Unfallstatistik

Berliner Autofahrer flüchten immer häufiger vom Unfallort

Die Polizei registriert 2018 in Berlin insgesamt 34.200 Fälle. Mehr als 20.000 Straftaten bleiben in der Hauptstadt unaufgeklärt.

Mehr als 20.000 Straftaten bleiben in der Hauptstadt unaufgeklärt.

Mehr als 20.000 Straftaten bleiben in der Hauptstadt unaufgeklärt.

Foto: Paul Zinken / picture alliance / dpa

Berlin.  In Berlin flüchten immer mehr Fahrer, wenn es einen Autounfall gab. Das geht aus einer Antwort der Innenverwaltung auf eine kleine Anfrage des CDU-Abgeordneten Peter Trapp hervor. Demnach entfernten sich im vergangenen Jahr 34.204 Autofahrer vom Unfallort. Das waren 1000 mehr als im Jahr zuvor. Zum Vergleich: Im Jahr 2012 gab es in Berlin 28.578 Unfallfluchten. Seit Jahren steigen diese Zahlen demnach kontinuierlich an.

Mehr als 20.000 Unfallfluchten blieben laut Innenverwaltung ungesühnt. Insgesamt konnte die Behörde 14.192 Fahrer ermitteln. Im Jahr zuvor waren es 13.528. Für den CDU-Innenexperten Peter Trapp sind die Zahlen alarmierend. „Mehr Sicherheit gibt es nur mit mehr Kontrollen“, sagte er der Berliner Morgenpost. Jeder Unfall sei einer zu viel. „Werden Verstöße bei Kontrollen festgestellt, müssen Sanktionen an Ort und Stelle folgen“, fordert Trapp.

Auch im Jahr 2018 gab es wie berichtet wieder mehr Verkehrsunfälle und Tote im Berliner Straßenverkehr. Insgesamt wurden 144.325 Verkehrsunfälle aufgenommen, 15.132 davon mit Personenschaden. Legt man die Unfälle und die Unfallfluchten in den einzelnen Bezirken übereinander, ist der Anteil der Fluchten in Marzahn-Hellersdorf mit einem Anteil von 26 Prozent am höchsten. Das heißt: Jeder vierte Autofahrer entfernte sich dort unerlaubt vom Unfallort. Der Berliner Durchschnitt liegt bei 23,7 Prozent. Am niedrigsten ist dieser Wert in Mitte mit 21,2 Prozent.

Damit bestätigt sich, was Polizisten schon länger vermuten. Fälle, in denen Autofahrer sich in Berlin nach einem verursachten Unfall flüchten oder sich einer Polizeikontrolle entziehen, kommen immer häufiger vor.

Sanktionen schrecken häufig nicht ab

Ermittler kritisieren, dass Sanktionen zu lasch seien. Ein Fahrverbot oder der Entzug der Fahrerlaubnis beeindrucken vor allem die nicht, die ohnehin ohne Führerschein unterwegs seien. Gewerkschaften sagen, dass es bei vielen Fahrern keinerlei Skrupel gebe und wenn jemand erwischt werde, handle es sich vielfach um „Zufallskontrollen“.

Auch die Verfolgung der Delikte durch die Justiz gestaltet sich schwierig, allen Gesetzesverschärfungen zum Trotz. Das gilt vor allem dann, wenn der Täter entkommt. Das hat vor allem mit dem Ermittlungsaufwand zu tun.

Denn den Halter eines Fahrzeugs zu ermitteln, reicht bei Weitem nicht aus. Es ist fast schon die Regel, dass Halter bestreiten, zum Tatzeitpunkt selbst gefahren zu sein, hieß es kürzlich aus Justizkreisen auf Nachfrage dieser Zeitung. Und Angaben zum Fahrer können sie verweigern, weil sie weder sich, noch einen nahen Angehörigen belasten müssen. „Und mancher Halter gibt an, er wisse einfach nicht, wer gefahren ist“, so ein Staatsanwalt.

Polizei will Kontrolldruck erhöhen

Zuletzt war bekannt geworden, dass die Berliner Polizei den Kontrolldruck auf Verkehrssünder erhöhen will. Zum einen soll die Verkehrspolizei in einer eigenen Direktion gebündelt und damit aufgewertet werden. Zum anderen hat die Polizei den Beamten in den Direktionen in Zielvereinbarungen genaue Vorgaben gemacht, wie viele Verkehrssünder mindestens bestraft werden müssen.

Für die Jahre 2018 und 2019 hat sich die Polizei demnach verpflichtet, in allen Direktionen an fünf ausgewählten Kreuzungen stärker zu kontrollieren. Dort sollen jeweils mindestens 150 Verkehrssünder bestraft und fünf Präventionseinsätze pro Jahr durchgeführt werden. „Die Reduzierung der Zahl der Verkehrsunfälle und hier insbesondere die Minimierung der Zahl der Verletzten und Toten im Straßenverkehr sind zwei der erklärten Ziele der Polizei Berlin“, sagte Polizeisprecher Thilo Cablitz der Berliner Morgenpost.