Prozess in Berlin

„Liebeskugeln“ gegen Rückenschmerzen: Therapeut vor Gericht

Zum dritten Mal muss sich ein Therapeut wegen sexueller Übergriffe auf Patientinnen vor einem Berliner Gericht verantworten.

Der 64 Jahre alte Physiotherapeut Ralf B. muss sich seit Montag vor dem Berliner Landgericht verantworten.

Der 64 Jahre alte Physiotherapeut Ralf B. muss sich seit Montag vor dem Berliner Landgericht verantworten.

Foto: Sven Braun / picture alliance/dpa

Berlin. Was Physiotherapeut Ralf B. als notwendige therapeutische Maßnahmen bezeichnet, dafür hat die Staatsanwaltschaft eine ganz andere Bezeichnung. Sie nennt das, was B. in seiner Praxis so getrieben haben soll, einen sexuellen Missbrauch unter Ausnutzung eines Behandlungsverhältnisses.

Seit Montag muss sich der 64-Jährige vor dem Landgericht verantworten, neben dem sexuellen Missbrauch von Patientinnen wird ihm auch Vergewaltigung und Körperverletzung vorgeworfen.

Physiotherapeut wurde bereits zweimal verurteilt

Es ist nicht das erste Mal, dass B. auf der Anklagebank Platz nehmen muss. Der 64-Jährige wurde bereits zweimal verurteilt - wegen der gleichen oder zumindest ähnlicher Delikte. Im aktuellen Fall geht es um Übergriffe auf zwei junge Frauen im August vergangenen Jahres in seiner Praxis in Lichterfelde. Insgesamt sieben Fälle innerhalb von drei Wochen hat die Staatsanwaltschaft aufgelistet.

Gelenkschmerzen einer Patientin soll er durch ausgiebiges Massieren ihrer Brüste behandelt haben. Gegen Verspannungen in der Schulter sollten offenbar Behandlungen im Bereich des Unterleibs und anderer naher Regionen helfen, Beckenbodenübungen soll B. das genannt haben.

Mit „Liebeskugeln“ gegen Rückenschmerzen

Und gegen Rückenprobleme kamen der Anklage zufolge Instrumente zum Einsatz, die üblicherweise nicht im medizinischen Fachhandel sondern eher in Sex-Shops erworben werden. Sogenannte „Liebeskugeln“ etwa, deren vielfältige Anwendungsmöglichkeiten so gar nichts mit Physiotherapie zu tun haben.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft trägt am Montag noch viele weitere Details dessen vor, was B. als medizinisch notwendig betrachtet haben soll. Der 64-Jährige hört schweigend zu und sitzt dabei relativ entspannt auf der Anklagebank. Zu einem der sieben angeklagten Fälle äußert er sich, infame Unterstellungen seien das, gegen ihn werde Rufmord betrieben. Zu dem Opfer fällt ihm bei seinen Aussagen nur ein, die Frau sei ihm nicht sehr sympathisch gewesen, zu sexuellen Übergriffen habe schon daher kein Grund bestanden. Und im übrigen habe sie für die Behandlung bis heute nicht bezahlt.

Ralf B. wurde wegen Missbrauchs von Kindern verurteilt

Ausgesprochen ruhig kommen die Äußerungen des Angeklagten. Aber auch wenn bis zum Urteil für B. wie für jeden Angeklagten die Unschuldsvermutung gilt, es fällt schwer, seinen Unschuldsbeteuerungen Glauben zu schenken. Und das hat triftige Gründe.

Zu den sexuellen Übergriffen soll es im August 2018 gekommen sein. Zu dem Zeitpunkt liefen gegen B. bereits Ermittlungen wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs zweier 13 und 14 Jahre alter Schwestern, die er ebenfalls in seiner Praxis behandelte. Im November wurde er wegen der Übergriffe auf die Kinder zu drei Jahren und neun Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Und sofort in Haft genommen - wegen Wiederholungsgefahr.

Gericht verurteilte ihn zu Freiheitsstrafe und Berufsverbot

Inzwischen ist dieses Urteil rechtskräftig. In das Strafmaß wurde dabei eine frühere Verurteilung einbezogen. Gegenstand dieses Verfahrens: Sexueller Missbrauch einer Patientin während einer physiotherapeutischen Behandlung in seiner Praxis. Zu der Freiheitsstrafe wurde auch ein dreijähriges Berufsverbot verhängt.

Unabhängig davon, wie der am Montag begonnene Prozess endet, eine Möglichkeit, therapeutische Behandlungen durchzuführen, auf welche Weise auch immer, dürfte B. so schnell nicht wieder bekommen. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.