Berlin-Tag

Wie Schulen und Kitas um Lehrer und Erzieher werben

Kitas, Jugendämter und Schulen wollen bei Messe im Flughafen Tempelhof neue Mitarbeiter gewinnen.

Beim Berlin-Tag am Flughafen Tempelhof: Zuhal Bütcü, Kerstin Brannath und Rebecca Abraham (v. l.)

Beim Berlin-Tag am Flughafen Tempelhof: Zuhal Bütcü, Kerstin Brannath und Rebecca Abraham (v. l.)

Foto: Foto: Reto Klar

Belinda Valjevcic und ihre Kolleginnen haben sich für ihren Stand etwas besonderes einfallen lassen: Mit einer Virtual-Reality-Brille können Besucher dort einen Rundgang durch die Kita „Sternenlichter“ in Lichterfelde-Süd unternehmen. Wer die Brille aufsetzt und den Kopf dreht, kann so etwa die Küche der Kita aus allen Blickwinkeln betrachten.

Besucher der Berlin-Tags – und insbesondere Erzieher – sollen so einen möglichst guten Eindruck bekommen und sich im Idealfall im Nachhinein um einen Job bewerben. „Wir suchen schon dringend Erzieher“, sagt die Kitaleiterin. Quereinsteiger und Auszubildende alleine würden nicht reichen. „Wir brauchen ja auch Fachpersonal, um sie zu betreuen, aber das fehlt.“

Kitas werben mit Keksen, Beuteln und Pralinen

Der Fachkräftemangel beschäftigt zurzeit viele. Mehr als 50 Kita-Träger haben sich am Sonnabend bei der Jobmesse im Flughafen Tempelhof vorgestellt. Auch Schulen oder Jugendämter waren auf der Suche nach Lehrern und Sozialarbeitern an den insgesamt 145 Ständen vertreten. Laut der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Soziales ist der Berlin-Tag damit die größte Job- und Informationsmesse im Bildungsbereich.

Der Andrang war groß, die Gänge waren voll. Mit rund 5000 Besuchern gab es einen neuen Besucher-Rekord. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD), die sich am Vormittag ebenfalls unter die Besucher mischte, zog ein entsprechend positives Fazit. Das große und wachsende Interesse am Berlin-Tag zeige, dass es attraktiv sei, in Berlins Schulen, Kitas und Jugendämtern zu arbeiten, erklärte Scheeres in einer Mitteilung.

Dennoch: Zurzeit fehlen in Berlin Tausende Lehrer und Erzieher. Um Fachkräfte zu gewinnen, haben sich daher viele Aussteller etwas überlegt, um aufzufallen – von selbst gebackenen Keksen bis zu Turnbeuteln. Aytac Imrol, stellvertretender Geschäftsführer vom Kita-Träger „eventus Bildung“, steht mit einem Tablett voller hausgemachter Pralinen im Gang – ein Verweis darauf, dass in allen Kitas täglich frisch gekocht wird, wie Imrol berichtet. „Wir öffnen demnächst sieben neue Kitas“, sagt er. „Dafür suchen wir nun Erzieher.“

Mit einem Lebenslauf ausgerüstet auf Schulsuche

Einen Gang weiter stehen zahlreiche Vertreter von Schulen bereit, aus allen Berliner Bezirken sind welche dabei. Die Stände der Sekundarschulen und Gymnasien wollen Rebecca Abraham, Zuhal Bütcü und Kerstin Brannath gerade ansteuern. Die drei jungen Frauen wären als ausgebildete Pädagogen wohl für viele Einrichtungen ein Glücksfall: Sie sind kurz vor dem Ende ihres Referendariats und suchen nun eine Schule, an der sie als Lehrerinnen anfangen können.

„Das Profil der Schule muss zu unserer Vorstellung passen“, erklärt die 24-Jährige Abraham. In ihrem Fall würde etwa eine Schule mit einem Schwerpunkt auf Sprachen passen. Bütcü nickt und ergänzt: „Das Problem ist, dass man oft fachfremd unterrichten muss. Es wäre aber natürlich super, wenn wir das unterrichten können, was wir auch studiert haben.“

Von dem Berlin-Tag erhoffen sie sich vor allem individuelle Gespräche, um einen persönlichen Eindruck zu gewinnen. „Im Normalfall bewirbt man sich aufgrund der Informationen auf der Website“, sagt Abraham. „Hier kann man direkt Fragen an die Schulen stellen, das ist schon nicht schlecht.“ Und für den Fall, dass eine Schule sie überzeugt, hat die Referendarin auch direkt einen Lebenslauf dabei.

Syrer hofft auf Job als Sportlehrer

Auch der Syrer Ahmad hofft auf eine Chance. Am Freitag habe er bei einem Beratungsgespräch vom Berlin-Tag erfahren, erzählt der 32-Jährige, der in Syrien eine Ausbildung zum Assistenzlehrer absolviert und ein Studium als Sportlehrer begonnen hatte. In Berlin arbeitet er nun als Volleyballtrainer, würde aber gerne an eine Schule wechseln und nebenbei weiter studieren. „Ich wollte es hier einfach mal versuchen“, sagt er.

Auf der Suche nach neuen Mitarbeitern sind auch die Berliner Jugendämter, die Situation in vielen Ämtern, vor allem den Regionalen Sozialen Diensten ist weiterhin angespannt. „Viele junge Frauen sind bei uns in Elternzeit, viele Ältere gehen in Pension. Und wir finden nicht genügend Leute, die nachrücken“, sagt Silke Mahlendorf vom Jugendamt Friedrichshain-Kreuzberg. Beim Berlin-Tag hätte sie bereits viele Gespräche mit Besuchern geführt, die sich für das duale Studium in Sozialer Arbeit interessieren, das seit dem vergangenen Jahr angeboten wird.

Quereinsteiger interessieren sich fürs Jugendamt

Dabei haben die Studenten an zwei Tagen pro Woche Unterricht, an drei Tagen sind sie im Jugendamt. Nach ihrem Abschluss verpflichten sie sich zudem, für drei Jahre in dem Jugendamt zu arbeiten. Auch für dieses Jahr würden sie wieder ein bis zwei Stellen dafür ausschreiben, sagt Mahlendorf. „Das zweite große Thema ist der Quereinstieg.“ Auch hier gebe es einige Besucher, die aus einem anderen Fachbereich kommen, aber sich nun einen Job im Jugendamt vorstellen können.

Mahlendorf und ihre Kolleginnen sind über jedes Interesse froh. „Die RSD-Arbeit kann nicht jeder“, sagt sie. Stellen seien bei ihnen ständig ausgeschrieben.