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Frühjahrsputz im Sea Life Berlin

Putztag im Sea Life: Bei Algenbewuchs werden die Panzer der Schildkröten mit einer Zahnbürste geschrubbt.

Eine Schildkröte bekommt ihren Frühjahrsputz.

Foto: Michele Tantussi / Getty Images

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Berlin.  Mit einem Kescher holt Martin Hansel die fast handtellergroßen Schildkröten vorsichtig aus ihrem Becken und setzt sie in die blaue Plastikwanne. „Insgesamt haben wir sechs Exemplare der Europäischen Sumpfschildkröte. Die etwas größeren sind etwa 7 Jahre und die kleinen 6 Jahre alt.“ Martin Hansel (51) ist Kurator und Chefaquarist des SEA LIFE Berlin.

Seit September 2003 kümmert sich hier um das Geschäft und das Wohl der Tiere. Heute ist normaler Besucherbetrieb, doch, unter anderem für die Europäischen Sumpfschildkröten, ist es ein besonderer Tag: Sie werden gemessen, gewogen, und bei Bedarf geputzt.

Einmal im Jahr müssen die stark gefährdeten Reptilien zur Kontrolle ihr 2,40m-großes Becken verlassen und auch auf äußerliche Auffälligkeiten, wie Dellen oder Verformungen, überprüft werden. „Es kommt auch mal vor, dass ein Exemplar zu dick ist. Dann isolieren wir das Tier für einige Zeit von den anderen und setzen es auf eine Diät“, berichtet Hansel.

Panzer der Schildkröten Zahnbürste geschrubbt

Bei Algenbewuchs werden die Panzer der Schildkröten außerdem mit einer weichen Zahnbürste geschrubbt. Dabei darf nicht zu grob vorgegangen werden, da die Reptilien den Druck auf dem Panzer spüren und Verletzungsgefahr besteht. „Diesmal ist das aber nicht nötig, keine der Schildkröten weisen ernsthaften Bewuchs auf“, stellt der Kurator fest.

Nachdem jedes Tier begutachtet wurde, dürfen sie wieder in ihr Becken zurückkehren und sich von dem Landausflug erholen. Sie sind es nicht gewohnt, sich außerhalb ihres Aquariums aufzuhalten. Alle weiteren Untersuchungen und die Säuberung werden normalerweise mit den Tieren in ihrem Becken vorgenommen.

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Nach den Schildkröten geht es weiter zum drittgrößten Aquarium des SEA LIFE Berlin. Der Schwarmring ist verspiegelt, fasst 40.000 Liter und zieht sich 33 Meter einmal im Kreis um die Besucher in ihrer Mitte herum. Barschverwandte Fische aus der Familie der Meerbrassen schwimmen unbeeindruckt der vielen Besucher ihre Runden. Ein lautes Platschen lässt sie jedoch blitzschnell ausweichen.

Martin Hansel ist in Watthose und Stiefel in das Becken gestiegen. Im etwa hüfthohen Wasser beginnt er mit einem Lammfellwischer die Glasscheiben des Aquariums von innen zu reinigen. Ähnlich wie ein Fensterputzer zieht der Kurator den dünnen Schmutzfilm ab. Mehrere Stunden in der Woche verbringen zwei Mitarbeiter damit, die Glasscheiben und Spiegel des Schwarmrings zu säubern. Mehrmals im Monat gibt es eine Bodenreinigung. Hier werden Futter- Kot- und andere Reste (auch Mulm genannt) vom Boden entfernt.

Besondere Putzmaßnahmen müssen auch beim Atlantikbecken und beim Bubble Becken mit dem großen Bullauge getroffen werden. Das Aquarium für die Muränen hat neben der ausgebeulten Halbkugel in der Glasscheibe mehrere Rohre als Dekoration und Lebensraumreplikation und ist daher schwierig zu reinigen. „Hier lassen wir das Wasser einmal im Monat auf Kniehöhe ab. Die Muränen und Fische bleiben dabei im Becken“, erklärt Hansel. Mit einem Tuch wird dann händisch das Bullauge gesäubert, mehrere Stunden lang.

Atlantikbecken alle zwei Wochen gereinigt

Das Atlantikbecken fasst 260 000 Liter und ist damit das größte Aquarium des SEA LIFE Berlin. Es beheimatet vor allem Rochenarten und wird alle zwei Wochen komplett gereinigt, der Tunnel einmal wöchentlich. Ein Großteil davon geschieht meistens außerhalb der Öffnungszeiten. In Tauchanzügen und Sauerstoffflaschen steigen Aquaristen in das Becken und putzen mit Saugglocken und starken Magneten, die ggf. auch Kreditkarten und Handyspeicher beschädigen können.

Am Ende sind die Acrylglasscheiben beidseitig auf Hochglanz poliert. Besucher und Fische haben jetzt den Durchblick. Morgen geht die Putzaktion dann wieder von vorne los – allerdings nur von außen.