Kudamm-Raser

Kudamm-Raser wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt

Das Landgericht hat die Kudamm-Raser zum zweiten Mal wegen Mordes verurteilt. Ein Anwalt erklärte, er habe bereits Revision eingelegt.

Hamdi H. (rotes Hemd) und Marvin N. (blaues Hemd) vor der Urteilsverkündung am Dienstag

Hamdi H. (rotes Hemd) und Marvin N. (blaues Hemd) vor der Urteilsverkündung am Dienstag

Foto: Reuters/Fabrizio Bensch

Die als „Kudamm-Raser“ bekannt gewordenen Berliner Hamdi H. und Marvin N. sind am Dienstag vom Landgericht erneut wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die beiden Männer bei einem illegalen Autorennen durch die Berliner City West im Februar 2017 den Tod eines Unbeteiligten in Kauf genommen und somit bedingt vorsätzlich gehandelt hatten.

Die Angeklagten waren ein Jahr nach der Tat in einem ersten Verfahren bereits wegen Mordes verurteilt worden, der Bundesgerichtshof hatte das Urteil allerdings aufgehoben. Auch mit dem zweiten Urteil am Dienstag ist der Fall noch nicht abgeschlossen. Die Verteidigung kündigte umgehend den nächsten Gang nach Karlsruhe an.

Das Opfer hatte keine Chance

Mit dem Urteil folgte die 32. Schwurgerichtskammer des Landgerichts dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte keinen konkreten Strafantrag gestellt, aber eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung beantragt „Was damals passierte, hatte nichts mehr mit Fahrlässigkeit zu tun“, sagte der Vorsitzende Matthias Schertz gleich zu Beginn seiner Urteilsbegründung und erteilte dem Antrag der Verteidiger damit eine deutliche Absage.

Hamdi H. und Marvin N. hatten sich in der Nacht vom 1. auf den 2. Februar 2017 ein Rennen über den Kudamm und den Tauentzien geliefert, dabei mehrere rote Ampeln überfahren und Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 170 Kilometer pro Stunde erreicht. An der Kreuzung Nürnberger Straße prallte der Wagen von H. in den von rechts bei Grün in die Kreuzung einfahrenden 67-Jährigen. Das Opfer hatte keine Chance, es erlag noch in seinem Auto seinen schweren Verletzungen. „Der Unfallort war ein einziges Trümmerfeld, im Grunde sah es aus wie nach einem Terroranschlag“, sagte Richter Schertz am Dienstag.

Angeklagte hatte die Chance, das Rennen abzubrechen

Bereits mit dem ersten Urteil gegen die beiden Angeklagten hatte das Berliner Landgericht Rechtsgeschichte geschrieben. Nicht nur, weil in Deutschland zum ersten Mal Beteiligte an einem illegalen und tödlich endenden Autorennen wegen Mordes verurteilt worden waren. Darüber hinaus war der Fall der „Kudamm-Raser“ Grundlage für eine Gesetzesänderung im vergangenen Jahr, durch die die Beteiligung an einem illegalen Rennen mit Freiheitsstrafen bis zu zehn Jahren geahndet werden kann.

Bei der erneuten Verurteilung am Dienstag ging der Vorsitzende Richter mit den Angeklagten hart ins Gericht. Die beiden Männer hätten die Gelegenheit gehabt, das Rennen abzubrechen, als sie die durch sie heraufbeschworene Gefahr sahen, darauf hätten sie allerdings verzichtet. „Unfall egal, Menschen egal, Hauptsache Motorhaube vorn“, sagte Schertz und betonte: „Die Autos wurden in diesem Moment zu Projektilen mit ungeheurer Zerstörungskraft.“

In seinem Schlusswort hatte der 30 Jahre alte Angeklagte im Prozess gesagt, er würde "gern ungeschehen machen, was geschehen ist". Auch der jüngere Angeklagte hatte betont, er wolle sich aufrichtig entschuldigen.

Die Denkweise von H. und N. beschrieb der Vorsitzende ebenso drastisch wie zuvor Christian Fröhlich, der Vertreter der Staatsanwaltschaft in seinem Schlussplädoyer. Ihr „selbstverliebtes und rücksichtloses“ Verhalten hinter dem Steuer entspreche dem „Lifestyle der Raserszene“. Das Schicksal anderer Menschen sei ihnen in solchen Momenten egal, ein Rennen zu gewinnen, der Schnellste zu sein, gehe bei ihnen vor. Auch den Argumenten der Verteidiger, ihre Mandaten seien sicher gewesen, ihre Fahrzeuge und die Situation zu beherrschen und hätten die Überzeugung gehabt, es werde schon alles gut gehen, erteilte Scherz eine Absage. Diese Denkweise, für die Verteidiger ein Beleg für fahrlässiges Verhalten, bezeichnete der Vorsitzende als abwegig, nicht einmal ein Rennfahrer hätte die Situation, die sich unmittelbar vor dem Unfall ergab, beherrscht, betonte Schertz.

Politiker und Gewerkschafter begrüßen das Urteil

Innensenator Andreas Geisel (SPD) und Oliver Malchow, der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), begrüßten ebenso wie Politiker anderer Parteien in ersten Stellungnahmen das Urteil vom Dienstag. Sie attestierten dem Gericht, konsequent geurteilt und die richtigen Zeichen gesetzt zu haben.

Die Berliner Linie scheint inzwischen auch in anderen Bundesländern und sogar beim BGH Anklang zu finden. Im Februar vergangenen Jahres hatte das Landgericht Hamburg einen Mann zu Lebenslänglich verurteilt, der betrunken mit einem gestohlenen Taxi durch die Stadt gerast war und dabei einen 22-Jährigen tötete. Anfang März bestätigte der BGH das Urteil. Auch das aktuelle Berliner Urteil hat gute Chancen, in Karlsruhe bestätigt zu werden.