Leserforum

Was tun gegen kriminelle Clans? Diskutieren Sie mit!

„Morgenpost vor Ort“: Innensenator Geisel und Polizeipräsidentin Barbara Slowik diskutieren mit Lesern der Berliner Morgenpost.

Polizeibeamte führen einen Mann nach einer Razzia in einem Wohnhaus in Tempelhof ab.

Polizeibeamte führen einen Mann nach einer Razzia in einem Wohnhaus in Tempelhof ab.

Foto: dpa Picture-Alliance / Paul Zinken / picture alliance/dpa

Berlin. Manchmal stellen sich die Hintergründe erst nach einigen Tagen heraus – doch überraschen können sie kaum. So auch bei der Schlägerei auf dem Alexanderplatz am Donnerstag der vergangenen Woche: Erst war nur von „Jugendlichen“ die Rede, die nach zweifelhaften Aufrufen auf der Internetplattform Youtube aufeinander losgegangen waren. Dann zeigte sich: Etliche Raufbolde waren vorbestrafte Mitglieder polizeibekannter arabischer Großfamilien.

Die ersten Angehörigen der Clans, deren Namen regelmäßig in Polizeiberichten erscheinen, kamen in den 1980er Jahren aus dem Libanon und den Kurdengebieten der Türkei nach Deutschland. Für ihre kriminellen Mitglieder interessierten sich Jahre lang nur Fachleute. Mittlerweile liefern sich Politiker aber einen Überbietungswettbewerb, wenn es darum geht, die viel beschworene „klare Kante“ zu zeigen. So auch in Berlin. Neuköllns Jugendstadtrat Falko Liecke (CDU) fordert – wie zuvor Abgeordnete aus SPD oder FDP – kriminellen Eltern der Großfamilien das Sorgerecht für ihre Kinder zu entziehen. Neuköllns Bürgermeister Martin Hikel (SPD) lässt sich bei Kontrollen von als dubios erscheinenden Shisha-Bars ablichten.

Experten stehen Rede und Antwort

Was hilft wirklich im Kampf gegen die kriminellen Mitglieder arabischstämmiger Clans? Darum, aber auch um andere Themen der inneren Sicherheit geht es beim Leserforum der Berliner Morgenpost in der Reihe „Morgenpost vor Ort“ am 1. April. Die Leser haben dabei die Möglichkeit, sich aus erster Hand zu informieren und mit unseren Experten zu diskutieren.

Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr im Kinokomplex Zoo Palast an der Hardenbergstraße 29 A (Charlottenburg). Das Podium ist gut besetzt. Es diskutieren: Innensenator Andreas Geisel (SPD), Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik, der Oppositionsführer im Berliner Abgeordnetenhaus, CDU-Fraktionschef Burkard Dregger, sowie der Innen- und Extremismusexperte der Berliner Morgenpost, Ulrich Kraetzer. Moderator der Veranstaltung ist Morgenpost-Kolumnist Hajo Schumacher.

Nach der etwa 70 Minuten langen Podiumsdiskussion können die Teilnehmer im Publikum Fragen stellen und mitdebattieren. Die Teilnahme an unserem Leserforum ist wie immer kostenlos. Sie müssen sich allerdings zuvor in unserer Redaktion anmelden. Wie das geht, lesen Sie im Infotext rechts.

Wir möchten am 1. April über die Alltagskriminalität in den Kiezen der Stadt sprechen und über die geplante Strukturreform bei der Polizei. Die politischen Auseinandersetzungen, auch innerhalb der rot-rot-grünen Regierungskoalition, um ein schärferes Polizei­gesetz werden uns ebenfalls beschäftigen. Brauchen wir den finalen Rettungsschuss bei Terroranschlägen, eine elektronische Fußfessel für Gefährder und mehr Videoüberwachung gefährlicher Orte?

Jugendliche Serientäter sollen an dem Abend ebenso ein Thema sein wie die wachsende Internet-Wirtschaftskriminalität. Die Frage, wie der öffentliche Raum geschützt werden kann und wie die Verantwortlichen, aber auch die Gesellschaft mit einer abstrakten Terrorgefahr umgehen, spielt ebenfalls eine Rolle beim Leserforum.

Das Thema Clankriminalität bietet ohnehin viel Gesprächsstoff. Innensenator Geisel hatte erst im November vergangenen Jahres die Einrichtung eines neuen Abwehrzentrums gegen kriminelle Clans angekündigt. Mittlerweile hat das Zentrum seine Arbeit aufgenommen. Vertreter aus Polizei, Justiz- und Finanzbehörden, von Zoll, Jugendamt und Jobcenter sollen darin ihr Vorgehen in konkreten Einzelfällen beraten. Wenn die Polizei darüber informiere, dass ein Mitglied eines Clans neuerdings mit teuren Luxusautos unterwegs sei, müsse dies den Mitarbeiter des Jobcenters auf den Plan rufen, wenn dasselbe Clanmitglied Sozialleistungen beziehe. Die Polizei müsse informiert sein, wenn ein jugendliches Mitglied eines Clans in der Schule auffällig geworden ist.

