Verdrängung durch Wohnungsbau

Bezirksverordnete wollen Unternehmer in Spandau halten

Weil in der Wasserstadt 2500 Wohnungen entstehen, soll dort Gewerbe weichen. Das will die Bezirksverordnetenversammlung verhindern.

Die Spandauer Gewerbetreibenden Thorsten Schwemmler und Walter Lang kämpfen für den Erhalt ihrer Unternehmensstandorte an der Rhenaniastraße. Hier sollen Wohnungen gebaut werden. 

Die Spandauer Gewerbetreibenden Thorsten Schwemmler und Walter Lang kämpfen für den Erhalt ihrer Unternehmensstandorte an der Rhenaniastraße. Hier sollen Wohnungen gebaut werden. 

Foto: Jessica Hanack

Berlin. Die Konkurrenz um Flächen in Berlin nimmt zu – das mussten zuletzt auch Unternehmer aus Spandau erfahren, die derzeit noch ihren Sitz an der Rhenaniastraße in der Wasserstadt haben. Das Gelände gehört zur Fläche des neuen Quartiers „Waterkant“. Rund 900 Wohnungen und ein Gymnasium sind auf dem entsprechenden Teilprojekt geplant.

Die „Waterkant“ ist eines der größten kommunalen Wohnungsbauprojekte in Berlin. Für die dortigen Unternehmer, darunter ein Tischler, ein Gartenmöbel-Verkäufer und der Inhaber eines Imkereibedarfs, wird sie jedoch zur Existenzbedrohung. Erste Kündigungen zum Jahresende hat es bereits gegeben.

Neuer Gewerbehof soll geschaffen werden

Insgesamt sollen auf dem Gelände weit über 100 Menschen arbeiten, denen dort das Aus droht. Die Spandauer Bezirksverordnetenversammlung will die Unternehmen jedoch halten und fordert Lösungen, auch um eine Abwanderung ins Umland zu verhindern. So hat sie kürzlich eine Beschlussempfehlung aus dem Wirtschaftsausschuss angenommen.

Auf Initiative der CDU-Fraktion wird demnach gefordert, dass das Bezirksamt sich beim Senat und der Wohnungsbaugesellschaft Gewobag dafür einsetzt, möglichst viel Gewerbe am Standort zu erhalten. Für die Unternehmen, die verdrängt werden, solle ein neuer Gewerbehof geschaffen werden.

Auch ein Dringlichkeitsantrag der FDP-Fraktion wurde beschlossen, der zumindest einen angemessenen Räumungsaufschub für die Unternehmen fordert, um „Existenzen zu retten.“ Es könne nicht sein, dass – trotz des wichtigen Wohnungsbaus – Spandauer Unternehmer und ihre Beschäftigten ins Brandenburger Umland verdrängt werden, sagte Fraktionschef Matthias Unger. „Der Senat ist hier gefordert, um auch zukünftig Wohnen und Arbeiten in Spandau zu gewährleisten.“

Anderweitige Standorte schwer zu finden

Dass sich an den Planungen für das Quartier „Waterkant“ noch etwas ändert, scheint allerdings unwahrscheinlich. „Zwischen Bezirk, Senat und Abgeordnetenhaus war bisher Konsens, dass sowohl auf der privaten als auch der landeseigenen Fläche an der Rhenania-/Daumstraße das vorhandene Gewerbe aufgegeben wird und dort in großem Umfang Wohnungen errichtet werden“, sagte eine Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung der Morgenpost im Februar. Allen Mietern sei seit langem bekannt gewesen, dass „die bisherige suboptimale Ausnutzung des Grundstückes nicht von Dauer sein würde und eine Neustrukturierung und Altlastensanierung erforderlich ist.“

Anderweitige Standorte für die Unternehmen zu finden, ist laut der Spandauer Wirtschaftsförderung kaum leichter. „Wir haben zwar noch ein kleines Kontingent an Flächen“, sagte deren Leiter, Patrick Sellerie. „Aber wir haben bei den landeseigenen Flächen strenge Vorgaben.“ Diese würden einige Unternehmen der Rhenaniastraße nicht erfüllen, so Sellerie. Private Gewerbeflächen seien für kleinere Betriebe dagegen kaum zu bezahlen.