Viele Busse fahren nicht

Was Sie zum heutigen BVG-Streik wissen müssen

Bis 22 Uhr stehen alle BVG-Busse still. Der Flughafen Tegel richtet Shuttle zur U-Bahn ein. Trams, U- und S-Bahnen fahren wie üblich.

Am heutigen Donnerstag bleiben die Busse der Berliner Verkehrsbetriebe in ihren Depots, denn die Gewerkschaft ruft zum Warnstreik auf.

Am heutigen Donnerstag bleiben die Busse der Berliner Verkehrsbetriebe in ihren Depots, denn die Gewerkschaft ruft zum Warnstreik auf.

Foto: Michael Sohn / AP

Berlin. Genau einen Monat nach dem letzten Warnstreik bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) hat die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi erneut zum Ausstand aufgerufen. Die Arbeit niederlegen sollen am Donnerstag die Busfahrer sowie die Beschäftigten der dazugehörenden Werkstätten. Wer auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen ist, muss also erneut Flexibilität zeigen. Die Berliner Morgenpost beantwortet die wichtigsten Fragen rund um den Streik.

Welche Verkehrsmittel und Linien sind betroffen?

Anders als beim ersten Ausstand Mitte Februar bleiben dieses Mal nicht alle Fahrzeuge der BVG in den Depots. „Wir gehen davon aus, dass die meisten Busse stillstehen werden“, teilte das Unternehmen nach Bekanntwerden des Streikaufrufs per Twitter mit. Nicht betroffen ist der Verkehr von U-Bahn und Tram. S-Bahnen und Regionalzüge unter dem Dach der Deutschen Bahn fahren, wie schon im Februar, ohnehin wie gewohnt. Da manche Busstrecken des BVG-Netzes von Subunternehmen bedient werden, werden trotz des Warnstreiks außerdem auch vereinzelt „Große Gelbe“ unterwegs sein.

Welche Busse fahren trotzdem?

Ausgenommen von der Arbeitsniederlegung sind die Buslinien 106, 161, 162, 163, 168, 175, 179, 218, 234, 263, 275, 284, 320, 322 334, 341, 349, 363, 365, 371, 373, 380, 390 und 399. Die BVG geht davon aus, dass diese voraussichtlich ihren normalen Takt einhalten werden. Anderen Strecken sollen „mit leichten Einschränkungen“ befahren werden. Das gilt für die Buslinien 112, 140, 184, 283, 370 und 893.

Mancher Brandenburger Verkehrsbetrieb überfährt zudem die Landesgrenze. So fährt etwa der Bus 638 der Stadtwerke Potsdam (SWP) über Kladow bis zum Hauptbahnhof Spandau.

Wie lange soll gestreikt werden?

Statt auf einen Komplettausfall des BVG-Netzes setzt die Gewerkschaft dieses Mal offenbar auf den Zeitfaktor. Die Arbeitsniederlegung beginnt zu Betriebsbeginn am Donnerstag, 3.30 Uhr. Ein Ende kündigt die Gewerkschaft für 22 Uhr an. Somit sind die Berliner Regionen, die nur per Bus angebunden sind, den ganzen Tag über abgehängt. Und wenn am Abend die Busfahrer wieder zum Dienst antreten, ist der Ausnahmezustand noch nicht vorbei: Der Verkehr werden „auch nach Beendigung des Warnstreiks noch einige Stunden unregelmäßig sein“, so die Vorhersage.

Für wen wird es nun schwierig?

Genutzt werden die Busse in der City wegen ihres dichten Haltestellennetzes häufig für kurze Wege – zum Arzt, zum Einkaufen, um die Kinder aus der Kita abzuholen. Diese Erledigungen dürfte sich am Donnerstag auch in der Berliner Innenstadt unbequemer gestalten. Allerdings ist für viele Fahrten gerade über größere Entfernungen ein Ausweichen auf U- oder S-Bahn möglich. Im ehemaligen Ostteil stellt außerdem die Tram eine Alternative dar.

