Wettbewerb

So könnte die neue Berliner Zentralbibliothek aussehen

Die Sieger für den Neubau der Zentralbibliothek stehen fest. Doch der Berliner Senat steht mit seinen Planungen noch ganz am Anfang.

Die Gewinnerentwürfe für das neue Wissensquartier am Halleschen Tor stehen fest. Den Design-Preis in der Sparte Architektur haben Aleksandra Czaj und Kinga Krawczyk von der Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg gewonnen.

Die Gewinnerentwürfe für das neue Wissensquartier am Halleschen Tor stehen fest. Den Design-Preis in der Sparte Architektur haben Aleksandra Czaj und Kinga Krawczyk von der Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg gewonnen.

Foto: Simulation: BTU Cottbus

Berlin. Noch ist viel Fantasie erforderlich, um sich vorzustellen, dass der unscheinbare Blücherplatz mit der bescheidenen Grünanlage in Kreuzberg in naher Zukunft zum größten Bibliotheksstandort Deutschlands werden soll.

Doch genau das hat der Senat im Sommer vergangenen Jahres beschlossen. Und zugleich ehrgeizige Ziele formuliert: Die Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) solle „Teil des kulturellen Gedächtnisses Berlins“ sein, die „Teilhabe an der Wissensgesellschaft“ ermöglichen und „Vielfalt und Zusammenleben in einer international geprägten Metropole“ verkörpern.

Da kommt der Wettbewerb, den der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin (AIV) am Dienstag entschieden hat, gerade recht: Er hatte Nachwuchs-Planer aufgefordert, Entwürfe für die Erweiterung der Amerika-Gedenkbibliothek zur Zentral- und Landesbibliothek am Blücherplatz zu liefern. Die Ergebnisse können sich sehen lassen.

Teilnehmer aus aller Welt reichten Entwürfe ein

Insgesamt 357 angehende Architekten, Städteplaner, Landschaftsarchitekten und Bauingenieure hatten die Herausforderung angenommen, den benötigten großen Baukörper bestmöglich in das Areal zwischen dem Halleschen Ufer, Blücherstraße, Mehringdamm und Zossener Straße einzufügen.

Nicht nur aus ganz Deutschland, sondern auch aus der Russischen Föderation, Österreich, Frankreich, Ägypten, Polen und der Schweiz wurden Entwürfe eingereicht. Prämiert wurden letztlich ein Dutzend Arbeiten von 28 Teilnehmern, die sich nun über Preisgelder in Höhe von insgesamt 26.700 Euro freuen dürfen.

Begehbare Riesentreppe

Wie eine riesige begehbare Terrassenskulptur sieht der Entwurf aus, mit dem Aleksandra Czaj und Kinga Krawczyk von der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg den Sonderpreis Design in der Sparte Architektur gewonnen haben. „Neue Kreuzberger Wiese“ haben die beiden Studenten ihren Wettbewerbsbeitrag genannt, der die alte Amerika-Gedenkbibliothek (AGB) aus den 50er-Jahren – immerhin damals der erste große Bibliotheksneubau in Deutschland seit 1916 – beinahe winzig erscheinen lässt.

Ebenfalls einen Sonderpreis im Bereich Konstruktiver Ingenieurbau gewannen die Planer Maximilian Gedamke, Inga Hogrefe und Katharina Ropers von der Hochschule Wismar. „W-Berg Welle“ nennen die drei ihre Fußgänger- und Fahrradfahrerbrücke, die das neue Bibliotheksgebäude mit der Umgebung verbindet.

Mit dem Schinkelpreis und dem Hans-Joachim-Pysall-Reisestipendium wurde die „Bibliothek der Zukunft“ von David Kerrom und Luca Mathias Hupfer ausgezeichnet. Die beiden studieren an der HTWK Leipzig und haben einen filigranen Leuchtkörper entworfen, der über dem Platz zu schweben scheint.

