Charité will befristet beschäftigte Ärzte behalten

Steigende Personalkosten bedrohen die positiven Ergebnisse in Berlins Universitätsklinik.

Ziehen Bilanz: Staatssekretär Steffen Krach, Karl Max Einhäupl, CharitéVorstandsvorsitzender und Ulrich Frei, Ärztlicher Direktor (v.r.).

Ziehen Bilanz: Staatssekretär Steffen Krach, Karl Max Einhäupl, CharitéVorstandsvorsitzender und Ulrich Frei, Ärztlicher Direktor (v.r.).

Foto: DAVIDS/Sven Darmer

Berlins Universitätsklinikum Charité hat zum achten Mal in Folge ein positives Jahresergebnis erwirtschaftet. 2018 schloss mit einem hauchdünnen Plus von 0,8 Millionen Euro ab. Der im September aus Altersgründen ausscheidende Charité-Chef Karl Max Einhäupl riet seinem Nachfolger Heyo Krömer, auch weiterhin auf schwarze Zahlen zu achten. „Sonst verlieren wir das Vertrauen der Berliner Bevölkerung und Politik“, warnte Einhäupl.

Aber es dürfte schwierig werden, unter den geltenden Finanzierungsbedingungen, die Universitätskliniken schon lange als für sie unzureichend kritisieren, weiter Verluste zu vermeiden. Ein Problem ist, dass die Krankenkassen in erheblichem Umfang Rechnungen der Charité nicht bezahlen wollen, weil die Leistungen nicht klar genug beschrieben oder die medizinische Notwendigkeit nicht ausreichend dokumentiert sind. Allein der Streit mit den Kassen beschert der Charité massive Verluste.

Der Vorstand verwies zudem auf Ausfälle von 2,7 Millionen Euro, die im vergangenen Jahr entstanden seien, weil die Charité auf den Kosten für die Versorgung von Patienten ohne Versicherungsschutz sitzen geblieben sei. Um die Probleme vor allem bei der Abrechnung ambulanter Fälle zu bekämpfen, würden jetzt viele Patienten, die sich länger in den Rettungsstellen aufhielten, als tagesstationär gewertet, um teure Diagnosen und Behandlungen leichter bei den Kassen geltend machen zu können. Die Zahl der ambulant behandelten Patienten sank deshalb 2018 um fast 10.000 auf 693.000. Stationär wurden 152.000 Patienten behandelt, drei Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Personalkosten belasten Budget zusehends

Vor allem die steigenden Personalkosten lasten auf dem Budget. Tarifsteigerungen, 500 zusätzliche Stellen im Laufe des Jahres 2018 und der politische Wunsch, Tochtergesellschaften für die Service-Dienstleistungen (CFM) und die Therapeuten (CPPZ) wieder ins Stammhaus und den dazu gehörenden Tarifvertrag einzugliedern, setzen die Charité finanziell unter Druck. Hinzu kommt ein auch nach der Sanierung des Betten-Hochhauses in Mitte erheblicher Investitionsbedarf und die Notwendigkeit, stärker in die Digitalisierung der Abläufe im Krankenhaus zu investieren.

Charité-Vorstand Karl Max Einhäupl sagte, er könne den Wunsch der Mitarbeiter nach besserer Bezahlung durch eine Rückkehr in den öffentlichen Tarifvertrag verstehen. Die dadurch entstehenden Kosten würden aber im bestehenden System nicht refinanziert. „Deswegen stellen wir uns manchmal etwas bockig", sagte Einhäupl. Seit Monaten streiken die Therapeuten der Tochtergesellschaft CPPZ.

Wissenschafts-Staatssekretär Steffen Krach sagte, die Ausgliederungen aus der Charité seien seinerzeit mit Zustimmung des Senats erfolgt, so werde man die Klinik jetzt nicht bei der Rückkehr in den Tarifvertrag allein lassen.

Einhäupl will befrist angestellte junge Ärzte als „Treiber von Innovation“

Einhäupl wies hingegen Forderungen der Ärztegewerkschaft Marburger Bund und der Berliner Koalition zurück, Ärzte nicht mehr befristet zu beschäftigen. Die Uni-Klinik als großer Ausbildungsbetrieb brauche die jungen Ärzte als Treiber der Innovation, sagte Einhäupl. Wenn alle fest angestellt würden, wäre die „Charité nicht mehr die Charité“. Insgesamt zog der Vorstand aber ein positives Fazit des vergangenen Jahres. Vor allem in der Wissenschaft seien Fortschritte erzielt worden. So stieg die Summe der eingeworbenen Drittmittel für Forschungsprojekte auf den Rekordwert von 171 Millionen Euro.

Ein Problem sei der Mangel an Fachkräften. Inzwischen rekrutiert die Charité Pflegepersonal in Mexiko, Vietnam und Albanien. Gemeinsam mit Vivantes plant der Vorstand eine neue Pflegeschule mit größerer Kapazität. Man suche ein Grundstück, wo auch Wohnungen für Pflege-Azubis entstehen könnten.