstrom-Spannung im S-Bahnnetz von aktuell 750 auf 1200 Volt zu erhöhen. Diese könnte langfristig die Leistungsfähigkeit der S-Bahn verbessern, hätte aber enorme Investitionen zur Folge, die vom Land Berlin finanziert werden müssten. Zudem wäre es nicht mehr möglich, die für die Ringbahn-Linie neu entwickelten S-Bahnzüge auch für die anderen Teilnetze zu bestellen.

Wie die Berliner Morgenpost erfuhr, wurde eine am heutigen Mittwoch geplante Beratung im Hauptausschuss über einen Bericht zur S-Bahn-Beschaffung ab 2026 nach Einspruch der SPD-Vertreter vertagt. Die Streitpunkte sollen erst einmal vom Koalitionsausschuss ausgeräumt werden, heißt es.