Berliner Islamisten

Reise in den Dschihad endet in Berliner Gefängnis

Das Kammergericht verurteilt drei Berliner Islamisten zu Haftstrafen. Die Männer hatten versucht, in IS-Kampfgebiete zu gelangen.

Vermummte Polizisten sichern im Zusammenhang mit der Fussilet-Moschee Beweismaterial nach einer Durchsuchung in einer Wohnung an der Quickborner Straße.

Vermummte Polizisten sichern im Zusammenhang mit der Fussilet-Moschee Beweismaterial nach einer Durchsuchung in einer Wohnung an der Quickborner Straße.

Foto: imago/Christian Mang

Berlin. Sie verkehrten in dem Dschihadisten-Treffpunkt der Moabiter Fussilet-Moschee, sie hatten Kontakt zum Attentäter vom Breitscheidplatz, Anis Amri, und mindestens einer von ihnen verbreitete in sozialen Netzwerken wie Facebook immer wieder unverhohlene Dschihadisten-Propaganda: Man kann sagen, dass Soufiane A., Emrah C. und mit Einschränkungen auch Resul K. zum harten Kern der gewaltbereiten Berliner Islamisten-Szene gehörten.

Am Mittwoch wurden die drei Berliner Islamisten zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Nicht weil sie zu einer Szene gehörten oder den Breitscheidplatz-Attentäter kannten, das allein ist nicht strafbar. Nach der Überzeugung des Gerichts versuchten sie aber, im Dezember 2016 in die Kampfgebiete der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) zu gelangen. Der Trip endete im Fiasko und die Möchtegern-Gotteskrieger, die mit weiteren Mitstreitern unterwegs waren und sich in zwei Gruppen aufgeteilt hatten, kamen nicht über Italien und die Türkei hinaus. Nach einer Gesetzesänderung gilt seit einigen Jahren aber schon der Versuch, in ein Terrorcamp zu reisen, als „Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat“. Eine solche strafbewehrte Vorbereitung sah das Gericht als bewiesen an.

Männer fielen bereits zuvor als Hardcore-Islamisten auf

Hinzu kam: Zumindest ein Mitglied der Reisegruppe, der Berliner Saed H., schaffte es doch bis nach Syrien. Die Folge: Die drei Angeklagten (ein Deutsch-Marokkaner und zwei Türken) die Saed H. bei der Ausreise halfen, wurden zusätzlich noch wegen der ebenfalls strafbewehrten Unterstützung einer ausländischen Terrororganisation verurteilt. Das Strafmaß: drei Jahre und zehn Monaten für Soufiane A. (24), drei Jahre und sechs Monate für Emrah C. (33) und drei Jahren für Resul K. (47).

Als Hardcore-Islamisten waren die drei bereits vor ihrem missglückten Ausreiseversuch aufgefallen. „Mit dem Sprengstoff im Auto direkt in den Bundestag“, hatte Soufiane A. bereits 2013 auf seinem Facebook-Account gepostet. Nach der Axt-Attacke eines Islamisten in einer Regionalbahn in Würzburg posierte A. auf einem im Internet verbreiteten Bild ebenfalls mit einer Axt. Sein Mitstreiter, der vor Jahren als Asylbewerber eingereiste 33-jährige Emrah C. blieb eher im Hintergrund. In der nach dem Breitscheidplatz-Anschlag geschlossenen Fussilet-Moschee agierte er zuletzt als eine Art Vorstand.

Ihren Trip in den Dschihad finanzierten die drei Männer, deren „Glauben“ mit dem der meisten Muslime in Deutschland nicht viel gemein haben dürfte, mit einem Betrug. In einem Elektronik-Kaufhaus erwarben sie per Ratenkauf zwei teure Smartphones, wobei sie die Abschläge nicht zahlten, die Geräte aber schnell weiterverkauften. Das Gericht verhängte demzufolge auch noch Strafen wegen Betrugs.

Anwälte beraten weiteres Vorgehen mit ihren Mandanten

Italienische Ermittler hatten die drei Islamisten angesichts ihrer Kontakt zu Anis Amri zwischenzeitlich sogar verdächtigt, bei dem Anschlag vom Breitscheidplatz mitgewirkt zu haben. Die Vermutungen stellten sich jedoch als wenig stichhaltig heraus und wurden sowohl vom Bundeskriminalamt als auch von der Berliner Generalstaatsanwaltschaft verworfen.

Der Rechtsbeistand von Emrah C., der Strafverteidiger Tarig Elobied, kündigte an, für seinen Mandanten wahrscheinlich Revision einzulegen. Der Rechtsanwalt von Soufiane A., Ali Aydin, sagte, er wolle darüber erst in Ruhe mit seinem Mandaten sprechen. Ebenso äußerte sich der Verteidiger von Resul K.