Justizvollzugsanstalten

Gefängnisse stocken Personal auf - viele sind Quereinsteiger

300 Beamte befinden sich derzeit in der Ausbildung. 15 fangen am Montag ihren Dienst an. Fast alle sind Quereinsteiger.

Justizbeamte Thomas Fronicke (links) und Christian Nemec.

Justizbeamte Thomas Fronicke (links) und Christian Nemec.

Foto: Reto Klar

Berlin.  Wenn am Montag in den Berliner Justizvollzugsanstalten (JVA) 15 neue Beamte ihren Dienst beginnen, gehören auch Thomas Fronicke und Christian Nemec dazu. Die beiden arbeiten dann in der JVA Tegel. Am Donnerstag bekamen sie ihre Zeugnisse.

Thomas Fronicke (38) und Christian Nemec (39) sind wie wie viele andere auch Quereinsteiger. Fronicke war 15 Jahre bei der Bundeswehr und nahm an Auslandeinsätzen in Afghanistan und im Kosovo teil. Nemec war Polizist in Niedersachsen und zog aus privaten Gründen nach Berlin. Ein Wechsel von der einen Polizeibehörde zur anderen klappte nicht, weil er keinen Tauschpartner fand.

Beide absolvierten eine zweijährige Ausbildung und sind nun Beamte auf Probe. Neben zahlreichen Praktika gehörte viel Theorie zur Ausbildung. Sie wurden geprüft in Recht, Sozialwissenschaften, Kriminologie und Fragen zum Allgemeinen Vollzugsdienst (AVD).

Ehrliche und direkte Ansprachen

Nemec und Fronicke freuen sich auf ihre neue Aufgabe, die beide auch als „Dienst an der Gesellschaft“ begreifen. Denn in Gefängnissen geht es auch um Resozialisierung. „Jeder, der nicht mehr straffällig wird, ist ein Gewinn“, sagt Fronicke. Der durchtrainierte Ex-Soldat hat keine Angst. „Klare, ehrliche und direkte Ansprachen sind wichtig“, erklärt Fronicke. „Die Gefangenen sind für uns in erster Linie Menschen, die aus mehr als ihren Taten bestehen“, sagt Nemec.

In den Berliner Gefängnissen fehlt allerdings Personal. In der JVA Tegel sind einzelne Beamte an manchen Tagen für zwei Stationen und damit etwa 60 Häftlinge zuständig. Die Gewerkschaften kritisieren die Personalnot schon lange. Die dünne Personaldecke war auch ein Grund, dass im Februar vergangenen Jahres Hamed M. aus der JVA Tegel fliehen konnte. Auch da war eine Beamtin für zwei Stationen zuständig. So fiel zunächst nicht auf, dass in der Zelle von Hamed M. niemand war.

Sieben neue Ausbildungslehrgänge starten

In der Justizverwaltung kennt man das Problem. Derzeit befinden sich rund 300 Teilnehmende in 13 Ausbildungslehrgängen. Darüber hinaus starten in diesem Jahr sieben neue Ausbildungslehrgänge. Verstärkt will die Behörde auf speziellen Messen auch auf ehemalige Bundeswehrsoldaten zugehen, wie es bei Thomas Fronicke der Fall war.

„Die Berliner Justizvollzugsanstalten sind auf mehr Personal angewiesen“, sagt Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne). Die offenen Stellen sollen nun Stück für Stück besetzt werden, so Behrendt weiter. Etwa 150 Stellen sind im Strafvollzug derzeit nicht besetzt, 60 wurden durch befristete Stellen abgefangen.