Nahverkehr in Berlin

Darum fuhr die Kanzler-U-Bahn tagelang nicht

Seit Tagen ist Berlins kürzeste U-Bahnlinie wegen technischer Probleme lahmgelegt. Ab Montag sollen wieder Züge fahren.

Ein U-Bahnzug der Linie U55 fährt am Bahnhof Brandenburger Tor ein.

Ein U-Bahnzug der Linie U55 fährt am Bahnhof Brandenburger Tor ein.

Foto: Paul Zinkenpicture alliance / dpa

Berlin. Die kürzeste U-Bahnlinie von Berlin, die U55, soll am Montag wieder ihren Betrieb aufnehmen. Das bestätigte Petra Nelken, Sprecherin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), am Sonntag der Berliner Morgenpost. Ursprünglich sollten die Züge bereits ab Sonnabend wieder fahren.

Werkstatt durch Bauarbeiten blockiert

Die auch als Kanzler-U-Bahn bekannte Linie hatte am 6. März ohne Vorankündigung ihren Betrieb eingestellt. Als Grund wurde zunächst eine „technische Überprüfung“ genannt. Wie die BVG später mitteilte, konnten gesetzlich vorgeschriebene Wartungsarbeiten nicht stattfinden, weil die Werkstatt am Ende des U55-Tunnels unter dem Hauptbahnhof durch die Baulogistik für die geplante U5-Verlängerung blockiert war.

Unter anderem konnten bei den auf der Linie eingesetzten Doppelwagen nicht die vorgeschriebenen Prüfungen der Räder auf Risse erfolgen. In eine solchem Fall dürfen die Züge aus Sicherheitsgründen nicht weiterfahren. Da die U55 eine Insellinie ohne Anschluss an das übrige Berliner U-Bahnnetz ist, konnten die Wagen auch nicht anderswo untersucht werden. Laut BVG sollte die U55 bis zum 15. März pausieren. Den Fahrgästen wurde empfohlen, den Abschnitt mit der S-Bahn zu umfahren oder auf die Buslinie TXL umzusteigen.

Linie nur 1,5 Kilometer lang

Die gerade einmal rund 1500 Meter lange U55 mit den drei Stationen Hauptbahnhof, Bundestag und Brandenburger Tor (offizielle Fahrzeit: zwei Minuten) war im August 2009 nach mehr als 14 Jahren Bauzeit in Betrieb gegangen. Die Kosten wurden mit 320 Millionen Euro beziffert. Die inoffizielle Bezeichnung „Kanzler-U-Bahn“ bekam die Verbindung, weil sie mitten durch das Regierungsviertel führt und zudem Bestandteil des vom damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl mit Berlin vereinbarten Hauptstadtvertrages ist. Genutzt wird die Linie von vergleichsweise wenigen Fahrgästen, hauptsächlich von Touristen.

U5-Verlängerung soll Ende 2020 in Betrieb gehen

Die U55 gilt als erstes Teilstück für die eigentlich im Hauptstadtvertrag vorgesehene Verlängerung der U-Bahnlinie 5 vom Alexanderplatz bis zum Hauptbahnhof. An dem fehlenden 2,2 Kilometer langen Teilstück wird seit 2011 gebaut, die Strecke zwischen Alex und Brandenburger Tor mit den weiteren Bahnhöfen Rotes Rathaus, Museumsinsel und Unter den Linden soll Ende 2020 in Betrieb gehen. Wegen der inzwischen aufgebrauchten Zeitreserven im Bauplan gilt der Termin inzwischen aber als sehr ambitioniert. Die Baukosten wurden zuletzt mit 525 Millionen Euro angegeben.