Abschiebungen scheiterten an Ersatzpapieren

Eine Offensive hatte Geisel im Kampf gegen kriminelle Mitglieder der Clans auch beim Thema Abschiebungen angekündigt. Der Hintergrund: Abschiebungen aus Deutschland scheiterten oft daran, dass ausreisepflichtige Betroffene keine gültigen Papiere hatten und Länder wieder der Libanon keine Ersatzpapiere ausstellten.

Sichtbar wird der Kampf gegen die Clans regelmäßig in Bezirken wie Neukölln. Unterstützt von der Polizei kon­trollieren Mitarbeiter des Ordnungsamtes und der Gewerbeaufsicht regelmäßig Shisha-Bars oder Wettbüros, bei denen die Behörden davon ausgehen, dass sie Treffpunkte krimineller Familienclans sind. Die jüngsten Kontrollen gab es vor rund einer Woche. Die Polizei überprüfte im Norden Neuköllns mehrere Luxusautos „auf mögliche Verbindungen zu kriminellen Clanmitgliedern“. Was die Maßnahmen bringen? Nachfragen sind erwünscht – beim Leserforum der Berliner Morgenpost.

Diese Experten sitzen auf dem Podium

Andreas Geisel (53) ist seit Dezember 2016 Innen- und Sportsenator, zuvor leitete der SPD-Politiker zwei Jahre lang die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Verkehr und Umwelt. Von 2011 bis 2014 war Geisel Bezirksbürgermeister von Lichtenberg, dem Bezirksamt gehörte der Volks- und Betriebswirt bereits seit 1995 an. Er ist auch Vize-Landeschef der SPD.

Barbara Slowik (53) ist seit April 2018 Berliner Polizeipräsidentin – die erste Frau in diesem Amt. Die parteilose Juristin arbeitete zunächst in der Senatsinnenverwaltung, seit 2002 im Bundesinnenministerium. Dort wurde sie 2010 Leiterin des Referats für Grundsatz- und Rechtsangelegenheiten der Terrorismusbekämpfung.

Burkard Dregger (54) ist seit dem 12. Juni 2018 Vorsitzender der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus und somit Oppositionsführer. Der Jurist und Mitinhaber einer Rechtsanwaltskanzlei ist auch innenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion. Dem Landesparlament gehört er seit 2011 an, zweimal holte er ein Direktmandat. Er leitete auch den Untersuchungsausschuss „Terroranschlag Breitscheidplatz“.

Ulrich Kraetzer (45) ist Redakteur der Berliner Morgenpost und Spezialist für innere Sicherheit, Extremismus und Islamismus. Der Diplom-Politologe veröffentlichte 2012 das Buch „Salafisten – Bedrohung für Deutschland?“ Der gebürtige Berliner erhielt für seine Berichterstattung 2014 den Journalistenpreis „Der lange Atem“.

Hajo Schumacher (54), Morgenpost-Autor und -Kolumnist, moderiert die Diskussionsrunde. Der aus Münster stammende Journalist und Politikwissenschaftler arbeitet auch für Magazine, Hörfunk, Online und TV. Schumacher ist Verfasser mehrerer Bücher („Restlaufzeit“, „Männerspagat“), auch als Läufer „Achim Achilles“.

So können Sie am Leserforum zur Sicherheit in Berlin teilnehmen

Das Leserforum „Morgenpost vor Ort“ zum Thema „Wie sicher ist Berlin?“ beginnt am Montag, ­1. April, um 19 Uhr im Kinocenter Zoo Palast an der Hardenbergstraße 29 A in Charlottenburg. Es dauert etwa zwei Stunden. Die Teilnahme ist für unsere Leser kostenlos.

Voraussetzung zur Teilnahme ist eine Anmeldung in unserer Redaktion unter dem Kennwort „Morgenpost vor Ort“. Das geht ganz einfach per E-Mail an die Adresse aktionen@morgenpost.de, per Fax an die Nummer 030/8872 77967 oder per Postkarte/Brief an die Berliner Morgenpost, Redaktion Lokales, Kurfürstendamm 21, 10719 Berlin.

Teilen Sie uns bitte mit, wie viele Plätze Sie benötigen. Abonnenten der Berliner Morgenpost können gern ihre Abonummer dazuschreiben, sie werden bei der Platzvergabe bevorzugt berücksichtigt. Alle Anmeldungen werden nach Eingang bearbeitet und müssen spätestens bis Donnerstag, 28. März, 16 Uhr, in der Redaktion vorliegen.

Der Zugang zum Leserforum ist nur mit einer schriftlichen Bestätigung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion möglich.

Der Zoo Palast ist sehr gut mit Bus und Bahn zu erreichen, der Bahnhof Zoologischer Garten ist nur wenige Meter entfernt. Dort halten die Linien S3, S5, S7 und S75, die U2 und U9 sowie zahlreiche BVG-Buslinien. Kostenpflichtige Parkplätze gibt es in mehreren Parkhäusern im nahen Umfeld und auf dem Hardenbergplatz.