Gewürgt und geschlagen

Zahl der Fälle für Gewaltschutzambulanz vervierfacht

Die Einrichtung der Berliner Charité registriert seit 2014 einen deutlichen Anstieg der Fälle. Drei Viertel der Opfer waren Frauen.

Die Rechtsmediziner Michael Tsokos und Saskia Etzold vor dem Eingang der dem Institut für Rechtsmedizin der Charité angegliederten Gewaltschutzambulanz in der Birkenstraße in Moabit.

Die Rechtsmediziner Michael Tsokos und Saskia Etzold vor dem Eingang der dem Institut für Rechtsmedizin der Charité angegliederten Gewaltschutzambulanz in der Birkenstraße in Moabit.

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Berlin.  Gewürgt, geschlagen, getreten: Seit der Eröffnung der Berliner Gewaltschutzambulanz vor fünf Jahren haben rund 4700 Menschen dort Hilfe gesucht. Rund 2500 von ihnen hatten nach Gewalterfahrungen sichtbare Verletzungen.

Bei fast der Hälfte der Fälle gehörten Partner oder Ex-Partner zu den Tätern, bei einem knappen Drittel (31 Prozent) kannten sich Täter und Opfer. Drei Viertel der erwachsenen Gewaltopfer waren Frauen, ein Fünftel aller Betroffenen Kinder. Bei der Hälfte der Kinder (51 Prozent) bestätigte sich der Verdacht auf eine Gewalttat. Die Zahl der untersuchten Taten in der Ambulanz pro Jahr hat sich seit 2014 mehr als vervierfacht. 2014 wurden 307 Fälle registriert. 2018 waren es 1381 und damit im Schnitt mehr als 100 Fälle pro Monat, wie die Senatsverwaltung für Justiz am Freitag mitteilte.

Die Gewaltschutzambulanz gehört zur Berliner Charité. Opfer können ihre Verletzungen dort von Gerichtsmedizinern vertraulich und kostenlos dokumentieren lassen. Sie müssen nicht sofort entscheiden, ob sie Anzeige erstatten. Die Dokumentation zählt aber bei einer Verhandlung vor Gericht. Gefördert wird die Ambulanz derzeit mit einer Million Euro pro Jahr aus dem Haushalt des Justizsenats.