Ganz ohne ÖPNV stehen dagegen Regionen am Stadtrand vor allem im Westteil Berlins da, wenn der nächste Bahnhof zu weit weg ist, um ihn fußläufig zu erreichen. Das gilt etwa für Teile Spandaus oder Reinickendorfs. Taxiunternehmen hatten wegen des absehbaren Bedarfs schon beim letzten Streik keine Vorbestellungen angenommen.

Wie komme ich zum Flughafen Tegel?

Sämtliche BVG-Buslinien, die den Flughafen ansteuern – TXL, X9, 128 und 109 – fallen am Donnerstag aus. Fluggästen bleibt keine Alternative, als auf Taxi, Leihwagen oder Privatauto umzusteigen. Ein Fußweg von 2,5 Kilometern zum nächstgelegenen U-Bahnhof Jakob-Kaiser-Platz, den die Flughafengesellschaft für ganz dringende Fälle empfiehlt und dazu auch Flugblätter mit Wegbeschreibung an beiden Endpunkten verteilt, dürfte nicht für alle Reisenden eine Option sein. Daneben hat der Flughafen erneut einen Shuttleservice zwischen U-Bahnhof Jakob-Kaiser-Platz und TXL organisiert. Mindestens vier Busse befördern Fluggäste dort zwischen 5 und 23 Uhr. „Wir empfehlen, deutlich mehr Zeit einzuplanen, falls die Schlangen sehr lang sind“, sagte Flughafen-Sprecher Daniel Tolksdorf der Berliner Morgenpost. Mitarbeiter des Airport Care Teams, das extra für den Streik in Aktion tritt, helfen am TXL bei Fragen und Problemen weiter.

Wird der Schienenersatzverkehr bedient?

Die Baustellen an den Tramlinien M4 (zwischen Greifswalder Str./Danziger Str. und S Hackescher Markt) sowie M13 (zwischen Berliner Allee/Indira-Gandhi-Str. und Hohenschönhausener Str./Weißenseer Weg) werden am Donnerstag nicht durch Schienenersatzverkehr überbrückt. Die Linien bleiben an den entsprechenden Stellen komplett unterbrochen. Besser ergeht es Nutzern der U-Bahnen U1, U8 und U9: Hier beginnen die Bauarbeiten regulär erst nach Streikende. „Es kann höchstens sein, dass der Ersatzverkehr dort etwas ruckelig anläuft“, so ein BVG-Sprecher.

Worum geht es bei dem Arbeitskampf?

Verhandelt wird über einen neuen Manteltarifvertrag. Zentrale Forderung von Verdi und den rund 14.500 Mitarbeiter der BVG und des Tochterunternehmens Berlin Transport ist eine 36,5-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich – statt derzeit 39 Stunden für etwa 50 Prozent der Beschäftigten. Das Unternehmen verweist darauf, dass dafür 500 Mitarbeiter neu eingestellt werden müssten. Alle Forderungen der Arbeitnehmer summiert die BVG auf 150 Millionen Euro zusätzlich pro Jahr. Die Arbeitgeber hatten ein Gesamtpaket von 65 Millionen Euro für Gehaltserhöhungen und Verbesserungen der Arbeitsbedingungen vorgelegt. Bisher gab es drei Gesprächsrunden, weiter gehen die Verhandlungen offiziell am 28. März.

Kosten und Auswirkungen des Streiks

Neben aller Unbequemlichkeit für die Fahrgäste hat ein Streik im Nahverkehr auch gesamtgesellschaftliche Folgen. Eine Untersuchung des Münchner ifo Instituts in den fünf größten deutschen Städten kam vor vier Jahren zu dem Ergebnis, dass an einem durchschnittlichen Streikmorgen Pendler mehr als 26.000 Stunden länger im Auto sitzen als sonst. Staus und das um sechs Prozent höhere Verkehrsaufkommen erhöht laut Studie die Zahl der Unfälle in der Stoßzeit um 20 Prozent, die Feinstaubbelastung steigt um 26 Prozent. Die Kosten eines Streiks für die Allgemeinheit übersteigen laut ifo die Kosten für das bestreikte Unternehmen um ein Vielfaches. Nutzer der BVG allerdings nahmen den letzen Ausstand im Februar gelassen. 520.000 Menschen waren damals betroffen, trotzdem gab es auch Verständnis für den Arbeitskampf.