Firmengründerinnen

Frauen in Start-ups: Jung, weiblich, Gründerin

Wie sich Civey-Gründerin Janina Mütze in der männerdominierten Wirtschaft durchsetzt.

Janina Mütze ist Gründering und Geschäftsführerin des Berliner Meinungsforschungs-Start-ups Civey. Deutschlandweit sind nur 15 Prozent der Firmengründer Frauen.

Janina Mütze ist Gründering und Geschäftsführerin des Berliner Meinungsforschungs-Start-ups Civey. Deutschlandweit sind nur 15 Prozent der Firmengründer Frauen.

Foto: Sergej Glanze

Berlin. Mitunter vergingen am Anfang zehn Minuten, bis mögliche Neu-Kunden begriffen hatten, wer bei Civey das Sagen hat. Janina Mütze, 28 Jahre alt, hat das Meinungsforschungsunternehmen gemeinsam mit zwei männlichen Geschäftspartnern vor vier Jahren in Berlin gegründet.

Jeden Tag arbeitet Civey derzeit an etwa 2000 repräsentativen Umfragen zu unterschiedlichen Themen, die im Internet durchgeführt werden. Mehr als eine Million registrierte Nutzer hat das Unternehmen mittlerweile in seiner Datenbank. Die Geschäfte laufen gut. Erst vor einigen Wochen ist die junge Firma wegen des rasanten Wachstums in neue, größere Räume gezogen.

Nur 15 Prozent der Firmengründer sind Frauen

Janina Mütze sitzt in einem der Zimmer auf einem Sessel und erzählt von den ersten Monaten als Civey-Chefin im Jahr 2015. Immer wieder war die junge Berlinerin damals bei möglichen Kooperationspartnern, um die neue Umfragemethode vorzustellen. Mütze wurde dafür häufig von männlichen Kollegen begleitet. „Manchmal hat es eine Zeit lang gedauert, bis die Gesprächspartner begriffen hatten, dass ich der eigentliche Termin bin und nicht meine männliche Begleitung“, sagt Mütze.

Deutschlandweit geht es noch immer viele jungen Unternehmerinnen so wie Janina Mütze. Denn Gründerinnen sind eine Ausnahmeerscheinung. Nur knapp 15 Prozent der Start-ups sind nach einer Erhebung des sogenannten Female Founders Monitors von Frauen gegründet worden. In immerhin 28 Prozent aller Start-ups sind Frauen als (Mit-)Gründerinnen vertreten.

Vielleicht fehlt Frauen teilweise auch der Mut und der Glaube an sich selbst, sagt Janina Mütze. Die Civey-Frontfrau hingegen hat alles auf eine Karte gesetzt: Die studierte Volkswirtin Mütze hängt ihren guten und sicheren Referenten-Job bei einem Verband für Risikokapitalunternehmen an den Nagel, nimmt sogar einen Kredit auf, um ihr eigener Chef sein zu können. Erst danach gelingt es Janina Mütze und ihren Mitgründern, Investoren von der Idee zu begeistern. Auch die Investitionsbank Berlin (IBB) gibt der jungen Firma einen Kredit. Heute sind auch andere Privatinvestoren an Civey beteiligt.

Meinungsforschungsinstitute sehen Geschäft bedroht

Doch Janina Mütze muss auch Kritik aushalten. Die etablierten deutschen Meinungsforschungsinstitute sehen angesichts der jungen Konkurrenz ihr Geschäftsmodell bedroht. Auch einige Sozialforscher zweifeln die Umfragemethode des Berliner Start-ups an.

Der Unmut verwundert nicht, denn Civey stellt die Grundlage der klassischen Meinungsforschung infrage. An den Internetumfragen des Start-ups nimmt teil, wer Lust hat. Nutzer bekommen auf Partner-Internetseiten eine Frage gestellt. Um das Ergebnis sehen zu können, müssen sich die Teilnehmer allerdings bei Civey registrieren. Danach sortiert der Algorithmus die Antworten nach Eigenschaften wie Alter, Geschlecht und Wohnort und berechnet dann repräsentative Ergebnisse.

55 Mitarbeiter sind mittlerweile bei Civey tätig. Knapp die Hälfte der Mitarbeiter kümmert sich um die Weiterentwicklung der Technik. Gründerin Janina Mütze versucht, ebensoviele Frauen wie Männer einzustellen. „Das ist nicht immer einfach“, sagt die Berlinerin. Sehr viel mehr Männer gebe es etwa in der Vertriebsabteilung, die für die Akquise von Neukunden zuständig ist. Im Marketing hingegen findet das Unternehmen sehr viel einfacher weibliche Angestellte.

Netzwerke können Frauen helfen

Janina Mütze glaubt auch, dass Frauen zusammenhalten müssen, um beruflich voranzukommen. „Es geht auch darum, alte Seilschaften aufzubrechen und eigene Netzwerke aufbauen“, sagt die Gründerin. Mütze ist deswegen seit einiger Zeit selbst im Bundesvorstand des Deutschen Start-ups-Verbands aktiv und auch stellvertretende Vorsitzende des Start-up-Unternehmerinnen-Netzwerks. Fast 200 Frauen sind mittlerweile in dem Zusammenschluss organisiert. Ziel des Netzwerks ist es, junge Gründerinnen mit erfahrenen Unternehmerinnen zusammenzubringen. Schirmherrin ist die frühere SPD-Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries.

Auch in ihrem eigenen Unternehmen tauscht sich Janina Mütze immer wieder mit ihren weiblichen Kolleginen aus, regelmäßig gibt es Work-Shops, auch über eine Chat-Gruppe hält die Gründerin Kontakt. Frauen, sagt Mütze müssten sich generell mehr zutrauen und weniger zweifeln. Dieser Leitgedanke gilt für Mitarbeiterinnen bei Civey, aber ganz sicher auch für Gründerinnen in Deutschland.

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