Flug über Berlin

70 Jahre Luftbrücke: Rosinenbomber kehren nach Berlin zurück

Im Juni erinnern Rosinenbomber über Berlin an das Ende der Luftbrücke vor 70 Jahren. In Tempelhof landen sie aber nicht.

Ein "Rosinenbomber" vom Typ Douglas DC-3 Dakota steht auf dem Flughafen Berlin-Tempelhof unter dem Hangardach.

Ein "Rosinenbomber" vom Typ Douglas DC-3 Dakota steht auf dem Flughafen Berlin-Tempelhof unter dem Hangardach.

Foto: dpa

Berlin. 70 Jahre nach dem Ende der Luftbrücke werden über Berlin wieder die legendären „Rosinenbomber“ zu sehen sein. Mit Flügen von Flugzeugen des Typs Douglas DC-3 will ein Verein am 16. und 17. Juni an die spektakuläre Hilfs­aktion erinnern, mit der die West-Alliierten die damals mehr als zwei Millionen Bewohner von West-Berlin rund 16 Monate lang ausschließlich auf dem Luftweg versorgten. Zuvor hatte die Rote Armee alle Landzugänge und die Stromversorgung der Westsektoren gekappt. Weltweit bekannt wurde die völkerrechtswidrige Aktion vom Juni 1948 bis September 1949 als „Berlin-Blockade“.

Bereits vor einem Jahr war der in Hamburg gegründete Förderverein „Luftbrücke Berlin 70“ mit seinen Plänen für ein emotionales Gedenken an die bis dahin weltweit einzigartige Hilfs­aktion an die Öffentlichkeit gegangen. Damals auch noch mit der Idee, dass die Maschinen – wie vor 70 Jahren – auch in Berlin landen können. Die große Hoffnung der Organisatoren war, zumindest den einstigen Flughafen Tempelhof, wo anders als in Tegel der übrige Luftverkehr nicht behindert wird, anfliegen zu dürfen. Obwohl zwischenzeitlich die Berliner Senatsverkehrsverwaltung ihre Bereitschaft signalisierte, eine entsprechende Ausnahmegenehmigung zu prüfen, lassen sich diese Ideen nun offenbar nicht umsetzen.

Wie der Verein am Mittwoch mitteilte, sind im Rahmen der achttägigen Feierlichkeiten zum Luftbrücken-Jubiläum nun in Berlin lediglich zwei Überflüge geplant: Einmal am 16. Juni gegen 17 Uhr, ein zweiter Flug am 17. Juni gegen 13 Uhr. Die Piloten wollen mit ihren „Rosinenbombern“ dabei den einstigen Flughafen Tempelhof sowie das Brandenburger Tor überfliegen.

Letzteres ist durchaus etwas Besonderes. Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 ist der Himmel über dem Berliner Regierungsviertel für zivile Flugzeuge eigentlich gesperrt. Überflüge wie etwa nach dem deutschen Sieg der Fußball-WM 2014 durch eine Lufthansa-Boeing sind nur ausnahmsweise möglich. Eine solche Genehmigung liege nun vor, teilte der Verein mit. Dies werde für einzigartige Bilder sorgen, die von Deutschland aus um die Welt gehen werden. Für Vereinssprecher Thomas Keller „ein wunderbares Symbol der Völkerfreundschaft“.

Bundespräsident Steinmeier ist Schirmherr der Flüge

Zudem gab die Initiative bekannt, dass Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Schirmherrschaft für die „Luftbrücke 70 – Die Rückkehr der Rosinenbomber“ übernommen hat. „Wir freuen uns und und fühlen uns geehrt, dass der Bundespräsident diese einmalige Veranstaltung unterstützt“, sagte Jörg Siebert, der zusammen mit Peter Braun und Thomas Keller einer der drei Initiatoren des international beachteten Flugevents ist. Nach ihren Angaben sind inzwischen Pilotenteams aus 14 Nationen gewonnen worden, die mit historischen Maschinen an dem Spektakel teilnehmen wollen. Wie es heißt, werde sich dabei mehr als die Hälfte der 36 Flugzeuge auf den schwierigen Weg von der Ostküste der USA über die Nordatlantik-Route nach Europa machen. Das bedeutet für die Piloten: bis zu 40 Stunden reine Flugzeit, größtenteils in wasserdichten Überlebensanzügen absolviert.

Für die Flüge über Berlin werden die meisten Maschinen von Frankfurt am Main aus starten. Auch über Wiesbaden (Hessen), Faßberg (Niedersachsen) und Jagel (Schleswig-Holstein) soll mit Flügen an die Luftbrücke erinnert werden. In diesen Städten befanden sich Flugplätze, von denen aus die Maschinen der West-Alliierten über drei Luftkorridore die sowjetische Besatzungszone ohne besondere Genehmigung in Richtung Berlin überfliegen konnten. Mit am Ende fast 280.000 Flügen wurden mehr als zwei Millionen Tonnen Güter in die Stadt gebracht. Darunter nicht nur dringend benötigte Lebensmittel und Medikamente, sondern auch rund 1,4 Millionen Tonne Kohle, mit denen die Stromerzeugung in der Stadt gesichert wurde und mit denen die West-Berliner auch ihre Öfen feuern konnten.

Weil viele Piloten – sehr zur Freude der Kinder – aus der Luft auch Süßigkeiten abwarfen, gingen die Luftbrücke-Maschinen als „Rosinenbomber“ in die Geschichte ein. Die US Air Force und die britische Royal Air Force setzten damals vor allem robuste Maschinen vom zweimotorigen Typ DC-3 (militärische Bezeichnung C47) und die viermotorige DC-4 (C-54 Skymaster) ein.

Rückkehr der „Rosinenbomber“ als Schnapsidee

Die Rückkehr der „Rosinenbomber“ nach 70 Jahren sei im wahrsten Sinne des Wortes eine Schnapsidee gewesen, hatte Mitinitiator Thomas Keller aus Hamburg vor knapp einem Jahr der Berliner Morgenpost erzählt. Er und seine Freunde, der Holländer Peter Braun aus Groningen und Jörg Siebert von der Nordseeinsel Föhr, hätten sich 2016 mit anderen ehemaligen Fallschirmjägern zum Springen getroffen. Braun hatte eine DC-3 für die Veranstaltung organisiert und sich schon Gedanken darüber gemacht, was mit den aufwendig restaurierten Maschinen nach dem Wochenende passieren sollte. Es sei doch einfach zu schade, die „treuen Dakotas“ nicht weiter zu nutzen. Erinnert wurde sich an die besondere Rolle dieser robusten Flugzeuge bei der Luftbrücke von Berlin. Schnell war klar, dass der „Luftbrücken-Spirit“ mit einer öffentlichen „Luftbrücke zum Anfassen“ auf den Originalflugplätzen von damals noch einmal wiederbelebt werden sollte.

Wahrscheinlich zum letzten Mal, denn die Aktion erfordert viel Engagement und einen hohen finanziellen Einsatz. Wie erst vor Kurzem berichtet, wird der einzige in Berlin beheimatet „Rosinenbomber“ voraussichtlich nicht mehr abheben. Die im Juni 2010 in Schönefeld verunglückte Maschine sollte neu aufgebaut werden. Der Förderverein Rosinenbomber e. V. gab jedoch im Februar bekannt, dieses Vorhaben aufgrund unkalkulierbarer Kosten sowie von Problemen bei der Zulassung für den Passagiereinsatz aufzugeben. „Wir haben diese Entscheidung schweren Herzens getroffen“, sagte damals der Vereinsvorsitzende Frank Hellberg der Berliner Morgenpost.