Wetter in der Hauptstadt

Tief „Bennet“: Sturm und Gewitter ziehen über Berlin

Am Montag fegte Sturmtief „Bennet“ über Berlin. Die Feuerwehr rückte zu zahlreichen Einsätzen aus, die S-Bahn drosselte ihr Tempo.

Nach dem Regen: Blick vom Kudamm in Richtung Westen

Nach dem Regen: Blick vom Kudamm in Richtung Westen

Foto: Iris Hesse

Berlin.  Sturmtief „Bennet“ zieht über Berlin hinweg. Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) können in der Hauptstadt und Umgebung Wind- und Sturmböen Windgeschwindigkeiten zwischen 55 und 85 Kilometern pro Stunde auftreten. Die Berliner sollten sich windgeschützt anziehen. Dazu sind kräftige Schauer möglich, in denen sogar schwere Sturmböen um 100 Kilometer pro Stunde der Windstärke 10 über die Stadt hinwegfegen können. Auch vereinzelte starke Gewitter seien nicht ausgeschlossen. Die erste Front zog am Mittag über die Hauptstadt hinweg, eine zweite schob sich am späten Nachmittag über die Stadt.

S-Bahnen und Ampeln ausgefallen

Am späten Nachmittag waren wegen des Gewitters die S-Bahnlinien S1 und S26 beeinträchtigt. In beiden Fällen waren Bäume auf die Gleise gestürzt. Die S-Bahn senkte am Nachmittag die Geschwindigkeit ihrer Züge im ganzen Netz auf 60 Stundenkilometer.

Unter anderem am Theodor-Heuss-Platz in Westend waren Ampeln ausgefallen. In Spandau war die Ampel an der Ecke Klosterstraße und Ruhlebener Straße defekt, in Tegel an der Karolinenstraße Ecke Waidmannsluster Damm.

Nachdem am Vormittag der Betrieb trotz Sturms planmäßig gelaufen war, warnten die Berliner Flughäfen am Nachmittag vor Verzögerungen durch „Bennet“. Es könne zu „Beeinträchtigungen bei der Bodenabfertigung“ kommen.

Am Checkpoint Charlie wurde die Replik eines historischen „You are leaving the American sector“-Schildes umgeweht, wie die Feuerwehr auf Twitter mitteilte.

In Potsdam musste die Feuerwehr in der Innenstadt derweil einen Schornstein sichern, der wegen des Windes vom Dach zu stürzen drohte. „Es kann im Bereich der Hans-Thoma-Straße/ Behlertstraße/Kurfürstenstraße zu Verkehrsbehinderungen kommen“, teilte die Feuerwehr dazu mit.

Einsätze wegen umgestürzter Bäume

Bereits am Montagmittag war es zu ersten Einsätzen wegen umgestürzter Bäume gekommen. „Zehn Freiwillige Feuerwehren wurden in Dienst gerufen und unterstützen“, teilte die Berliner Feuerwehr mit. Es habe bis zum Nachmittag rund 50 wetterbedingte Einsätze gegeben. „Geben Sie bitte acht auf eventuell herabfallende Äste oder Bauteile, sichern Sie lose Gegenstände, z. B. auf Balkonen“, forderte die Feuerwehr auf.

S-Bahn fährt gegen Baum im Gleisbett

Mehrere S-Bahnlinien waren von umgestürzten Bäumen betroffen. So musste der Verkehr auf der S7 zwischen Griebnitzsee und Wannsee unterbrochen werden, nachdem eine S-Bahn am Bahnhof Griebnitzsee gegen einen umgestürzten Baum gefahren war. Nach Angaben der Bundespolizei gab es keine Verletzten. Der Baum wurde inzwischen beseitigt.

Auch bei der S1 musste die Feuerwehr anrücken, nachdem ein Baum an der Strecke nahe Botanischer Garten umgestürzt war. Der Zugverkehr war zeitweise unterbrochen. als er wieder aufgenommen wurde, verkehrten die Züge teils noch nicht wieder im gewohnten Takt.

Über aktuelle Störungen im Betriebsablauf informiert die S-Bahn online auf ihrer Seite.

Die BVG warnte am frühen Montagnachmittag: „Aufgrund des Unwetters kommt es im gesamten Stadtgebiet zu Behinderungen und Verspätungen. Bitte mehr Zeit einplanen und passt auf euch auf.“

In Waidmannslust stürzte derweil ein Baum auf einen Kleintransporter. Der Vorfall ereignete sich an der Pforzheimer Straße. Die Feuerwehr rückte an, um den Baum wieder zu entfernen.

Betrieb an den Flughäfen am Vormittag noch planmäßig

Der Flugbetrieb an beiden Berliner Flughäfen verlief auf Vormittag zunächst trotz des aufziehenden Sturms planmäßig. „Wir haben in Anbetracht der vom Deutschen Wetterdienst prognostizierten Windgeschwindigkeiten Vorsorge getroffen, damit auf den großen Freiflächen keine Passagiere zu Schaden kommen“, sagte Pressesprecher Daniel Tolksdorf. Auch die Flugzeuge wurden gesichert. So wurden die geparkten Maschinen mit der Nase in den Wind gestellt. „Eine Maßnahme, um die Angriffsfläche für den Wind verringern.

Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtete, musste später wegen der starken Böen die Abfertigung in Schönefeld kurzzeitig aus Sicherheitsgründen eingestellt werden, wie ein Sprecher mitteilte. Infolge dessen kam es zu verspäteten Flügen. Am Flughafen Tegel kam es bis mittags zu keinen Einschränkungen.

Erst bei einer Windgeschwindigkeit ab 50 Knoten (110 Km/h) wird die Abfertigung der Passagiere aus Sicherheitsgründen eingestellt“, so der Pressesprecher. Informationen über die aktuelle Situation an den Berliner Flughäfen sind online abrufbar.

Kachelmann: Böe mit 100 Kilometern pro Stunde in Brandenburg

Meteorologe Jörg Kachelmann sprach bei Twitter von einer Böe mit einer Windgeschwindigkeit von 100 Stundenkilometern im Bereich Niederer Fläming in Brandenburg.

Auch in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern hatte die Bahn mit „Bennet“ zu kämpfen. Wie ein Bahnsprecher am Montag in Berlin mitteilte, kann die ICE-Bahnstrecke auf dem Abschnitt Bad Wilsnack und Glöwen (beide Prignitz) wegen eines Baumes nur eingleisig befahren werden. Ebenfalls eingleisig wird auf den Strecken von Willmersdorf (Barnim) und Angermünde (Uckermark), Hagenow-Land und Jasnitz sowie Züssow und Anklam (alle Mecklenburg-Vorpommern) verkehrt. Total gesperrt sind die Abschnitte zwischen Neubrandenburg und Altentreptow sowie Pasewalk und Güstrow (alle Mecklenburg-Vorpommern). Die Lage ändere sich stündlich, sagte der Sprecher.

Amtliche Warnung vom Wetterdienst

Bereits am Montagmorgen gab es eine amtliche Warnung des Deutschen Wetterdienstes. Die Sturmfront zieht von West nach Ost über Deutschland. Das Tief “Bennet“ wandert dabei von der Nordsee zur Ostsee, die dazugehörige Kaltfront überquert die Region.

Die Höchstwerte am Montag liegen in Berlin zwischen 13 und 17 Grad. In der Nacht zu Dienstag gibt es südostwärts schauerartigen Regen mit mäßigem Südwest- bis Westwind.

Sturm und Unwetter: So schützen Sie sich und andere

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe rät zur Vorbereitung auf Sturm und Unwetter zur Beachtung folgender Punkte:

● Sichern Sie außenstehende Mülltonnen und schließen Sie Gartenmöbel weg. Bringen Sie auch Blumentöpfe und andere bewegliche Gegenstände auf Balkonen und Dachterrassen in Sicherheit.

● Parken Sie Ihren Wagen in der Garage oder mit großem Abstand von Häusern sowie Bäumen. Je höher die gefährlichen Objekte, desto länger sollte der Abstand sein.

● Präventiv können Hausbewohner vor allem das Dach schützen, das einem Sturm viele Angriffsflächen bietet. Ziegel mit Sturmhaken sichern die Dachdeckung vor Windsog, der vor allem an den Rändern und dem Dachfirst auftritt. Auch Kaminabdeckungen, Antennen und Satellitenschüsseln sollten regelmäßig auf ihre Stabilität überprüft werden.

Verhalten bei einem Sturm

● Während eines Sturmes sollten Sie sich nicht draußen aufhalten, sondern in festen Gebäuden Schutz suchen. Werden Sie im Freien überrascht und können kein Gebäude mehr aufsuchen, so suchen sie möglichst eine Mulde oder einen Graben auf, legen Sie sich mit dem Gesicht erdwärts und schützen Sie Kopf und Nacken mit den Händen.

● Versuchen Sie auf Ihrem Weg in ein Gebäude einen Bogen um Wälder und Freileitungen zu machen. Bevor Sie in die Nähe eines Hauses kommen, kann ein Blick nach oben lebenswichtig sein. Denn häufig lösen sich Dachziegel und werden auf den Boden geschleudert.

● Meiden Sie ebenfalls die Nähe von Baugerüsten und baufälligen Häusern, von denen sich Gerüst- und Fassadenteile lösen könnten. -Schließen Sie im Inneren des Gebäudes Fenster und Türen sowie Rollläden oder Fensterläden.

● Halten Sie sich von Öffnungen fern, die nicht auf diese Art zusätzlich geschützt werden können, wie z. B. Dachluken.

● Suchen Sie bei einem Wirbelsturm möglichst einen tief liegenden Raum, z. B. Keller oder einen innen liegenden Raum Ihres Wohnbereiches auf. Kraftfahrzeuge, Wohnwagen und leichte Gebäude wie Holzbauten bieten möglicherweise keinen ausreichenden Schutz.

● Meiden Sie Räume mit großer Deckenspannweite wie z. B. Hallen.