Ermittlungen

Fall Rebecca: Schwester startet neue Such-Aktion in Buckow

Knapp zwei Wochen nach ihrem Verschwinden fehlt von Rebecca noch jede Spur. Ihre Schwester gibt die Hoffnung nicht auf.

Auf der Suche nach Rebecca Reusch: Am Sonntag folgten zehn bis 15 Personen einem Aufruf von Rebeccas Schwester.

Auf der Suche nach Rebecca Reusch: Am Sonntag folgten zehn bis 15 Personen einem Aufruf von Rebeccas Schwester.

Foto: dpa/Polizei Berlin / BM

Berlin. Knapp zwei Wochen nach ihrem Verschwinden fehlt noch immer jede Spur der 15-jährigen Rebecca aus Neukölln. Die Polizei setzte ihre Suche nach dem Mädchen auch am Wochenende unter Hochdruck fort. Am Sonnabend sagte ein Sprecher der Polizei, dass es aktuell keine neuen Informationen zum Verbleib des Mädchens geben würde.

Rebeccas Schwester gibt indes die Hoffnung nicht auf, die 15-Jährige noch lebend zu finden, und rief am Sonnabend beim Onlinedienst Instagram ihre Freunde und Abonnenten zu einer neuen gemeinsamen Suche nach Rebecca auf.

„Neue Suchaktion. Morgen um 9 Uhr Alt-Buckow mit Fahrrad“, schrieb sie in einer Instagram-Story. Dazu schrieb sie: „Still in a nightmare. Hope I’ll wake up soon“ („Noch immer in einem Alptraum. Hoffe, dass ich bald wach werde.“).

Etwa zehn bis 15 Personen folgten dem Aufruf und machten sich am Sonntagvormittag in Buckow auf die Suche. Einige hatten Flugblätter mit einem Foto der Schülerin dabei.

Rebecca Reusch: 143 Hinweise aus der Bevölkerung

143 Hinweise aus der Bevölkerung sind nach Angaben eines Polizeisprechers bis Sonntagmittag eingegangen. Rebecca war am 18. Februar, nachdem sie im Haus ihrer älteren Schwester in Britz übernachtet hatte, verschwunden. Die Ermittler gehen inzwischen von einem Tötungsdelikt aus, da es keine Lebenszeichen der Schülerin gibt.

Und auch am vergangenen Freitag mussten die Ermittler einen Rückschlag hinnehmen. Die Polizei musste den am Donnerstag festgenommenen Schwager des Mädchens wieder auf freien Fuß setzen.

Dieser war in Verdacht geraten, da es in seinem Haus, in dem Rebecca übernachtet hatte, offenbar Spuren gab, die auf ein Verbrechen schließen ließen.

Beamten der 3. Mordkommission hatten den Verdächtigen vorläufig festgenommen. Parallel zu der Hausdurchsuchung des Verdächtigen gingen auch die Befragungen weiter.

Dabei soll der 27-Jährige aber geschwiegen haben. Die Ermittler gerieten dabei offenbar auch immer mehr unter Zeitdruck. Denn ohne Haftbefehl hätte die Polizei den Mann nur bis Mitternacht festhalten können.

Rebeccas Schwester: „Wir werden dich lebend finden“

Die Staatsanwaltschaft hielt den Mann für dringend tatverdächtig. In einer Pressemitteilung teilte die Staatsanwaltschaft am Freitag mit, dass der Ermittlungsrichter jedoch keinen dringenden Tatverdacht feststellen konnte und die Freilassung des Beschuldigten anordnete. Der 27 Jahre alte Schwager der vermissten Schülerin wurde wieder entlassen, gilt aber weiterhin als tatverdächtig.

Der 27-Jährige war bereits zu einem früheren Zeitpunkt von der Polizei befragt worden, da es bereits früh den Verdacht gab, dass er mehr über das Verschwinden der 15-Jährigen wissen könnte. Die Ermittlungen der Mordkommission und Staatsanwaltschaft wurden mit Hochdruck fortgeführt. Dazu gehörte auch die kriminaltechnische Untersuchung des Hauses des Festgenommenen am vergangenen Freitag. In weiße Schutzanzüge gekleidet durchsuchten sie das Haus, die Garage und den Garten.

