Prozess in Berlin

KO-Tropfen statt Sex: 19-Jährige verurteilt

Eine junge Frau setzte bei ihren Beutezügen zwei Berliner Senioren mit Schlafmitteln außer Gefecht.

Die 19-Jährige wurde zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt.

Die 19-Jährige wurde zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt.

Foto: Volker Hartmann / dpa

Berlin. Wenn Männer im fortgeschrittenen Alter eine wildfremde junge Frau in Erwartung amouröser Abenteuer mit nach Hause nehmen, kann das ein böses Erwachen geben. Das mussten im vergangenen Jahr zwei Senioren aus Hellersdorf und Neukölln erfahren. Und der Begriff Erwachen traf dabei wörtlich zu. Ihre Besucherin setzte die 74 und 63 alten Männer mit KO-Tropfen außer Gefecht. Als sie wieder aufwachten, fehlten Geld, Schmuck und sonstige Wertsachen.

Am Montag begann vor einer Jugendkammer des Landgerichts der Prozess gegen die 19-jährige Florentina-Regina B. Und fand nach zügigem Verlauf der Verhandlung noch am gleichen Tat sein Ende. Da die gebürtige Rumänin ein umfassendes Geständnis ablegte, verurteilte das Gericht sie wegen schweren Raub und gefährlicher Körperverletzung zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe.

Im Januar vergangenen Jahres traf sich die Angeklagte mit zwei anderen jungen Frauen. Das Trio beschloss spontan: „Lass uns Geld machen“. Ein geeignetes Opfer war mit dem 74-jährigen Hellersdorfer schnell gefunden. Kaum hatte der die Damen auf der Straße kennengelernt, lud er sie in seine Wohnung ein. Dort ging alles ganz schnell. Eine unauffällig in sein Getränk gemischte „Pastille“ ließ ihn augenblicklich das Bewusstsein verlieren. Die jungen Frauen durchsuchten ungestört seine Wohnung und zogen mit Bargeld, einem Handy und mehreren Uhren von dannen.

19-Jährige erbeutet Schmuck der verstorbenen Ehefrau ihres Opfers

Gebracht hat ihnen das nicht viel. Keiner habe ihnen ihre Beute abkaufen wollen, alle in Frage kommenden Käufer hätten von wertlosem Zeug geredet, klagte die 19-Jährige vor Gericht. Im August versuchte sie es noch einmal, diesmal allein. Auch das zweite Opfer, der 63-Jährige Neuköllner versank dank „Pastille“ schnell ins Reich der Träume. Diesmal erbeutete die junge Frau neben Bargeld noch den Schmuck der verstorbenen Ehefrau ihres Opfers, einen Laptop und mehrere Personaldokumente. Selbst seinen Zigarettenvorrat verschmähte sie nicht.

Für das Gericht waren die angeklagten Taten entscheidend. Warum genau die Männer die 19-Jährige mit nach Hause nahmen, das war von untergeordneter Bedeutung. Das kam auch den als Zeugen geladenen Opfern durchaus entgegen. Auch wenn es ihnen erkennbar peinlich war, wurde durch ihre zögerlichen Antworten schnell klar: Es ging um Sex.

Die Männer hätten Sex gewollt, sie sei nur zum Schein darauf eingegangen, um in die Wohnungen zu gelangen, sagte die Angeklagte. Bei den Opfern klang das etwas anders. Es sei die 19-Jährige gewesen, die entsprechende Angebote unterbreitet hätte, sagte der 74-Jährige: „Die ist ja förmlich hinter mir hergerannt“. Was während seiner Bewusstlosigkeit mit ihm passierte, blieb ungeklärt. „Auf jeden Fall sah ich nach dem Wachwerden aus wie ein Rummelplatz-Boxer“, erklärte der Zeuge dem Gericht.

Auch das zweite Opfer sprach nach längerem Zögern davon, dass er auf Sex gehofft hatte. Stattdessen sei er plötzlich weg gewesen und habe nach dem Aufwachen nichts weiter als Kopfschmerzen gespürt. Eigentlich wollte er gar nicht aussagen, musste sich aber vom Gericht belehren lassen, dass er als Zeuge dazu verpflichtet sei. „Dauert auch nicht lange“, beruhigte ihn die Vorsitzende.

Sichergestellte Fingerabdrücke brachten die Polizei auf die Spur der bereits wegen Ladendiebstählen aktenkundigen Angeklagten. Im November 2018 musste die junge Frau, die selbst Mutter eines acht Monate alten Jungen ist, in Untersuchungshaft. Die wurde mit dem Urteil am Montag aufgehoben.