Eisbär-Nachwuchs im Zoo

Kleine Berliner Eisbärin zum ersten Mal im Außengehege

Zwei Jahre hat der Tierpark darauf gewartet, einen kleinen Eisbären präsentieren zu können. Das dritte Jungtier hat es nun geschafft.

Die kleine, noch namenlose Eisbärin macht ihre erste Erkundungstour im Tierpark mit ihrer Mutter Tonja. Das Eisbär Mädchen ist vor dreieinhalb Monaten zur Welt gekommen.

Die kleine, noch namenlose Eisbärin macht ihre erste Erkundungstour im Tierpark mit ihrer Mutter Tonja. Das Eisbär Mädchen ist vor dreieinhalb Monaten zur Welt gekommen.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Als erstes zeigt sich Eisbärenmutter Tonja im Höhlenausgang. Die neun Jahre alte Bärin streckt die Nase in die Luft und checkt die Lage. Passt. Sie dreht um und verschwindet wieder. Beim zweiten Mal kommt sie rückwärts aus der Höhle heraus, vor ihrer Nase tänzelt ein kleines weißes Minibärchen. Zaghaft ist anders. Das dreieinhalb Monate alte Jungtier ist ein kleiner Draufgänger. Kein Felsen zu hoch, kein Wasser zu tief – das wird es gleich dem Publikum zeigen. Immer an Mamas Seite dreht es eine erste Runde über die Außenanlage, untersucht den mit Holzspänen ausgelegten Schlafplatz und verschwindet nochmal in der Höhle. Alles ist noch da, alles ist wie immer, nur das große Abenteuer Welt wartet. Das ist ab sofort Bärchens Welt.

Interesse wie sonst bei Präsidenten

„Wir sind glücklich über diesen Tag“, sagt Zoo- und Tierparkdirektor Andreas Knieriem zu den aufgebauten Presseteams, bevor das Jungtier herausgelassen wird. Unzählige Kameras hatten bereits ihre Objektive auf den Höhlenausgang gerichtet. Ein solches Interesse gebe es eigentlich sonst nur bei Präsidenten großer Staaten, scherzt Knieriem. Aber es sei auch ein besonderes Ereignis. Die kleine Dame habe sich prächtig entwickelt und „wir haben alles richtig gemacht“, so Knieriem auch in Richtung seiner Mitarbeiter. Der Tierpark habe den kleinen Eisbären endlich verdient.

Video Eisbärin im Außengehege

Neue Attraktion im Tierpark

Mit Sicherheit ist die kleine Eisbärin, die Anfang April ihren Namen bekommen soll, die neue Attraktion im Tierpark. Ihr zuzusehen, wie sie an der Seite von Mutter Tonja das Gehege und den Wassergraben erkundet, ist keine Minute langweilig. Gleich bei der zweiten Runde über die Anlage marschiert Tonja Richtung Wasser, ihr Nachwuchs hinterher. „Die Jungtiere können sofort schwimmen“, erklärt Tierpark-Sprecherin Christiane Reiss. Das Bärchen tritt den Beweis an. Erst die Pfote ins Wasser, dann die Nase und dann hinein. Es ist noch ungewohnt und manchmal sucht es noch Schutz auf Mamas Rücken. Beim Rauskommen braucht es Tonjas Hilfe. Immer wieder rutscht es ab. Erst als es die Eisbärenmutter mit dem Maul am Kragen packt und mit der Pfote den kleinen Körper auf den Felsvorsprung, ist das erste Abenteuer überstanden.

Jungtier ist ab 9.30 Uhr zu sehen

Tierparkbesucher können ab dem morgigen Sonnabend die kleine Eisbärin sehen. Um 9 Uhr öffnet der Tierpark, 9.30 Uhr werden Mutter und Jungtier auf die Außenanlage gelassen. Genug Zeit also, um sich den perfekten Platz am Gehege zu suchen. Am Morgen ist der Nachwuchs mit sehr großer Sicherheit draußen. „Aber die kleine Eisbärin schläft auch noch viel und deshalb kann es sein, dass sie sich ab und zu in die Wurfhöhle zurückzieht“, sagt Eisbären-Kurator Florian Sicks. Aber mittlerweile habe das Jungtier nachts lange Ruhephasen, es passe sich langsam an den Tag-Nacht-Rhythmus an. Auch für den Kurator ist es ein großer Tag. „Schön, dass es geklappt hat“, sagt Sicks. Er spricht von Erleichterung, ein Wort, dass am Freitagmorgen sehr oft fällt.

