Polizeiakademie

Rüffel für ehemaligen Vize-Chef der Polizeischule

Der Inhalt eines Schreibens von Boris Meckelburg wird kritisch gesehen. Disziplinarrechtliche Konsequenzen hat der Brandbrief nicht.

Die Polizeiakademie an der Charlottenburger Chaussee war mehrfach in den Schlagzeilen. Kurz vor seinem Weggang schrieb der Vize-Chef einen Brandbrief.

Die Polizeiakademie an der Charlottenburger Chaussee war mehrfach in den Schlagzeilen. Kurz vor seinem Weggang schrieb der Vize-Chef einen Brandbrief.

Foto: Massimo Rodari

Berlin. Als feststand, dass er gehen wird, verfasste der ehemalige Vize-Chef der Polizeiakademie, Boris Meckelburg, einen Brandbrief und schickte ihn an seine Kollegen. Nun bekommt er dafür einen Rüffel aus der Innenverwaltung. Das geht aus einer Antwort der Verwaltung auf eine kleine Anfrage des SPD-Experten Tom Schreiber hervor.

Ins Polizeipräsidium zitiert

Bereits kurz nach Erscheinen der Rundmail war Meckelburg ins Polizeipräsidium zitiert worden. Nun teilte die Innenverwaltung mit: „Die Mail wird als Abschiedsmail mit rechtfertigendem Charakter aufgefasst. Sowohl der Inhalt als auch der Stil der E-Mail werden von der Senatsverwaltung für Inneres und Sport als kritisch bewertet“. Disziplinarrechtliche Konsequenzen hatte der Rundbrief laut Innenverwaltung aber nicht.

Nach anonymen Vorwürfen im Herbst 2017 über eine angebliche Unterwanderung der Polizeischule durch Kriminelle und mehreren Skandalen von Polizeischülern baten im vergangen Jahr zuerst der Leiter der Akademie, Jochen Sindberg, und später sein Stellvertreter, Boris Meckelburg, um Versetzung.

Vor Abschied Brandbrief verschickt

Zum Abschied hatte Meckelburg parallel dazu einen Brandbrief verschickt. Darin ging Meckelburg hart mit Kritikern ins Gericht. Kollegen warf er im Zuge der Strukturreform, mit der die Polizeiakademie reformiert werden sollte, gar Seilschaften mit Politikern vor. Er schrieb: „Gerade in der Umsetzungsphase hat sich zum Teil hartnäckiger Widerstand gezeigt, der bis zu den politisch Verantwortlichen getragen wurde. Bemerkenswert war in diesem Zusammenhang, dass ehemalige Lehrkräfte über ihre Aktivität in der SPD direkten Zugang zu Senator und Staatssekretär hatten und „ihre“ Sicht der Dinge dort platzieren konnten, während die Akademieleitung dazu nicht gehört wurde.“

Kritik an Innensenator und Gewerkschaften

Diese Zeilen wurden damals als Attacke auf Innensenator Andreas Geisel (SPD) gewertet. Die Umstrukturierung der ehemaligen Polizeischule zur Polizeiakademie war noch unter Geisels Vorgänger Frank Henkel (CDU) beschlossen worden. Viele Probleme, die die Akademie heute hat, werden auf diese Reformen, die nun teilweise wieder zurückgedreht wurden, zurückgeführt.

Die Gewerkschaften kritisierte der ehemalige Vize-Chef, weil diese nie das Gespräch gesucht hätten, aber öffentlich ihre Meinung kundtun würden. Gleichzeitig hätten viele Medien Gerüchte verbreitet. Meckelburg schrieb: „Nach dem medialen Gewitter zum Jahreswechsel und den zahlreichen ungeprüften Behauptungen und anonymen Berichten an die Presse waren alle Dämme gebrochen und uns traf die ganze Wucht einer Lawine von Wut, Enttäuschung, Frust, Häme und vielem mehr, gepaart mit einem unappetitlichen Schuss Fremdenfeindlichkeit“. Damit bezog sich Meckelburg auf Berichte einer überregionalen Zeitung, die Gerüchte aus einer anonymen Sprachnachricht ohne Gegenrecherche verbreitet hatte.