Unterm Hammer

Schnäppchenjagd bei Stiftung Warentest

Viermal im Jahr lässt die Stiftung Warentest Geräte versteigern, die sie vorher geprüft hat.

Küchengeräte können vor der Versteigerung angeschaut werden.

Küchengeräte können vor der Versteigerung angeschaut werden.

Foto: Reto Klar

Berlin. Im Schöneberger Auktionshaus am Werdauer Weg sind am Sonnabendmorgen alle Stuhlreihen besetzt. Viele finden in dem kargen Raum mit grünem Teppichboden keinen Platz mehr und bleiben hinter den Sitzgelegenheiten stehen. Kleinkinder laufen aufgeregt hin und her, während die Erwachsenen auf die kleine Bühne vor ihnen schauen. Mit einem Projektor werden nacheinander die Objekte ihrer Begierde an die Wand projiziert – darunter Fernseher, Kühlschränke und Kaffeevollautomaten. Als letztere gezeigt werden, recken besonders viele Bieter ihre orangefarbenen Schilder mit den entsprechenden Nummern in die Luft. Das Anfangsgebot für ein Exemplar der Marke Jura schnellt innerhalb weniger Sekunden von 320 auf 680 Euro. Der Auktionator schlägt dreimal mit seinem kleinen Hammer auf den Tisch.

Auf dem benachbarten Recyclinghof hört man es rumpeln. Dort liegen auf einem großen Haufen kaputte Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen und Geschirrspülgeräte.

Über 400 Produkte im Angebot

Um Gegenstände vor diesem Schicksal zu bewahren, versteigert die Stiftung Warentest vier Mal im Jahr Geräte, die nach teils ausgiebigen Tests noch brauchbar sind. Unter den Hammer kommen jährlich rund 2000 Produkte. Neben Heimelektronik werden auch Gebrauchsgegenstände wie Matratzen und Kinderwagen angeboten. Die angebotenen Geräte haben wegen der Tests oft Abnutzungen, mitunter kleine Kratzer oder Transportschäden, manchmal aber müssen sie auch repariert werden. Das wird vor der Auktion angegeben. Neben den Geräten, die ausführlich getestet werden, gibt es auch reine Funktionstests. Dabei wird lediglich geprüft, ob die vom Hersteller beschriebenen Funktionen auch vorhanden sind. „Für einen Fernseher bedeutet das, dass er fünf Stunden eingeschaltet war oder bei einer Kamera, dass zehn Bilder aufgenommen wurden“, sagt Bernhard Stock, der für die Stiftung Warentest im Bereich Untersuchungen tätig ist. Durchschnittlich könnten Bieter 40 Prozent gegenüber dem Neupreis sparen. Eine Garantie auf die Geräte gibt es aber nicht. Zusätzlich fällt bei erfolgreichem Gebot ein Aufpreis von rund 25 Prozent an.

Für die rund 200 Bieter der Auktion am Sonnabend offenbar kein Problem, viele von ihnen waren schon am frühen Morgen in das Industriegebäude gekommen, um die Produkte vor der Versteigerung anzuschauen. Ein junges Ehepaar aus Tempelhof ist in der Hoffnung gekommen, eines der 405 Produkte zu ersteigern. Doch die Konkurrenz um die Küchenmaschinen der Marken Kitchen Aid und Bosch, für die es eigentlich bieten wollte, ist zu groß. Sie werden nichts mit nach Hause nehmen.

„Bei Technikgeräten ist nichts zu machen, weil es darauf viele abgesehen haben“, sagt auch Istvan Urban, der mit seiner Frau und seinem fünf Monate alten Sohn aus Spandau nach Schöneberg gekommen ist. Er ist zufrieden, weil er alles bekommen hat, was er sich vorab auf der Auktionsliste ausgesucht hatte. Für 60 Euro hat die Familie einen Kinderwagen und für 30 Euro für einen Hochstuhl bekommen – mit dem Aufschlag hat sie insgesamt 100 Euro gezahlt. „Das ist weniger, als wir erwartet haben“, sagt Istvan Urban. Zusammen mit seiner Frau verstaut er die Gegenstände im Kofferraum seines Autos.

Küchengeräte sind beliebt, Matratzen bleiben liegen

Sobald sie ersteigert sind, können alle Gegenstände mitgenommen werden. Wer nicht alles transportieren kann hat vier Tage Zeit, sie abzuholen. Anne Boter aus Reinickendorf will kein zweites Mal kommen, deshalb will sie mit ihrem Mann und den Schwiegereltern alles einpacken. An der Abholstation bekommen sie eine Spülmaschine, einen Trockner und zwei Rauchmelder ausgehändigt. Und auch eine Kindermatratze, ein Laufrad und ein Blutdruckmessgerät konnten sie erstehen. 800 Euro haben sie insgesamt ausgegeben. Wie jedes Mal, wenn sie Auktionen besuchen, haben sie ein Auto mit viel Stauraum dabei. „Wir bauen gerade ein Haus, da ist es praktisch, wenn man Einrichtungsgegenstände günstiger als im Geschäft bekommt “, sagt die 29-Jährige. Vier Mal war die Familie schon bei einer Versteigerung von Stiftung Warentest dabei – und wurde bisher immer fündig. „Das Sortiment ist sehr groß und meistens von guter Qualität“, sagt Anne Boters Schwiegermutter Janine.

Das Auktionshaus Asset Orb, das die Versteigerung organisiert hat, und die Stiftung Warentest konnten bis auf 20 Gegenstände alles verkaufen. Übrig blieben vor allem Matratzen und Waschmaschinen, die am Montag ab 10 Uhr noch einmal mit etwas Rabatt am Werdauer Weg angeboten werden. Was dann noch übrig bleibt, kann auf der Website des Auktionshauses erworben werden. Die nächste reguläre Auktion von Stiftung Warentest findet am 15. Juni statt.