Unternehmensverbände

Prognose: In Berlin entstehen 52.000 neue Jobs

Die schwächelnde Konjunkturentwicklung wird sich am Berliner Arbeitsmarkt kaum bemerkbar machen, erwarten die Unternehmensverbände.

Auch wenn die wirtschaftliche Entwicklung in der Hauptstadt-Region an Fahrt verliert: Der UVB geht davon aus, dass in Berlin in diesem Jahr rund 52.000 neue Arbeitsplätze entstehen werden.

Auch wenn die wirtschaftliche Entwicklung in der Hauptstadt-Region an Fahrt verliert: Der UVB geht davon aus, dass in Berlin in diesem Jahr rund 52.000 neue Arbeitsplätze entstehen werden.

Foto: Arne Immanuel Bänsch / dpa

Berlin. Die schwächelnde Konjunkturentwicklung wird sich am Arbeitsmarkt der Hauptstadt-Region kaum bemerkbar machen. 2019 werden nach Angaben der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB) rund 68.000 neue, sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze in Berlin und Brandenburg entstehen.

Das gehe aus einer Schätzung hervor, die in Zusammenarbeit mit der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit entstanden sei.

Den Großteil der neuen Jobs wird es demnach in der deutschen Hauptstadt geben. 52.000 neue Stellen werden von den Unternehmen geschaffen, so der UVB.

Die stärksten Zuwächse werden in der Sozialwirtschaft (+ 6400 Arbeitsplätze) und im Gastgewerbe (+ 6300 Arbeitsplätze) erwartet. Auch der Bereich Bildung und Erziehung werde sich mit 5200 neuen Stellen weiter stark entwickeln, glaubt der Verband.

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UVB erwartet Wachstum von nur noch 1,5 Prozent

In Brandenburg sollen laut der Berechnung 16.000 neue Arbeitsstellen entstehen. Dort steht mit 3000 Stellen die Logistik-Branche an der Spitze der Entwicklung, gefolgt von der Sozialwirtschaft (+ 1500 Arbeitsplätze), dem Bau (+ 1300 Arbeitsplätze) und der Gesundheitsbranche (+ 1300 Arbeitsplätze).

„Bei der Beschäftigung geht es weiter bergauf, weil der Arbeitsmarkt erst mit Verzögerung auf die Konjunktur reagiert“, sagte UVB-Hauptgeschäftsführer Christian Amsinck. Der Verband erwartet in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum in Berlin von nur noch 1,5 Prozent. Für das Jahr 2018 hingegen kalkuliert der UVB noch mit einem Wachstum von zwei Prozent. Abschließende Berechnungen liegen allerdings noch nicht vor. Laut Amsinck verliere der Aufschwung aber an Kraft. „Wir müssen uns auf eine ruhigere Gangart einrichten“, so der Verbandsgeschäftsführer. Bei einer Umfrage unter 60 UVB-Mitgliedsunternehmen klagten jüngst vor allem exportorientierte Unternehmen über Schwierigkeiten im internationalen Geschäft, so Amsinck.

UVB: Senat nicht entschlossen genug bei Konsolidierung von Schulden

Die Politik sei nun gefordert einen stabilen Rahmen für schlechtere Zeiten zu schaffen, forderte der UVB-Chef. Das sei bislang verpasst worden. Die Schuldenlast Berlins sei noch immer zu hoch, beklagte er. „Die Stadt muss das Momentum des Aufschwungs viel stärker nutzen, um auch in schlechten Zeiten genügend Spielraum für Investitionen zu haben“, so Amsinck. Die Gesamtverschuldung Berlins liegt derzeit noch bei 57 Milliarden Euro. Tilge der Senat weiter im Tempo der vergangenen Jahre, werde es 38 Jahre dauern, um die Schulden auch nur zu halbieren, sagte Amsinck. Der Senat konsolidiere nicht entschlossen genug, warf er der Politik vor.

Gleichzeitig kritisierte der UVB die aus seiner Sicht wenig nachhaltige Finanzpolitik der rot-rot-grünen Koalition in Berlin. „Der Senat nimmt sich zu viel vor, mit viel zu viel Geld, was er nicht hat“, sagte Amsinck. Ihm fehle die Prioritätensetzung. Berlins Finanzen eigneten sich nicht für Abenteuer, so der Funktionär weiter.

Auto wichtig für Teilhabe am gesellschaftlichen Leben

Der Senat hatte zuletzt eine ganze Reihe Mehrausgaben beschlossen. So sollen bis 2030 etwa 28 Milliarden Euro in den Ausbau des Nahverkehrs fließen, 1,7 Milliarden Euro stehen für Lohnerhöhungen und Verbeamtungen von Lehrern zur Verfügung, fünf Milliarden für den Neubau von Schulen. Für vier Milliarden Euro will das Land außerdem das Gast- und Stromnetz rekommunalisieren. Auch diesen Schritt hält der UVB für einen Fehler: Für den Verbraucher entstünden dadurch keine Verbesserungen.

Mit Blick auf die Verkehrspolitik des Senats wehrte sich UVB-Chef Amsinck gegen Überlegungen, das Privatauto aus der Stadt zu verbannen. „Es geht um die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben auch für solche Gruppen, die auf das Auto angewiesen sind – mobilitätseingeschränkte Menschen, Ältere oder Familien mit Kindern“, sagte Amsinck. Auch für den Wirtschaftsverkehr und für die Versorgung der Stadt sei das Auto unverzichtbar.