Tourismus

Linke fordern Genehmigungsstopp für Hotels

Zur Tourismusmesse ITB präsentiert sich Berlins Linke wenig gastlich. Die Abgeordnete Katalin Gennburg sagt: 142.754 Betten sind genug.

Ein Gast betritt ein Hotelzimmer. (Symbolfoto)

Ein Gast betritt ein Hotelzimmer. (Symbolfoto)

Foto: Pa

Berlin. Das Angebot an Übernachtungsmöglichkeiten ist groß: Aktuell stehen Berlin rund 71.000 Zimmer in Hotels, Pensionen Hostels und Gasthöfen mit exakt 142.754 Betten zur Verfügung. Die durchschnittliche Auslastung liegt derzeit jedoch nur bei 60 Prozent. Das geht aus der Antwort von Senatsbaudirektorin Regula Lüscher auf eine parlamentarische Anfrage von Katalin Gennburg (Linke) hervor.

Bezirke sollen Beherbergungsbetriebe ausschließen

Für Gennburg ist deshalb klar: „Berlin muss handeln! Wir brauchen einen Genehmigungsstopp für Hotels bis durch einen Hotelentwicklungsplan geklärt ist, welche qualitativ wie quantitativ wirksamen Maßnahmen zur Verhinderung der Unbewohnbarkeit mancher Stadtteile notwendig sind“, so Gennburg. In den Bezirken sollten Beherbergungsbetriebe über festzusetzende Bebauungspläne ausgeschlossen werden und somit Kieze als Wohngegenden geschützt werden, so die stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Linken.

166 weitere Hotels in Planung

Tatsächlich sind in Berlin zahlreiche neue Hotels in Vorbereitung, wie aus der Antwort der Senatsbaudirektorin weiter hervorgeht. Demnach sollen mindestens 66 Hotels neu und fast 100 bestehende Gebäude zu Hotels umgebaut werden. „Diese Zahlen lösen in Zeiten, in denen Tausende wohnungslos oder verzweifelt auf der Suche nach bezahlbarem Wohnraum sind, absolutes Unverständnis bei mir aus“, so die Politikerin.

Entsprechende Bauvorhaben stießen deshalb in Berlin auf immer deutlicheren Widerstand aus der Bevölkerung. Berlin benötige daher ein Hotelentwicklungskonzept um der touristischen „Übernutzung“ der Kieze Einhalt zu gebieten. Durch die Umwandlung von Bestandsgebäuden gingen den Anwohnern nicht nur Wohnhäuser, sondern auch alltagswichtige Infrastrukturen, wie Einzelhandel, Arztpraxen und Kitas verloren. „Wohin diese Prozesse führen, lässt sich beispielhaft an Lissabon beobachten, wo die komplette Innenstadt der touristischen Vermarktung anheim gefallen ist“, sagte Gennburg.

Vorbild Amsterdam und Barcelona

Andere europäische Städte wie Amsterdam oder Barcelona versuchten, dem touristischen Verfall ihrer Innenstädte durch Hotels und Partylocations mittels stadtweiter Strategien, Planwerke und Verordnungen entgegen zu wirken. So etwas brauche Berlin ebenfalls, forderte Gennburg.