Bericht: Schwager darf Berlin nicht verlassen

Laut einem Bericht des „Kurier“ darf der Schwager die Stadt nicht verlassen und muss sich regelmäßig bei der Polizei melden. Ein Polizeisprecher machte dazu keine Angaben. Rebeccas Familie hält den Mann laut Medienberichten für unschuldig.

Bereits am Freitag hatte sich die Schwester von Rebecca beim Onlinedienst Instagram zu Wort gemeldet. Am Freitagabend veröffentlichte sie eine Story, in der sie schreibt: „Becci, ich liebe dich vom ganzen Herzen. Du fehlst uns so… Wir werden dich lebend finden!!!“ Bereits seit Tagen werden unter dem Hashtag „findbecci“ in den sozialen Medien Vermisstenanzeigen geteilt. „Becci wir finden dich“, schreibt dort ihre Schwester Vivien. „Egal wo du bist. Wir lieben dich. Gott ist bei dir und behütet dich. Danke an alle für die Mithilfe.“

Auch an Bushaltestellen des Blumenviertels in dem die Vermisste gemeinsam mit ihren Eltern wohnt, wurde in den vergangenen Tagen Vermisstenanzeigen aufgehängt. Darauf sind Bilder von Rebecca zu sehen. Zudem sind Adressen der Facebook und Instagram-Seiten von Rebecca und eine Telefonnummer für Hinweise genannt.

Polizei sucht Zeugen

Nach wie vor gibt es keine Hinweise für den Aufenthaltsort der vermissten 15-Jährigen. Auf der Internetseite der Polizei wird die Bevölkerung noch immer um Mithilfe gebeten.

Rebecca Reusch hielt sich am 18. Februar 2019 bei Familienangehörigen im Maurerweg in Berlin-Britz auf und hätte um 9.50 Uhr in ihrer Schule in der Fritz-Erler-Allee ihren Unterricht beginnen müssen. Dort kam sie jedoch nicht an, heißt es in dem Zeugenaufruf.

Die 3. Mordkommission fragt:

● Wer hat Rebecca Reusch am Morgen des 18. Februar 2019 im Bereich zwischen Maurerweg und Fritz-Erler-Allee gesehen?

● Wer hat sie nach dem 18. Februar dieses Jahres noch gesehen oder Kontakt zu ihr gehabt?

So sieht Rebecca aus:

● 15 - 18 Jahre

● 170 - 180 cm groß

● schlanke Gestalt

● braunes, schulterlages Haar

Rebecca war wie folgt bekleidet:

● rosafarbene Plüschjacke

● weißer Kapuzenpullover mit Aufschrift „RAP MONSTER“

● blaue Jeans mit zerrissenen Knien

● schwarz/weiße Sportschuhe der Marke „VANS“

● große beige-rosafarbene Handtasche

● roter Rucksack

Hinweise nimmt die 3. Mordkommission beim Landeskriminalamt, Keithstraße 30 in 10787 Berlin unter folgender Rufnummer (030) 4664-911 333 oder per E-Mail (lka113-hinweis@polizei.berlin.de) oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.

Rebeccas Fall erinnert an das Schicksal von Georgine Krüger

Erst im Dezember war in Berlin der ähnlich tragische Fall eines vermissten Mädchens aufgeklärt worden. Die 14-jährige Georgine war 2006 auf dem Weg nach Hause verschwunden. Wochen- und monatelang wurde intensiv gesucht.

Zwölf Jahre später nahm die Polizei einen Mann aus der Nachbarschaft als mutmaßlichen Mörder fest. Die Hoffnung der Familie auf einen guten Ausgang war in diesem Fall vergeblich.

Der Fall um die vermisste Berliner Schülerin Sandra Wißmann gehört hingegen zu den sogenannten „cold cases“ der Berliner Polizei. Die damals 12-Jährige war am 28. November 2000 am Kottbusser Damm in Kreuzberg spurlos verschwunden. Bis heute ist ungeklärt, was vorgefallen ist – Sandra Wißmann wird weiterhin vermisst.