Spätere Eröffnung

Erste Erklärungen für Verzögerung am Humboldt Forum

Nun gibt es erste Aussagen, warum sich die Eröffnung der Ausstellung verzögert.

Blick mit der Südfassade des Humboldt Forums

Blick mit der Südfassade des Humboldt Forums

Foto: imago stock / imago/Ulli Winkler

Berlin. Spätestens seit den wiederholten Absagen der Inbetriebnahme des Hauptstadtflughafens BER sind Bauverzögerungen in Berlin eigentlich kein Thema, über das sich noch jemand ernsthaft aufregt. Auch die Nachricht über Terminverzögerungen bei der Eröffnung der Humboldt Forums löste am Mittwoch keine allzu große Verwunderung bei den politisch Verantwortlichen in der Stadt aus. So kann die Berlin-Ausstellung, wie von der Berliner Morgenpost berichtet, im wieder aufgebauten Berliner Schloss nicht wie ursprünglich geplant Ende des Jahres eröffnen. „2019 ist nicht mehr zu halten“, hatte Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) der Zeitung bestätigt. Über die Gründe der Terminverschiebung gibt es allerdings durchaus unterschiedlich Ansichten. So macht die von Lederer geführte Berliner Kulturverwaltung die Bauherren der Stiftung Humboldt Forum für die Verzögerung verantwortlich. Sie habe die für die „Berlin-Ausstellung“ benötigten Flächen in der ersten Etage des Forums nicht rechtzeitig übergeben.

Laut Ebbing fehlten Pläne von den Ausstellungsplanern

Der Berliner FDP-Bundestagsabgeordnete und Mitglied des Stiftungsrats für das Humboldt Forum Hartmut Ebbing zeichnet das ein ganz anderes Bild. „Eigentlich laufen die Arbeiten weitgehend nach Plan. Die Verantwortung für die Verzögerung bei der Berlin-Ausstellung liegt nicht bei den Bauherren“, sagte Ebbing am Mittwoch der Berliner Morgenpost. Es hätten vielmehr die notwendigen Pläne der Ausstellungsmacher gefehlt, die wiederum Voraussetzung dafür seien, die Gebäude entsprechend vorzubereiten.

Dazu gehören etwa konkrete Aussagen, in welchen Farben die Wände zu streichen sind. „Berlin kommt einfach nicht in die Pötte“, kritisierte Ebbing den Senat.

Berlins Kulturstaatssekretär Torsten Wöhlert hatte in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen mitgeteilt, dass die für die Berlin-Ausstellung reservierten Flächen nicht wie vorgesehen im September 2018 übergeben wurden. Auch der Ersatztermin 1. Februar sei verstrichen, hieß es in der Stellungnahme weiter.

Kostenrahmen von 595 Millionen Euro wird nicht überschritten

In der Stiftung für das Humboldt Forum ist man bemüht, die Angelegenheit als undramatisch darzustellen. Die Berliner Flächen sollen am 4. März freigegeben, sagte der Sprecher Wolter. Als wesentlichen Grund für die Verzögerung nannte er einen Materialfehler bei der Oberflächenbeschichtung des Hohlraumbodens. Dieser sei inzwischen behoben. Mehrkosten seien in Bezug auf das Gesamtbudget nicht entstanden. Die Stiftung geht weiter davon aus, dass es bei den Gesamtkosten von 595 Millionen Euro für das Gebäude bleiben werde. Den Löwenanteil bezahlt der Bund, Berlin ist mit 32 Millionen Euro beteiligt. Für die an drei Seiten angebrachte Barock-Fassade wird mit 80 Millionen Euro aus Spenden gerechnet. Die Terminschwierigkeiten seien eher durch den Mangel an Bauarbeitern verursacht, weil die Firmen wegen der hervorragenden Baukonjunktur nicht genügend Leute schicken könnten. Alle vorsorglich eingeplanten Terminpuffer im Projekt seien vollständig in Anspruch genommen, heißt es im Januar 2019 erstellten Bericht des Bundesministeriums für Finanzen an den Haushaltausschuss des Bundestages, der der Berliner Morgenpost vorliegt.

„Wirksame Gegenmaßnahmen“

Durch „wirksame Gegenmaßnahmen“ vonseiten der Stiftung und des Bundesamtes für Bauwesens und Raumordnung konnten die „erheblichen Belastungen innerhalb des Termin- und Kostenplans kompensiert werden“. Soll heißen: Der Kostenrahmen von 595 Millionen Euro wird nicht gesprengt, der Eröffnungstermin Ende 2019 kann gehalten werden.

Allerdings hatte der Stiftungsrat angesichts der vielen Fertigstellungsverzögerungen bereits im November 2018 beschlossen, dass das gesamte Haus „in Etappen“ und von unten nach oben eröffnet wird.

Den Anfang macht dabei das Erdgeschoss, das für Sonderausstellungen, Veranstaltungen, Gastronomie und den Museumsshop reserviert ist. Erst danach, also im Jahr 2020, folgt dann die „Berlin-Etage“ im ersten Obergeschoss. Danach die Westspange der Ausstellung der Staatlichen Museen und zum Schluss die Ostspange der Museumslandschaft im zweiten und dritten Obergeschoss. Die Rede ist von einer „Eröffnungschoreographie“, die über das gesamte Jahr 2020 gehen soll.

Begegnungsort der Weltkulturen geplant

2007 hatte der Deutsche Bundestag nach langen Diskussionen den Wiedererrichtung des nach Ende des Zweiten Weltkrieges auf Veranlassung der DDR-Oberen gesprengten Berliner Schlosses und den Bau des Humboldt Forums beschlossen. Das knapp 600 Millionen Euro teure Gebäudeensemble, das an drei Seiten die historische Schlossfassade erhält, soll als interdisziplinäres Kulturhaus ähnlich dem Pariser „Centre Pompidou“ zu einem Kulturzentrum und Begegnungsort der Weltkulturen werden. Den größten Raum werden dabei die Sammlungspräsentationen des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst erhalten. Insgesamt 17.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche sind für beide Sammlungen im zweiten und dritten Obergeschoss des Humboldt Forums reserviert. Im ersten Obergeschoss sollen die Berlin-Ausstellung und das HuB, ein von der Humboldt-Universität gestaltete Ort des Wissens, der Wisschenschaft und Forschung, einziehen. Für beiden stehen insgesamt 5000 Quadratmeter Ausstellungsfläche zur Verfügung. Im Erd- und im Untergeschoss soll zudem auf 1500 Quadratmetern Fläche die Spuren der 700-jährigen „Geschichte des Ortes“ sichtbar gemacht werden.