Frauentag

Tausende demonstrieren in Berlin für Frauenrechte

Vom Alexanderplatz zogen die Demonstranten am Nachmittag zum Oranienplatz. Teilnehmer wollen sich für Gleichberechtigung einsetzen.

Demonstration zum Weltfrauentag in Berlin

Demonstration zum Weltfrauentag in Berlin

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin. Am Freitagnachmittag gibt es kaum noch ein Durchkommen auf dem Alexanderplatz. Mehrere Tausend Menschen haben sich dort versammelt, um für Frauenrechte und Gleichberechtigung zu demonstrieren. Die Teilnehmer halten Plakate in die Luft, auf denen Parolen stehen wie: „Alle dürfen alles“, „Frauenpower, Frauenmacht“ und „Won’t stop fighting for equality“, übersetzt: Ich werde nicht aufhören, für Gleichberechtigung zu kämpfen.

Statt den Frauentag, der an diesem 8. März in Berlin erstmals offiziell Feiertag war, zum Entspannen zu nutzen und die Füße hochzulegen, haben sich die Menschen, mehrheitlich Frauen, entschlossen, auf die Straße zu gehen. „Wir haben fast nirgendwo auf der Welt eine Frauengleichstellung“, sagt Teilnehmerin Helene Berleburg. „Was könnte besser sein, um dafür zu demonstrieren, als ein freier Tag?“ Die Schülerin ist mit weiteren jungen Frauen zur Demonstration gekommen, darunter auch Antonia Hunfeld, die ein Plakat in der Hand hält, auf dem steht „Feminist & proud“. „Jeder, der für die Gleichstellung der Geschlechter einsteht, ist ein Feminist“, sagt sie. Und in Sachen Gleichstellung, da sind sich die jungen Teilnehmerinnen einig, gebe es noch einiges zu tun: Stereotypen – etwa, dass Mädchen Rosa mögen und Jungen Blau – sollten aufgehoben werden. Menschen für die gleiche Arbeit sollten auch das gleiche Gehalt bekommen. Und überhaupt müssten bessere Möglichkeiten für alle geschaffen werden, zu arbeiten, auch für junge Mütter.

Juliana Kattchin hat zur Unterstützung ihre Söhne mitgebracht. Um Vorbild für diese zu sein und „damit sie gleich Bescheid wissen“, sagt sie mit einem Lachen. Auch sie betont, dass bei der Gleichberechtigung noch eine Menge getan werden müsse. Ihr geht um die Aufwertung von Frauenberufen, um Lohngleichheit, aber auch um Punkte wie den Haushalt. „Die Arbeit im Haushalt ist noch oft ungleich verteilt“, sagt sie. „Und in meinem Umfeld sind es fast nur Frauen, die in Teilzeit gehen.“

Gleichstellung im Berliner Abgeordnetenhaus gefordert

Der Frauentag als Feiertag, so die unter vielen Teilnehmern die vorherrschende Meinung, ist nur ein Zeichen, ein Anfang. Es gebe noch viele Lücken zwischen Frauen und Männern, sagt auch Gleichstellungssenatorin Dilek Kolat (SPD), die ebenfalls bei der Demonstration dabei ist. Sei es der „Gender Pay Gap“ – der Gehaltsunterschied – oder der „Gender Care Gap“, der erfasst, wie viel mehr unbezahlte Sorgearbeit Frauen gegenüber Männern leisten. „Wir haben noch viel zu tun“, sagt Kolat.

Ein Schritt in Richtung Gleichstellung soll derweil auch im Berliner Abgeordnetenhaus gegangen werden. Die Linken haben einen Entwurf für ein Parité-Gesetz erarbeitet, auch die Grünen wollen sich auf ihrem Landesparteitag im April mit einem entsprechenden Antrag beschäftigen. Bis zum Sommer, so das Ziel, soll es ein entsprechendes Gesetz geben, wonach sich auf den Wahllisten künftig Männer und Frauen abwechseln sollen. Ein solches Gesetz hat kürzlich Brandenburg als erstes Land in Deutschland verabschiedet. Derzeit hat die Grünen-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus mit 60 Prozent den höchsten Frauenanteil, den niedrigsten hat die AfD-Fraktion mit neun Prozent. Die Hälfte der Bevölkerung seien Frauen, sagt die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Silke Gebel. Wolle man diese abbilden, wie es sich für eine repräsentative Demokratie gehöre, dann müssten auch die Hälfte aller Abgeordneten Frauen sein.

Für „mehr Sichtbarkeit von Frauen im öffentlichen Raum“ hat die Grünen-Fraktion am Freitag zudem symbolisch die Dircksenstraße in Mitte in „Margarete-Poehlmann-Straße“ umbenannt. Poehl­mann war vor 100 Jahren die erste Frau, die im preußischen Parlament eine Rede hielt, hieß es zur Begründung. „Sie hat Themen, die wir heute noch haben, schon vor 100 Jahren adressiert“, sagte Gebel bei der Aktion. Dazu gehöre etwa die Bildung von Frauen und Mädchen.

Frauenquote ist deutlich gestiegen

Welche Fortschritte es in der beruflichen Gleichstellung gibt, erfasst der Bericht über die die Umsetzung des Berliner Landesgleichstellungsgesetzes. Im aktuellsten Bericht aus dem Jahr 2017 heißt es, im höheren Dienst sei die Frauenquote kontinuierlich gestiegen und auch in öffentlichen Unternehmen und Instituten seien Frauen gut repräsentiert. In öffentlichen Anstalten lag demnach der Frauenanteil im höheren Dienst zwischen 40 und 62 Prozent. Allerdings hält der Bericht auch fest: 86 Prozent der Teilzeitkräfte waren Frauen und in „Männerdomänen“, etwa dem höheren Dienst der Polizei und der BVG, sei der Frauenanteil besonders gering.

Auch was die Bezahlung angeht, zeigen sich weiterhin starke Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Laut dem Statistischen Bundesamt verdienten Frauen 2017 mit einem durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von 16,59 Euro 21 Prozent weniger als Männer. Um auf diesen Unterschied aufmerksam zu machen, steht noch in diesem Monat der nächste Aktionstag an: der Equal Pay Day am 18. März. Er soll symbolisch den Tag im Jahr markieren, bis zu dem Frauen umsonst arbeiten.

Mit der Entscheidung, den Frauentag zum Feiertag zu machen, hat Berlin derweil durchaus ein kleines Zeichen in die Welt gesendet. Rund um den Globus blieben deutsche Auslandsvertretungen, also Botschaften, Generalkonsulate und Konsulate, geschlossen. Auf der Website der Botschaft in Rom hieß es dazu: „Das Abgeordnetenhaus des Landes Berlin hat beschlossen, das Gesetz über die Sonn- und Feiertage des Landes Berlin zu ändern und den Internationalen Frauentag (8. März) als neuen allgemeinen Feiertag gesetzlich festzulegen. Ab sofort sind daher auch die deutschen Vertretungen in Italien am 8. März geschlossen.“