Kreative Lösungen gefragt

„Der Anspruch des AIV, mit dem Wettbewerb die interdisziplinäre Zusammenarbeit zu fördern, wurde wieder voll erfüllt, Kooperationen finden sich auch unter den Gewinnerarbeiten wieder. Im Preisgericht haben wir zudem die außergewöhnlich hohe Qualität der eingereichten Beiträge gelobt. Wir sind mit dem Wettbewerb rundum zufrieden“, so Eva Krapf, Vorsitzende des Schinkel-Ausschusses. Seit 1855 richtet sich der AIV-Schinkel-Wettbewerb als Förder- und Ideenwettbewerb jährlich an junge Planer, um deren Kreativität für die Lösung zukunftsorientierter Planungsaufgaben herauszufordern.

Neben der Förderung des technisch-wissenschaftlichen Nachwuchses soll der Wettbewerb einen Dialog zwischen Stadtöffentlichkeit, Fachleuten, Verwaltung und Politik initiieren.

Ebenfalls mit dem Schinkelpreis ausgezeichnet wurde der Beitrag „Connext-X-Berg“ von Markus Storch, der an der TU Dresden studiert. Seine Vision einer großzügigen und fußgängerfreundlichen Querungsmöglichkeit zwischen der Hochbahn, dem Halleschen Ufer und der neuen Wissenschaftsstadt ist allerdings nur umsetzbar, wenn die stark befahrene Straße am Landwehrkanal auch tatsächlich verkehrsberuhigt wird.

Noch kein Termin für Senatswettbewerb

Während sich der studentische Nachwuchs also bereits Gedanken über die ZLB gemacht hat, steht der Berliner Senat mit seinen Planungen noch ganz am Anfang. Zwar seien Mittel für die ZLB bereits im Haushalt eingestellt, sagte Daniel Bartsch, Sprecher von Kultursenator Klaus Lederer (Linke) der Berliner Morgenpost. Zum einen seien dies sogenannte bauvorbereitende Mittel, die Gelder für Studien, Bodenuntersuchungen und Planungen beinhalten.

Zum anderen aber auch Mittel für partizipative Verfahren, in denen den Bürgern Gelegenheit zur Beteiligung an den Planungsverfahren gegeben werden soll. Dafür waren im vergangenen Jahr nach Auskunft des Kultursprechers 300.000 Euro im Haushalt vorgesehen. „Der Architektur-Wettbewerb ist in Planung“, sagte Bartsch weiter. Allerdings gebe es dafür noch keine Zeitschiene. Ohnehin sei der Baubeginn erst zur Mitte der 2020er-Jahre zu erwarten, „um 2025 herum, vielleicht auch erst 2026“, so Bartsch.

Die ZLB braucht jedoch dringend einen Neubau, denn sie ist heute auf zwei Standorte, die Berliner Stadtbibliothek in Mitte und die Amerika-Gedenkbibliothek in Kreuzberg, verteilt. Im vergangenen Jahr besuchten rund 1,5 Millionen Menschen die beiden Standorte – damit ist die ZLB die am besten besuchte öffentlich geförderte Kultureinrichtung Berlins.

Kosten auf 360 Millionen Euro geschätzt

Die Kosten für den Neubau sind allerdings immens: Kultursenator Lederer hatte bereits im vergangenen Jahr mit Verweis auf Wirtschaftlichkeitsberechnungen im Jahr 2017 mitgeteilt, man müsse mit 360 Millionen Euro rechnen – und zwar unabhängig davon, ob der Neubau am mittlerweile verworfenen Standort Marx-Engels-Forum in Mitte oder eben neben der Amerika-Gedenkbibliothek in Kreuzberg entstehen soll. Zur Erinnerung: 2014 scheiterte der damalige Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) mit seinem Vorhaben, einen Neubau für die Bibliothek am Rande des Tempelhofer Feldes zu errichten. Der Volksentscheid für ein unbebautes Feld verhinderte dies. Die Baukosten waren damals mit rund 270 Millionen Euro beziffert worden.

Ausstellung der Entwürfe

Wer sich selbst ein Bild von den eingereichten Entwürfen machen möchte: Die prämierten Beiträge sind bis zum 30. März, montags bis freitags von 9 bis 21 Uhr und am Sonnabend von 11 bis 19 Uhr, zu sehen. Ort: Quergalerie der Universität der Künste Berlin, Hardenbergstraße 33, Charlottenburg.