Jahresticket

Equal Pay Day: Frauen zahlen bei BVG bis zu 160 Euro weniger

Frauen verdienen im Schnitt 21 Prozent weniger als Männer. Die BVG reagiert mit billigeren Tages-, Monats- und Jahrestickets.

Frauenticket der BVG 

Frauenticket der BVG 

Foto: BVG

Berlin.  Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) bieten am 18. März ein verbilligtes Tagesticket im Tarifbereich AB an. Allerdings nur für Frauen. Statt 7 Euro zahlen Damen an diesem Tag nur 5,50 Euro. Hintergrund dieser Aktion ist der sogenannte „Equal Pay Day“, der just an diesem Tag stattfindet und an die noch immer bestehende ungerechte Bezahlung von Frauen und Männern erinnern soll.

Doch nicht nur das Tagesticket ist für Frauen am Montag billiger. Es gibt auch billigere Monats- und Jahreskarten - die werden jedoch nur an einem Automaten am Alexanderplatz verkauft, für bis zu 160 Euro weniger. Mit der Aktion will die BVG Aufmerksamkeit schaffen für die Gehaltsunterschiede zwischen den Geschlechtern. „Das ist Männern gegenüber nicht fair, die ganze Aktion ist nicht fair“, sagte eine BVG-Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur. „Aber darum geht es ja. Das soll keine Wohltat für Frauen sein. Uns geht es darum, auf ein Problem aufmerksam zu machen.“

Jeder, der sich als Frau fühlt, kann das Ticket nutzen

„Wir wollen niemanden auf lange Sicht diskriminieren. Deshalb führen wir das Ticket nur für einen Tag und nicht dauerhaft ein“, sagt BVG-Sprecher Jannes Schwentu. „Jeder, der sich als Frau fühlt, ist willkommen, das Ticket zu nutzen“, fügt er hinzu. So können auch Transgender, die als Frauen leben, mit dem Sonderticket fahren.

Prinzipiell kann jeder das Ticket am Automaten kaufen – doch wer als Frau fährt und keine ist, gilt als Schwarzfahrer. Wie bei anderen ermäßigten Tickets muss der Fahrgast bei der Kontrolle nachweisen, dass er zu der Vergünstigung berechtigt ist.

Wie bei Sonderaktionen üblich, wird über Nacht an den Automaten ein Update durchgeführt, das nach Ende der Aktion wieder rückgängig gemacht wird. Was das kosten wird, teilte das Unternehmen nicht mit. „Es ist eine Aktion, bei der es sich lohnt, diesen Aufwand zu betreiben“, sagt Jannes Schwentu.

Meinungen über das Vorhaben gehen auseinander

In den sozialen Netzwerken sind die Reaktionen auf die Aktion unterschiedlich. „Die BVG zeigt Haltung und das finde ich super und sehr sehr wichtig“, schreibt eine Nutzerin bei Twitter. Andere kritisieren das Unternehmen mit Humor. „Auf die Fahrkartenkontrolle wär ich gespannt, wenn Manni mit seinem Frauenticket da steht: Watt denn? Haste Tomaten uff de Oogen? Ick bin do ‘ne Frau“, schreibt ein Twitter-Nutzer.

Auch aus der Berliner Politik gibt es bereits Kritik an dem Vorhaben. „Als Frau finde ich das Angebot komplett verfehlt, als würde man kleinen Kindern das Taschengeld einmalig um 1,50 Euro erhöhen. Das hilft keiner Frau und ist angesichts der Herausforderungen für Gleichberechtigung in der Arbeitswelt vollkommen irrelevant“, sagt Maren Jasper-Winter, frauenpolitische Sprecherin der FDP im Berliner Abgeordnetenhaus.

Das Budget für solche PR-Maßnahmen sollen die BVG ihrer Meinung nach besser nutzen, um mehr junge Frauen in technischen Ausbildungsberufen einzustellen. „Die Berufswahl ist ein wesentlicher Grund für den Gender Pay Gap. Aktuell belegen Frauen nur eine von fünf technischen Ausbildungsstellen bei der BVG“, sagt Maren Jasper-Winter.

Gleiche Bezahlung von Männern und Frauen bei BVG „selbstverständlich“

In einer Pressemitteilung weisen die Verkehrsbetriebe darauf hin, dass die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern bei dem Unternehmen bereits selbstverständlich sei. Die BVG sei für die Förderung von Frauen bereits mehrfach ausgezeichnet worden. Mit Sigrid Nikutta steht seit 1. Oktober 2010 zudem eine Frau an der Spitze von Deutschlands größtem Nahverkehrsunternehmen.

Der Gender Pay Gap, also der geschlechterspezifische Gehaltsunterschied, ist immer wieder Gegenstand von Kontroversen. Aussagekräftiger ist der bereinigte Gender Pay Gap, bei dem ein Teil des Verdienstes herausgerechnet wird, der auf strukturelle Unterschiede, etwa bei der Berufswahl oder beim Beschäftigungsumfang, zurückzuführen ist. Der bereinigte Gender Pay Gap lag zuletzt zwischen zwei und sechs Prozent.