Rekommunalisierung

Finanzsenator: Kauf des Kosmosviertels nicht wirtschaftlich

Land Berlin unterstützt kommunales Wohnungsunternehmen mit 36 Millionen Euro – weil sich der Kauf nicht rechnet.

Stolzer Kaufpreis: 2000 Euro je Quadratmeter zahlte die landeseigene „Stadt und Land“ für die Plattenbauten.

Stolzer Kaufpreis: 2000 Euro je Quadratmeter zahlte die landeseigene „Stadt und Land“ für die Plattenbauten.

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin. – Im kommenden Monat wird das Kosmosviertel in Altglienicke mit seinem 1821 Wohnungen und 22 Gewerbeeinheiten ganz offiziell an die kommunale Wohnungsbaugesellschaft „Stadt und Land“ übergeben. Freude über die geglückte Rekommunalisierung der Plattenbauten kommt indes im Hauses des Finanzsenators Matthias Kollatz (SPD) nicht auf.

Der Wohnungsankauf im Kosmosviertel sei nur bedingt wirtschaftlich gewesen. Das sagte der Senator am Freitag dem RBB. Weil die Wohnungen teurer waren als es sich wirtschaftlich rechnen würde, habe Berlin der Wohnungsbaugesellschaft gut 36 Millionen Euro zum Kauf dazugegeben, so Kollatz.

Aus Sicht des Senators habe sich der Kauf aber trotzdem gelohnt, weil Berlin sich damit Belegungsrechte gesichert habe, sagte er. Diese Rechte sehen vor, dass belegungsgebundene Wohnungen ausschließlich Mietern mit Wohnberechtigungsschein zur Verfügung stehen.

2000 Euro je Quadratmeter für Plattenbauten in Randlage

Wie berichtet, hatte die „Stadt und Land“ die Kosmosiedlung nach Auffassung von Immobilienexperten im Februar für rund 250 Millionen Euro erworben. Das entspräche einem Quadratmeterpreis von 2000 Euro pro Quadratmeter für die teils sanierungsbedürftigen Plattenbauten in Stadtrandlage. Der Steuerzahlerbund hatte den Wohnungskauf daraufhin kritisiert. Laut eines Maklerexposés aus dem Jahr 2018 beträgt die Jahresnettokaltmiete für die Wohnungen im Kosmosviertel rund 6,7 Millionen Euro. Demnach liegt der Kaufpreis beim 37-fachen der Jahresmiete, was bedeutet, dass der Kaufpreis erst nach 37 Jahren wieder eingenommen wäre – notwendige Instandhaltungsausgaben nicht mit eingerechnet.

„Anbieter können jeden Preis verlangen – Berlin zahlt“

„Das Eingeständnis des Senators zeigt, dass der Senat das Geld mit vollen Händen aus dem Fenster wirft“, kritisierte Stefan Förster, Sprecher für Bauen und Wohnen der FDP-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus. Das Signal an potenzielle Verkäufer sei fatal: „Immobilienanbieter können in Berlin jeden Preis verlangen – und der Senat zahlt“.

„Es bleibt leider völlig unklar, was der Mieter eigentlich davon hat, dass die schlecht modernisierten Wohnungen nun im Landesbesitz sind“, monierte der wohnungspolitische Sprecher der CDU, Christian Gräff. Er erwarte vom Finanzsenator nun weitere Aufklärung. „Ich will wissen, wer wann und auf welcher Berechnungsgrundlage die Entscheidung getroffen hat, diese Siedlung zu kaufen“, so Gräff weiter. Die CDU werde dies im Hauptausschuss kommende Woche zur Sprache bringen.