Neuaufstellung

Polizei will Konzentration auf Innenstadt-Kriminalität

In den Innenstadtbezirken gibt es mehr Kriminalität als am Rand. Die Polizei will sich dort daher neu aufstellen.

Barbara Slowik, Polizeipräsidentin von Berlin, spricht bei einem Pressegespräch.

Barbara Slowik, Polizeipräsidentin von Berlin, spricht bei einem Pressegespräch.

Foto: dpa

Berlin. Die Berliner Polizei nimmt die bekannten Kriminalitäts-Orte in der Hauptstadt künftig mit einer Brennpunkt-Direktion besonders in den Fokus. Polizeipräsidentin Barbara Slowik konkretisierte am Montag im Innenausschuss ihre bereits bekannten Reformpläne. Die derzeit sieben Orte mit einer Häufung von Verbrechen liegen in der östlichen Innenstadt, in Kreuzberg, Friedrichshain und Neukölln. Für dieses Gebiet soll künftig eine einzige Organisationseinheit, eine sogenannte Direktion, zuständig sein.

Bisher sind zwei verschiedene Direktionen (3 und 5) zuständig für die sieben kriminalitätsbelasteten Orte: Alexanderplatz, Görlitzer Park, Warschauer Brücke, Kottbusser Tor, Teile der Hermannstraße, Hermannplatz, ein Bereich der Rigaer Straße.

Eigene Einsatztruppe als Brennpunkt- und Präsenzstreife

Die neue Innenstadt-Direktion erhält eine eigene Einsatztruppe als Brennpunkt- und Präsenzstreife für die schwierigen Orte und Gegenden am Alexanderplatz und in Kreuzberg und Neukölln. Bisher seien bei aktuellen Großeinsätzen dort immer wieder andere Hundertschaften eingesetzt worden, "ohne vertiefte Orts- und Personenkenntnisse", sagte Slowik. Die neue Truppe soll einen echten "Kiezbezug" haben und ständig in den gefährlichen Ecken sichtbar sein, wie auch Innensenator Andreas Geisel (SPD) erneut betonte.

Slowik räumte ein, es könne in Zukunft auch in anderen Ecken Berlins neue, sogenannte kriminalitätsbelastete Orte geben, an denen die Polizei wegen der vielen Verbrechen mehr Rechte hat. So gab es bis vor kurzem weitere dieser Orte in Schöneberg und Wedding. Auch wenn diese dann nicht zur neuen Brennpunktdirektion gehören sollten, sei die Reform zwingend nötig.

Einführung neuer Führungsebene

Zudem betonte Slowik auch die Notwendigkeit weiterer Neuerungen, die sie kürzlich bereits als Grobplanung angekündigt hatte. Dabei geht es etwa um die Einführung einer neuen Führungsebene im Polizeipräsidium und um eine neue Abteilung für Terrorismusbekämpfung im Landeskriminalamt.

Der FDP-Innenpolitiker Marcel Luthe kritisierte, durch den hohen Krankenstand bei der Polizei gebe es aktuell nicht mehr, sondern weniger Beamte als 2010 im Einsatz. "Statt 19 163 tatsächlich Dienstfähigen 2010 haben wir aktuell 19 042 dienstfähige Polizisten im Einsatz, also 121 weniger - und gleichzeitig 8 Prozent mehr Straftaten als noch 2010." Es nütze nichts, die zu kurze Personaldecke einfach anders zu verteilen. Es brauche besser ausgebildeten Nachwuchs und eine Entlastung durch neues Personal.

Bei der Berliner Polizei arbeiten mehr als 25 000 Menschen. Knapp 18 000 davon sind uniformierte Polizisten und Kriminalpolizisten. Hinzu kommen 2800 Auszubildende und knapp 2800 Verwaltungsangestellte, Techniker und Wissenschaftler sowie 2000 weitere Wachleute, sogenannte Objektschützer.

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