Vorbild USA

Berliner Obdachlose sollen in Zeltstädte ziehen

Sozialsenatorin Elke Breitenbach plant Unterkünfte mit Toiletten, Duschen und Betreuung. Allerdings nur für eine begrenzte Zeit.

Schätzungen zufolge leben bis zu 10.000 Obdachlose in Berlin.

Schätzungen zufolge leben bis zu 10.000 Obdachlose in Berlin.

Foto: Ralf Hirschberger / dpa

Berlin.  Der Frühling kommt mit großen Schritten, und mit ihm steigt auch die Zahl der Obdachlosen, die die Winternotquartiere verlassen und wieder auf die Straße müssen. Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) will für diese Menschen eine neue Art der Unterbringung erproben. Wie Breitenbachs Sprecherin Regina Kneiding der Berliner Morgenpost bestätigte, sollen Berlins Obdachlose künftig in Zeltstädten unterkommen.

Betreuung durch Sozialarbeiter

Geplant sind Unterkünfte, die mit Toiletten und Duschen ausgestattet sind. Auch sollen die Bewohner Betreuung durch Sozialarbeiter erhalten. Eine Dauerlösung sollen die Zeltstädte nicht sein, geplant ist eine Aufenthaltsdauer zwischen drei und sechs Monaten. Vorbild sind die sogenannten „Tent Cities“ in den USA. Erfahrungswerte lieferte auch das Obdachlosencamp an der Rummelsburger Bucht, das zwar nicht genehmigt ist, aber geduldet wird. Seit Anfang des Jahres werden die Bewohner dort von Sozialarbeitern betreut. „Dort sind bereits erste Erfolge sichtbar“, so Kneiding.

Wie viele der Zeltstädte es geben soll und wo, ist noch vollkommen unklar, zunächst gilt es, das Projekt mit den Bezirken abzustimmen und die Diskussion zum Thema anzustoßen. Aber so oder so: „Diese Menschen sind da. Und sie werden nicht verschwinden“, sagte Kneiding. Aktuell sei die hohe Zahl der Obdachlosen weniger sichtbar, mit steigenden Temperaturen werde die Not aber wieder offensichtlich. Berlin brauche eine „gesamtstädtische Lösung“.

Schätzungen zufolge leben zwischen 6000 und 10.000 Menschen in Berlin auf der Straße. Eine genaue Zahl will der Senat dieses Jahr per Zählung ermitteln. Dann soll nicht nur bekannt sein, wie viele Obdachlose es gibt, sondern auch, woher sie kommen und welche Art von Hilfe sie benötigen. Vor allem Osteuropäer zieht es seit einiger Zeit vermehrt in die Hauptstadt. Einen Anspruch auf einen bezahlten Wohnheimplatz haben sie nicht.

Räumung illegaler Obdachlosencamps keine Dauerlösung

Illegale Obdachlosencamps zu räumen, wie zuletzt in Mitte praktiziert, könne auf Dauer nicht die Lösung sein, sagte Kneiding: „Wenn man solche Lager auflöst, werden die Menschen nur an andere Orte in der Stadt vertrieben.“

Dieter Puhl, der jahrelang die Bahnhofsmission am Zoo leitete, hält das Vorhaben für eine gute Sache. Obdachlose bräuchten ein Stück Zugehörigkeit, genau das könnten die Zeltstädte liefern. Größter Vorteil sei die Möglichkeit der Hygiene, und dass die Bewohner sich gegenseitig schützen könnten. Immer wieder kommt es in Berlin zu gewaltsamen Übergriffen auf Obdachlose.