Zwei Jahre lang große Hoffnungen

Mehr als zwei Jahre lang haben Mitarbeiter und Berliner auf diesen Tag gewartet. Die erste große Hoffnung waren die am 3. November 2016 geborenen Eisbärenzwillinge. Nach 22 Jahren gab es endlich wieder Eisbärennachwuchs im Tierpark Friedrichsfelde. Doch schon nach wenigen Tagen war nur noch ein Tier am Leben. Dieses aber entwickelte sich gut. Der kleine Eisbärenjunge, der noch in der Wurfhöhle den Namen Fritz bekam, wurde bestens von Mutter Tonja versorgt.

Felsen wurde schon für Fritz umgebaut

Auch die Mitarbeiter im Tierpark taten alles, um dem Tier die ersten Schritte ins Leben zu ebnen. So wurde die Außenanlage extra für Fritz „kindgerecht“ umgebaut. Der Felsen bekam einige Zwischenstufen, damit die Höhenunterschiede nicht zu groß für die kurzen Pfoten des Minibären sind. Auch Fritz war ein kleines Energiebündel, mutig und aufgeweckt. Anfang März 2017, Fritz war vier Monate alt und sollte jeden Tag die Wurfhöhle verlassen, wurde das Tier schwer krank. Eine Nacht lang kämpfte der kleine Eisbär, doch er hatte keine Chance. Fritz starb an akutem Organversagen. Seine Leber war entzündet. Bis heute ist die genaue Todesursache nicht gefunden worden.

Das zweite Jungtier war zu schwach zum Trinken

Ein dreiviertel Jahr nach dem Tod von Fritz brachte Tonja am 7. Dezember 2017 wieder Nachwuchs auf die Welt. Wieder waren es zwei Tiere, jedoch war eins schon bei der Geburt tot. Und wieder war Tonja eine fürsorgliche Mutter. Doch das weibliche Jungtier wurde nur knapp einen Monat alt und starb Anfang Januar 2018. Es hatte einen Infekt und war zu schwach zum Trinken gewesen. Groß war die Freude, als sich Eisbärin Tonja elf Monate später wieder in die Wurfhöhle zurückgezogen hatte. Nun also das dritte Mal infolge. Diesmal sollte die Wurfhöhle noch besser überwacht werden. Neue Kameras wurden installiert, die gestochen scharfe Bilder lieferten. Am 1. Dezember 2018 war es soweit. Und diesmal hat auch die Natur mitgespielt.

Knut war der letzte Eisbären-Liebling

Unvergessen ist auch Berlins letzter großer Eisbären-Liebling Knut, der 2006 im Zoo geboren und nur vier Jahre alt wurde. Knut war das erste Eisbärenjungtier nach 30 Jahren im Zoo. Doch Eisbärenmutter Tosca nahm das Baby nicht an. Der kleine Eisbär wurde acht Monate lang von Tierpfleger Thomas Dörflein von Hand aufgezogen. Legendär sind die „Knut-Shows“, zu denen sich Scharen von Schaulustigen einfanden, um Dörflein und Knut beim gemeinsamen Spielen zuzusehen. Knut hatte eine richtige Fangemeinde, die täglich zum Gehege kam, auch später noch, als die Shows vorbei waren und der Eisbär mit den anderen Tieren im Gehege lebte. Knut starb an einer Gehirnentzündung, 2015 wurde bekannt, dass er an einer Autoimmunerkrankung litt, die bis dahin nur beim Menschen bekannt war.

Zwei Jahre lang ein Team

Über eine Handaufzucht musste Andreas Knieriem nie nachdenken. Eisbärin Tonja hat sich immer vorbildlich um ihren Nachwuchs gekümmert. Gerade jetzt, beim dritten Mal, hat sie besonders viel Geduld bewiesen, denn das kleine Eisbärenmädchen hat sie unentwegt beschäftigt und ist ihr nie von der Seite gewichen. Tonja musste Futterquelle und Spielkameradin zugleich sein. Jetzt auf der Außenanlage sind die beiden wieder ein Team. Und daran wird sich die nächsten zwei Jahre nichts ändern.