Gemeinschaftsunternehmen

BMW und Daimler schaffen in Berlin 500 neue Jobs

Autokonzerne bündeln Mobilitätsdienstleistungen in Berlin. Im neuen Hauptquartier in Mitte sollen zahlreiche Arbeitsplätze entstehen.

500 Mitarbeiter sollen nach dem Ende der Sanierungsarbeiten in das Kaufhaus Jandorf in Mitte einziehen. Das historische Gebäude wird der Hauptsitz des neuen Mobilitäts-Unternehmens von BMW und Daimler in Berlin.

500 Mitarbeiter sollen nach dem Ende der Sanierungsarbeiten in das Kaufhaus Jandorf in Mitte einziehen. Das historische Gebäude wird der Hauptsitz des neuen Mobilitäts-Unternehmens von BMW und Daimler in Berlin.

Foto: Reto Klar

Berlin.  Die Kooperation der Autokonzerne BMW und Daimler im Bereich Mobilitätsdienstleistungen bringt zahlreiche neue Arbeitsplätze nach Berlin. Im neuen Hauptquartier des Gemeinschaftsunternehmens im ehemaligen Kaufhaus Jandorf in Mitte sollen nach Abschluss der Sanierungsarbeiten 500 Mitarbeiter einziehen. Das sagte Daniela Gerd tom Markotten am Donnerstag am Rande der Hauptstadtkonferenz Elektromobilität der Berliner Morgenpost. Zuvor war nicht bekannt geworden, wie viele Jobs durch die neue Kooperation in Berlin entstehen werden.

BMW und Daimler bündeln Mobilitätsdienste in Berlin

Gerd tom Markotten, bislang Geschäftsführerin von Moovel, wird mit Reach Now einen Teil des neuen Unternehmens von BMW und Daimler steuern. „Wenn es um Start-ups und Innovationen geht, ist Berlin der Place to be. Andere Standorte in München und Stuttgart werden aufgelöst. Wir wollen die Kräfte in Berlin bündeln“, erklärte Gerd tom Markotten.

Unter dem Dach der neuen Gemeinschaftsfirma bündeln beide Konzerne ihre Mobilitätsangebote. Auch die Car-Sharing-Angebote Car-2-Go (Daimler) und Drive-Now (BMW) sollen darin unter der neuen Marke Share Now aufgehen. Hinzu kommen weitere Mobilitätsdienstleistungen, wie etwa Ride-Pooling, Mitfahrgelegenheiten, Parken oder Laden.

Konferenz zur Elektromobilität im Roten Rathaus

Zur Hauptstadtkonferenz Elektromobilität kamen am Donnerstag rund 500 Experten aus Unternehmen, Verwaltung, Politik und Wissenschaft ins Rote Rathaus. Akzeptanz und Einsatzmöglichkeiten von E-Mobilität in der Stadt seien gestiegen, sagte Wirtschafts-Staatssekretär Christian Rickerts (parteilos, für Grüne). „Viele Unternehmen stellen fest, dass E-Autos auch Kostenvorteile mit sich bringen“, sagte Rickerts.

Bislang rund 10.000 Elektroautos in Berlin und Brandenburg

In Berlin und Brandenburg sind derzeit rund 10.000 E-Autos gemeldet. Etwa 850 öffentlich zugängliche Ladepunkte gibt es in beiden Ländern. Ende Februar gab es in Deutschland 157.000 zugelassene Elektro-Fahrzeuge, etwa 40 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor. Trotz des rasanten Wachstums beträgt der Marktanteil der E-Autos an allen neu zugelassenen Pkw nur mickrige 2,5 Prozent. Das liegt auch an der im Vergleich zu konventionellen Modelle noch immer geringeren Reichweite der E-Pkw. Auch der Ausbau der Ladeinfrastruktur steht noch am Anfang.

Es sei noch viel zu tun, sagte auch Rickerts. „Wir stehen am Anfang einer Entwicklung, an deren Ende kein Fahrzeug mehr fossil, sondern nun noch elektrisch angetrieben werde“, so der Politiker. Zuletzt hatten in Berlin wieder mehr Unternehmen Interesse am Thema Elektromobilität gezeigt.

Neues Förderprogramm startete vielversprechend

Laut Rickerts seien im Förderprogramm „Wirtschaftsnahe Elektromobilität“ bis Mitte März Anträge für 1000 E-Fahrzeuge und 200 Ladepunkte eingegangen. Das Land übernimmt für die Investitionen anteilig die Kosten. Für ein Elektroauto liegt der Zuschuss bei 4000 Euro, zusätzlich kann eine Förderung durch den Bund beantragt werden. Antragsteller in Berlin seien vor allem kleine und mittlere Unternehmen. Als Beispiele nannte Rickerts Arztpraxen, Hausverwaltungen sowie Pflege- und Lieferdienste.

