Dehoga-Chef Andresen

Ordnungskräfte sollen vor Berliner Lokalen für Ruhe sorgen

Der Präsident des Hotel- und Gaststättenverbands fordert mehr Mitarbeiter vom Senat, um den Lärmschutz in Berlin durchzusetzen.

Die Simon-Dach-Straße in Friedrichshain ist ein Touristenmagnet.

Die Simon-Dach-Straße in Friedrichshain ist ein Touristenmagnet.

Foto: dpa Picture-Alliance / Global Travel Images / picture alliance / Global Travel

Berlin. Der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Berlin hat von der Politik stärkere Anstrengungen in Sachen Lärmschutz gefordert. „Die Stadt darf nicht sich selbst überlassen werden. Ich sehe Senat und Bezirke gefordert, mehr Ordnungskräfte auf die Straße zu bringen, die dann auch dafür sorgen müssen, dass Lärmschutzbestimmungen eingehalten werden“, sagte Christian Andresen im Interview der Berliner Morgenpost.

Andresen führt seit dem vergangenen Jahr den Verband der Hoteliers und Gastronomen in Berlin an. Vor allem in Szene-Bezirken wie Friedrichshain-Kreuzberg hatten sich zuletzt verstärkt Einwohner über den von Touristen verursachten Lärm und Müll beschwert. Andresen nahm sowohl die Gäste als auch seine Branche in Schutz. „Was mir zu schnell geht, ist, dass sofort der Gastronom, der Hotelier oder der Tourist als Verursacher gebrandmarkt wird. Da müssen wir differenzierter rangehen“, erklärte Andresen. In den Stadtgebieten seien nicht nur Touristen unterwegs, sondern auch Berliner, so Andresen.

13,5 Millionen Gäste besuchten Berlin

Im vergangenen Jahr besuchten rund 13,5 Millionen Gäste die Stadt – ein Plus von vier Prozent. Dennoch habe Berlin kein Problem mit Massentourismus, sagte Andresen. Einen von der Linkspartei geforderten Genehmigungsstopp für Hotels lehnt der Dehoga-Präsident ab. „Wir sind ein deutlich wachsender Wirtschaftszweig. Für Hotels, aber auch für Gaststätten sollten daher eher Anreize geschaffen werden, um zu investieren“, erklärte der Hotelier.

Um den Qualitätstourismus weiter nach vorne zu bringen, seien vor allem weitere Kongressflächen in Berlin nötig, sagte Andresen, und nannte das International Congress Center (ICC). Für das marode Gebäude auf dem Berliner Messegelände haben sich nach Angaben der Berliner Immobilienmanagement GmbH in dieser Woche 13 Interessenten gemeldet. Die Vorschläge zur künftigen Nutzung des Siebziger-Jahre-Baus sollen nun ausgewertet werden. Wie dringend Berlin neue Kongressflächen braucht, ist nach Angaben des Dehoga-Präsidenten bereits heute zu spüren. „Ich höre, dass die verantwortlichen Stellen in der Stadt bereits heute immer wieder Anfragen für Kongresse ablehnen müssen, weil nicht genügend Flächen vorhanden sind“, sagte Andresen.

Auf dem Messegelände findet noch bis Sonntag die Internationale Tourismusbörse (ITB) statt. Zuletzt hatte das Partnerland Malaysia für Diskussionen gesorgt. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) hatte daraufhin die Messe aufgefordert, das Auswahlverfahren zu überdenken. Andresen sieht den Vorschlag kritisch. „Wenn wir sagen, wir laden nur noch Länder ein, die uns unbedenklich erscheinen, dann wird die ITB in der Form nicht mehr stattfinden können“, erklärte er. Am heutigen Sonnabend ist die Tourismus-Schau erstmals auch für Privatbesucher geöffnet.

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