„Was soll der Spucknapf?“

Falscher Brunnen in Friedenau aufgestellt

Seit Jahren tobt ein Streit um den Platz vor dem alten Friedenauer Rathaus. Jetzt wurde auch noch der falsche Brunnen aufgestellt.

Der Brunnen am Breslauer Platz in Friedenau ist das falsche Modell und soll ausgetauscht werden.

Der Brunnen am Breslauer Platz in Friedenau ist das falsche Modell und soll ausgetauscht werden.

Foto: Gudrun Mallwitz

Berlin. Der Breslauer Platz im Schöneberger Ortsteil Friedenau ist ein Paradebeispiel dafür, wie sich Verwaltung und Politik jahrelang im Kreise drehen können. Es fehlte zwar nie an Ideen, wie man ihn attraktiver machen könnte. Doch umgesetzt wurde davon kaum etwas. Seit 2005 haben sich die Bezirksverordneten quer durch die Parteien in rund 30 Anfragen und Anträgen an der Gestaltung des kleinen Platzes vor dem früheren Rathaus an der Rheinstraße abgearbeitet. Mit dem Ergebnis sind sie selbst nicht einmal ansatzweise zufrieden.

Kritik an Verwaltung

„Den in diesen Jahren zuständigen Stadträten ist es bis heute nicht gelungen, die von den Bürgern gewünschte Verbesserung hinzubekommen“, bedauert Marijke Höppner, SPD-Fraktionsvorsitzende in der Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg. Auch um einen Brunnen wird seit Jahren gestritten. Jetzt wurde endlich einer aufgestellt - und es ist der Falsche.

„Uns wurde von Bezirksstadträtin Christiane Heiß versprochen, dass zunächst der Kaiserbrunnen am Breslauer Platz eingesetzt würde“, sagt Höppner. „Das Versprechen wurde nicht gehalten.“ Aufgestellt wurde ein grauer Botsch-Brunnen, der nach seinem Designer Marcus Botsch benannt ist. Sie erwarte daher, dass die Stadträtin sich mit den Berliner Wasserbetrieben in Verbindung setzt - „und eine bessere Lösung für den Breslauer Platz findet, als dieses leicht verdreckbare Modell im Stil einer Flugzeugtoilette“.

Bürgerinitiative reagiert entsetzt

Regelrecht entsetzt reagierte die Bürgerinitiative, die sich bislang vergebens für einen schmuckvollen Marktbrunnen in der Mitte des Platzes eingesetzt hat. Anwohner Jo Glässel, der sich in der „BI Breslauer Platz“ engagiert, wirft Stadträtin Christiane Heiß (Grüne) nun vor, die Bürgerwünsche zu ignorieren. Er spricht von einem „sinnlosen Mundwasserspender“ und ungeeigneten„Spucknapf“.

Die Händler, die mittwochs, donnerstags und sonnabends auf dem Platz ihre Stände aufbauen, scheint der falsch gelieferte Mundsprinkelbrunnen nicht zu interessieren. „Was soll der Spucknapf hier?“, fragt Detlef Krüger allerdings. „Das hat doch wieder einmal nur Geld gekostet.“ Krüger ist der dienstälteste Händler auf dem Markt, seit 30 Jahren verkauft er hier seine Fische. Beliebt bei „Mausisfisch“ sind auch die hausgemachten Salate.

In seinen Augen wäre viel wichtiger, dass endlich das Verkehrsproblem gelöst wird. Versuche, den Platz und die parallel verlaufene kleine Lauterstraße als Fußgängerzone auszuweisen, sind bisher gescheitert. Ein entsprechender Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung wurde nie umgesetzt. Stadträtin Heiß hat nun versprochen, bis zum Sommer die Fußgängerzone umzusetzen.

Die Straße ist derzeit eine Spielstraße, auf dem Platz aber wird weiter geparkt, obwohl das nicht erlaubt ist. Das liegt wohl auch an den durch eine Markierung im Pflaster immer noch ausgewiesenen Parkplätzen.

In den sozialen Medien wird darüber immer wieder diskutiert. „Verstehe ich da etwas nicht mit dem Parkverbot auf dem Platz, verstehen die Leute etwas nicht, oder ist es ihnen einfach gleichgültig?, fragte jüngst einer auf Facebook.

„Ist doch sowieso ein völlig missglücktes Projekt“, meinte daraufhin ein anderer. „Autos sollten da gar nichts zu suchen haben, das wäre mehr Lebens- und Aufenthaltsqualität.“

Stadträtin: Brunnen wird ausgetauscht

Auf Anfrage sagte Stadträtin Heiß: „Wir bleiben dran an dem Ziel, den Breslauer Platz attraktiver zu machen.“ Und was ist mit dem falsch gelieferten Brunnen? „Es handelt sich ohnehin nur um eine Übergangslösung“, betont Heiß. „Die Wasserwerke werden auf dem Breslauer Platz einen Trinkbrunnen aufstellen,der dann auch von Kindern und Rollstuhlfahrern genutzt werden kann.“ Das jetzige Modell sei zu hoch dafür.

Wasserbetriebe: Ausdrücklicher Wunsch

Der Sprecher der Berliner Wasserbetriebe, Stephan Natz, teilte der Berliner Morgenpost mit: „Ein Austausch ist erst einmal nicht vorgesehen, weil wir aktuell keinen völlig barrierefreien Trinkbrunnen haben.“ Danach suche man noch. Rollstuhlfahrer könnten aber auch bei diesem Modell Trinkflaschen füllen, wenn sie dicht neben den Brunnen fahren. Der Botsch-Brunnen sei auf ausdrücklichen Wunsch des Bezirksamtes aufgestellt worden. Dort habe man befunden, dass er mit seiner schlichteren Metalloptik besser zu den anderen Installationen auf dem Platz passe, als der blaue Kaiser-Brunnen.

An diesem Mittwoch werde neben dem Trinkbrunnen den ebenfalls neue versenkbare Telehydranten an die Betreiber des Wochenmarktes übergeben, kündigte der Sprecher an. Der Hydrant mache das Ausleihen von Standrohren sowie das Spülen derselben nebst Labortests überflüssig.

Telefonzelle als Sinnbild

Für SPD-Fraktionschefin Marijke Höppner ist der jüngste Vorgang ein weiteres Zeichen dafür, dass es weiterhin nicht voran geht. „Eine meiner Vorgängerinnen, Elke Ahlhoff, schrieb 2005 den ersten Antrag zur gestalterischen Veränderung des Platzes“, berichtet sie. „Damals sollte eine Telefonzelle entfernt werden.“ Doch noch heute stehe die Telefonzelle dort. Sie sei inzwischen Sinnbild für die langsame Entwicklung auf und um den Breslauer Platz.

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