Schlösser in Berlin

Besucherschwund und Vandalismus - Schlösser haben zu kämpfen

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg präsentiert ihre Jahresbilanz.

Das Schloss Sanssouci

Das Schloss Sanssouci

Foto: Bernd Settnik / ZB

Berlin.  Als ein „sehr ereignisreiches Arbeitsjahr mit vielen spektakulären Schlusspunkten“ bezeichnet Heinz Berg das Jahr 2018 für die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG). Damit meint der Direktor der Generalverwaltung eher nebenbei den Weggang des langjährigen Generaldirektors Hartmut Dorgerloh.

Bei der Jahresbilanz im Schloss Charlottenburg verwies Berg, der bis zur Neubesetzung im Februar 2019 kommissarisch die Leitung innehatte, stattdessen auf die vielen langjährigen Bauprojekte, die mithilfe des Sonderinvestitionsprogramms 1 ihren Abschluss fanden. „Anders als beim BER oder der Elbphilharmonie konnten wir, von minimalen Ausnahmen abgesehen, unsere Baumaßnahmen stets frist- und kostengerecht beenden.“

Nach drei Dekaden sei das Marmorpalais im Neuen Garten endlich komplett saniert, auch Schloss Cecilienhof wieder äußerlich inklusive der Gartenanlage instand gesetzt worden. Auch das kostbare, aus dem 13. Jahrhundert stammende Apsismosaik in der Friedenskirche im Potsdamer Park Sanssouci wurde restauriert.

20 Prozent weniger Besucher

Bürgerschaftlichem Engagement sei es zu verdanken, dass der bereits abgeschriebene Winzerberg in Potsdam wieder voll funktionsfähig ist. Spenden wie die von Fernsehmoderator Günther Jauch oder das Vermächtnis von Gisela Soost und Gerhard Elsner hätten es ermöglicht, die von Vandalismus und Witterung schwer beschädigte Neptungrotte im Park Sanssouci wieder auf Vordermann zu bringen.

Selbstkritisch betrachtet Berg allerdings die Entwicklung der Besucherzahlen. „In den letzten zehn Jahren haben wir 20 Prozent unserer Besucher verloren“, ist er alarmiert. Der Trend hält an. Die Bilanz für 2018 weist mit 1,54 Millionen Besuchern einen Rückgang gegenüber 2017 von 1,87 Prozent aus.

Die erfolgreiche Pückler-Ausstellung in Schloss und Park Babelsberg vor zwei Jahren, die allein 72.000 Besucher zählte, habe auf die Statistik sicherlich Einfluss gehabt. Auch warme oder kalte Sommer veränderten die Besucherströme. Aber Berg will nichts beschönigen: „Das touristische Verhalten unserer Gäste hat sich verändert. Darauf müssen wir reagieren.“

Das hat sich der neue Generaldirektor Christoph Martin Vogtherr längst in seinen persönlichen Aktionsplan geschrieben. Mit modernen Vermittlungsformen, einer zeitgenössischen Sprache, neuen, auf die Zielgruppen zugeschnittenen Formaten will er auf die veränderte Nachfrage antworten.

Neue Strategien werden entworfen

„Ins Schloss Charlottenburg kommen Touristen aus ganz Europa, die Parks und Schlösser in Potsdam ziehen eher Tagesausflügler an, die Schlösser in Königs Wusterhausen, Oranienburg oder Caputh fungieren dagegen oft als örtliche Kulturzentren. Für diese unterschiedlichen Bedürfnisse müssen wir Strategien entwerfen“, kündigt er an.

Eine erste Maßnahme hat Vogtherr anlässlich des diesjährigen Themenjahres „Italien in Potsdam“ bereits angestoßen. Die Schlösserstiftung werde dazu mit dem Potsdamer Museum Barberini kooperieren. Während dort vom 13. Juli bis 6. Oktober die Ausstellung „Wege des Barock. Die Nationalgalerien Barberini Corsini in Rom“ zu sehen ist, werde die SPSG ein umfangreiches Begleitprogramm auflegen.

Geplant sind themenbezogene Führungen durch die Pflanzenhallen und den Heizgang der Orangerie, den Schlossgarten Glienicke, die Bildergalerie im Park Sanssouci, Lesungen und Konzerte in den Römischen Bädern. Ticketrabatte sollen Interessierte dabei ins Barberini und in die Schlösser und Parks locken.

Konsequent gegen Vandalismus vorgehen

Lösungen sucht Vogtherr auch, um gegen den zunehmenden Vandalismus in den Parkanlagen vorzugehen. Gartenbaudirektor Michael Rhode bestätigt: „Die Entsorgung von Müll auf den Wiesen und die vielen Nachpflanzungen, die notwendig sind, weil Pflanzen gestohlen oder beschädigt werden, nehmen eine finanziell folgenreiche Größenordnung an.“ Außerdem mache sich der Klimawandel in den Parklandschaften negativ bemerkbar.

Hier setzt Vogtherr auf die Wissenschaft: 2019 und 2020 richtet die SPSG ein Kolloquium und ein internationales Symposium aus, bei denen sich Fachleute mit Fragen der Natur- und Umweltzerstörung, Globalisierung, Digitalisierung oder virtuellen Gärten auseinandersetzen wollen.

400 Millionen Euro stehen bis 2030 zur Verfügung

Der Ausstellungsreigen falle in diesem Jahr ein wenig kleiner aus: „Wir sind 2019 vor allem mit den Planungen, Nutzungs- und Museumskonzepten und Ausschreibungen für neue Sanierungs- und Bauprojekte im Rahmen des Sonderinvestitionsprogramms 2 beschäftigt“, so Vogtherr. Bis 2030 stehen der SPSG 400 Millionen Euro aus Mitteln des Bundes und der Länder Berlin und Brandenburg zur Verfügung, um Gebäude und Gärten vor dem Verfall zu bewahren.

Zu den 26 Projekten, die in den kommenden fünf Jahren vorgesehen sind – mit einem Umfang von 170 Millionen Euro – gehören Arbeiten am Damenhaus im Neuen Garten sowie an der Meierei, die Dachsanierung des Neuen Palais, der Neubau des Besucherzentrums Historische Mühle oder der Bau des Skulpturendepots in Potsdam.