Verkehr

Grüne: Längere Staus an Bahnübergängen mit Schranken drohen

Mit steigenden Einwohnerzahlen in Brandenburger Gemeinden wächst auch der Bahnverkehr. Da Schranken an Übergängen häufiger schließen, bilden sich längere Staus. Ein Ausweg wären mehr Unterführungen oder Brücken.

Ein Zug fährt an einem geschlossenem Bahnübergang vorbei.

Ein Zug fährt an einem geschlossenem Bahnübergang vorbei.

Foto: dpa

Potsdam. Mit dem Ausbau des Bahnverkehrs in Brandenburg werden Autofahrer nach Ansicht der Grünen künftig häufiger vor geschlossenen Bahnschranken stehen. Die im Landesnahverkehrsplan vorgesehenen neuen Zugverbindungen und kürzeren Taktzeiten würden insbesondere mit dem Bahnnetz Elbe-Spree ab Ende 2022 wirksam, heißt es in einer Anfrage des Grünen-Landtagsabgeordneten Michael Jungclaus an die rot-rote Landesregierung. Anwohner an Bahnübergängen hätten sich mit einem "Hilferuf" wegen zunehmender Staus an ihn gewandt. Zudem würden sich die Fahrzeiten bei Rettungseinsätzen verlängern.

Wie das Verkehrsministerium in Potsdam antwortete, werden künftig auf neun Strecken mit insgesamt 90 Bahnübergängen mehr Personenzüge eingesetzt: Brandenburg/Havel - Potsdam, Frankfurt (Oder) - Erkner (Oder-Spree), Bundesgrenze Polen - Bernau (Barnim) sowie Finsterwalde - Abzweig Doberlug-Kirchhain Nord (beide Elbe-Elster). Die Verbindungen aus Cottbus, Bad Belzig (Potsdam-Mittelmark), Oranienburg (Oberhavel) Werneuchen (Barnim) und Müncheberg (Märkisch-Oderland) enden an der Landesgrenze zu Berlin.

Auch der Güterverkehr wird dem Ministerium zufolge auf den drei Strecken von Berlin nach Dresden, Frankfurt (Oder) und Stettin, über die etliche Straßen führen, zunehmen. Allerdings werden auf der Linie nach Dresden bereits mehrere Bahnübergänge durch Unterführungen ersetzt. An weiteren Übergängen in Lübbenau (Oberspreewald-Lausitz), Werder/Havel (Potsdam-Mittelmark) und Blankenfelde-Mahlow (Teltow-Fläming) sowie in dem zu Brandenburg/Havel gehörenden Ortsteil Wust seien ebenfalls Tunnel oder Brücken vorgesehen.

Der Automobilclub ADAC teilt die Sorge der Grünen nicht. Durch den Ausbau des Schienenverkehrs könnten Straßen langfristig entlastet werden, heißt es auf dpa-Anfrage. Der ADAC Berlin-Brandenburg könne nicht erkennen, dass Autoverkehr und Rettungseinsätze durch häufiger geschlossene Schranken maßgeblich behindert werde.

Auch der ACE Auto Club Europa lobte den Ausbau des Schienenverkehrs, insbesondere im ländlichen Raum. Allerdings sollten die Schließzeiten der Schranken, die den Individualverkehr beeinträchtigen, so gering wie möglich gehalten werden.

Nach Ansicht des Grünen-Verkehrspolitikers Jungclaus sind der Landesregierung die Folgen des zunehmenden Bahnverkehrs "offensichtlich nicht bekannt". Dies zeige die Antwort auf seine Anfrage, sagte er. Als Beispiel nannte er einen Bahnübergang in Neuenhagen (Märkisch-Oderland) am östlichen Rand Berlins, hinter dem sich eine große Feuerwehrwache befindet. "Wenn ich die S-Bahn statt 20 Minuten alle 10 Minuten fahren lasse und die Schranken häufiger geschlossen sind, kann ich sagen, wie sich das auf Rettungseinsätze auswirkt." Er erwarte, dass die Landesregierung darüber nachdenke, an welchen kritischen Stellen Unterführungen oder Brücken notwendig seien.