Forschungspolitik

Pille gegen Fettleber und eine Angel für kranke Zellen

14 Milliarden Euro erwirtschaften Berlins Firmen pro Jahr mit neuen Produkten. Die Delle bei den Innovationen liegt an der Konjunktur.

Eine Erhebung der Technologiestiftung hat ergeben, dass mehr als die Hälfte der Berliner Firmen innovativ sind, neue Produkte auf den Markt bringen oder Prozesse erneuern.

Eine Erhebung der Technologiestiftung hat ergeben, dass mehr als die Hälfte der Berliner Firmen innovativ sind, neue Produkte auf den Markt bringen oder Prozesse erneuern.

Foto: Sophia Kembowski / dpa

Berlin. Klaus Lücke hat eine Angel entwickelt. Damit fischt der Berliner Firmengründer aber nicht im Fluss, sondern in den Adern von Menschen. Ein feiner Draht wird in die Armbeuge geschoben, bestückt mit Antikörpern als Köder.

Aus dem Blut-Fluss sammelt die Entwicklung von Lückes Firma Invicol dann bestimmte Zellen. Die können ihm anzeigen, ob etwa nach einem überstandenen Herzinfarkt die Krankheit sich erneut ankündigt. Ärzte können dann frühzeitig eingreifen, ehe das Leiden wieder voll ausgebrochen ist.

Das gleiche Verfahren bereitet Lücke jetzt für Krebserkrankungen vor. Dafür wird er ein weiteres Profit-Darlehen bei der Berliner Förderbank IBB beantragen.

Mehr Investitionen als im Bundesdurchschnitt

Invicol, die im Colaborator für junge Firmen auf dem Gelände von Bayer in Wedding untergekommen ist, gehört zu den vielen kleinen Unternehmen, die etwas Neues erfinden. Eine Erhebung der Technologiestiftung hat ergeben, dass mehr als die Hälfte der Berliner Firmen innovativ sind, neue Produkte auf den Markt bringen oder Prozesse erneuern.

17 Prozent der Umsätze entfielen 2017 auf Produktneuheiten, 14,1 Milliarden Euro wurden damit erwirtschaftet. Fast 3,9 Milliarden Euro steckten Berliner Firmen 2017 in Innovationen.

Mit 4,6 Prozent der gesamten Ausgaben waren das deutlich mehr als im Bundesdurchschnitt. Besonders aktiv waren die Elektroindustrie, Messtechnik und Optik sowie die Pharma- und Medizin-Branche.

Ein neues Medikament zu schaffen dauert zehn Jahre

Dass die Innovationsaktivität in Berlin und in Deutschland generell leicht zurückgegangen ist, hält der Chef der Technologiestiftung Nicolas Zimmer nicht für dramatisch. Das sei in konjunkturell guten Zeiten oft so.

Wirtschaftsstaatssekretär Christian Rickerts (Grüne) verwies auf die hohe Nachfrage nach Fachkräften und nach den verschiedenen Fördertöpfen des Landes. „Aber wir müssen immer am Ball bleiben.“

Besonders die Entwicklung von neuen Medikamenten erfordert einen langen Atem. Zehn bis zwölf Jahre dauere es im Durchschnitt, bis ein neues Präparat auf den Markt kommen könne, sagte Matthias Gottwald, Leiter der Forschungs- und Entwicklungs-Politik bei Bayers in Berlin angesiedelter Pharma-Sparte.

Viele Tests und klinische Studien

Ein Kandidat für ein kommendes Erfolgs-Medikament wurde am Mittwoch mit der Innovationserhebung präsentiert. Grit Zahn von der Eternygen GmbH arbeitet an einer Pille, die Fettleber und andere ernährungsbedingte Stoffwechsel-Leiden bekämpfen soll.

Mit Geld der IBB Beteiligungsgesellschaft hat die 2012 gegründete Firma die ersten Hürden genommen und ein einsetzbares Molekül gefunden. Umfangreiche Tests und klinische Prüfungen müssen folgen, ehe das Medikament zugelassen werden kann.

Große Firmen wären womöglich schon ausgestiegen, sagte Zahn. Aber sie habe sich in die Lösung der Probleme verbissen und nun gute Ergebnisse.