Berlin selbst werde die Umrüstung der landeseigenen Flotte weiter vorantreiben, sagte Rickerts. Im Fuhrpark der Landesbetriebe gebe es derzeit 300 E-Fahrzeuge. Die Zahl werde in den kommenden Jahren deutlich steigen. Die Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) wollen etwa 1500 neue, elektrisch angetrieben Busse anschaffen.

Neue Mobilitäts-Angebote

Die BVG erproben auch neue Mobilitätslösungen: Seit vergangenem Jahr fährt der Berlkönig, ein Ride-Sharing-Angebot, durch einen Teil Berlins. Das ÖPNV-Unternehmen plant außerdem Mobilitäts-Hubs, an denen Kunden der Umstieg von Bus oder Bahn auf andere Angebote wie Bike- oder Car-Sharing leichter fallen soll. Alle Dienste will die BVG auch in einer eigenen App bündeln.

In Sachen Elektromobilität sei die deutsche Hauptstadt in den vergangenen Jahren zu einem Zentrum geworden, unterstrich Gernot Lobenberg, Leiter der Berliner Agentur für Elektromobilität. Seit 2010 gibt es das Unternehmen. 2012 bis 2016 war Berlin ein vom Bund gefördertes Schaufenster für Elektromobilität. In dieser Zeit seien mehr als 30 Projekte mit rund 100 Partnern umgesetzt worden, so Lobenberg. Bis heute ist das Netzwerk weiter gewachsen. Auch das macht die Stadt für das neue Gemeinschaftsunternehmen von BMW und Daimler interessant.

1000 Straßenlaternen sollen zu Ladepunkten werden

In Berlin machen sich derzeit zahlreiche Firmen Gedanken über die Zukunft des elektrischen Antriebs. Aus Werkstätten und Denkfabriken in der deutschen Hauptstadt kommen nicht nur neue Komponenten und Produkte. Gleichzeitig gibt es auch neue Projekte, etwa zur Ladeinfrastruktur in Außenbezirken. Das Start-up Ubitricity plant zum Beispiel, in Marzahn-Hellersdorf und Steglitz-Zehlendorf 1000 Straßenlaternen zu Ladepunkten umzurüsten. Die Berliner Feuerwehr werde zudem bald das weltweit erste elektrische Löschfahrzeug haben, sagte Lobenberg.

Dennoch ist die Elektromobilität noch nicht dem Status Nische entwachsen. „Wir müssen noch mehr Werbung machen. Viele Menschen sind noch immer nicht mit der Elektromobilität in Berührung gekommen“, so Lobenberg. Dazu brauche es neben mehr öffentlicher Debatte auch mehr Mut der Politik, so der Agentur-Chef.

„Massive Marktbarrieren für Elektromobilität“

Der Staat habe großen Anteil daran, dass Elektromobilität in Deutschland noch immer nicht richtig vorangekommen sei, sagte Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) vor den Teilnehmern der Konferenz. „Die Elektromobilität hat in Deutschland mit massive Marktbarrieren zu kämpfen“, sagte Kemfert. Vorteile für die konventionellen Antriebe seien noch immer sehr groß, so die Professorin.

Der Staat verhindere mit umweltschädlichen Subventionen wie der Steuererleichterung für Diesel, dass noch mehr Menschen auf die alternativen Antriebe umsteigen, sagte die Wissenschaftlerin, die auch Mitglied des Sachverständigenrats der Bundesregierung für Umweltfragen ist.

In Norwegen liegt der Anteil der E-Autos schon bei 50 Prozent

In Deutschland würden derzeit noch 96 Prozent der Fahrzeuge mit Benzin- oder Dieselmotor betrieben, so Kemfert. In Norwegen liege der Anteil der Stromer dagegen schon bei über 50 Prozent. Auch die Bundesrepublik könne dorthin kommen, wenn die Regierung umsteuere, sagte die Hochschullehrerin.

Der Wandel bei der Elektromobilität werde allerdings eher von Start-ups vorangetrieben, glaubt Kemfert. Für die etablierten Akteure, vor allem den großen Autokonzernen, sei der Abschied vom Verbrennungsmotor schwer, der Wandel „sehr schmerzhaft und schwierig“.

Auf der Hauptstadtkonferenz Elektromobilität sprachen am Donnerstag im Roten Rathaus in Mitte rund 500 Teilnehmer über Beispiele, Lösungen und Herausforderungen in Bezug auf die neue Antriebsart. Auch Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) wurde am Nachmittag erwartet.