Kriminalität

Polizei warnt vor Einbrüchen

Die Wohnungseinbrüche werden weniger. Trotzdem setzt die Polizei weiter auf Präventionseinsätze - wie Mittwoch am Theodor-Heuss-Platz.

Die Polizei warnt Anwohner in Charlottenburg vor Einbrüchen

Die Polizei warnt Anwohner in Charlottenburg vor Einbrüchen

Foto: Yannick Höppner

Berlin.  Wohnraumeinbrüche sind in Berlin rückläufig. Das haben Polizeipräsidentin Barbara Slowik und Innensenator Andreas Geisel (SPD) am Mittwoch bei der Vorstellung der Kriminalstatistik 2018 bekanntgegeben. Trotzdem geht die Polizei bei der Einbruchsprävention weiter in die Offensive. Kurz nach Ende der Pressekonferenz von Slowik und Geisel postierten sich 28 Studenten der Polizeiakademie gemeinsam mit Beamten des Polizeiabschnitts 22 und der Leiterin des Bereichs „Technische Sicherung“, Denise Krüger, am Theodor-Heuss-Platz in Charlottenburg.

Mit dem Slogan „Sicherheit mit einem Griff“ warnten die Nachwuchspolizisten Bürger davor, Fenster, Türen oder Garagentore offen oder angekippt zu lassen, wenn sie das Haus verlassen. Das gilt insbesondere auch für Kellerräume. Denn anders als beim Wohnraum haben die Einbrüche hier im vergangenen Jahr zugenommen. 1630 Kellereinbrüche verzeichnete die Polizei im abgelaufenen Kalenderjahr. Das sind 11,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Wohnraumeinbrüche gingen zeitgleich um 11,7 Prozent zurück, auf stadtweit 1006 Fälle.

Es geht nicht um das Geld - sondern um die Angst

Dabei bleibe es, so erklärte es die Polizei am Theodor-Heuss-Platz, bei der Hälfte aller Taten lediglich beim versuchten Einbruch. Nach drei bis fünf Minuten gäben viele Täter den Einbruchsversuch auf, erklärte ein Polizeistudent dort einer Dame. Es gehe vielmehr um die Angst, als um das Geld, entgegnete Helga Müller dem jungen Polizeianwärter. Drei Mal sei bei ihr bereits eingebrochen worden. Lange habe die 80-Jährige und langjährige Morgenpost-Abonnentin in der Soorstraße im Hochparterre gelebt. Mal hätten Einbrecher versucht, über einen Blumenkasten im Hof in die Wohnung einzusteigen, ein anderes Mal hätte ein Täter das Gartenhaus aufgebrochen.

Und dann sei da noch das Mal gewesen, als Einbrecher sie und ihren Mann eingeschlossen hätten: „Ich habe Angst gehabt“, erinnerte sich Müller. Mit der Zeit sei diese zu groß geworden und sie in den dritten Stock gezogen. Ihre Haustür sichere sie seither mit drei Schlössern. „Ich konnte keine Nacht mehr richtig schlafen“, sagte sie am Mittwoch rückblickend.

Sicherheit ist eine Sache des Gefühls

„Sicherheit ist relativ“, meinte die Technik-Expertin der Polizei angesprochen auf den Fall der Rentnerin. Die Fachbereichsleiterin wüsste kein Schloss, das nicht mit entsprechendem Werkzeug und genügend Zeit zu knacken sei. Vielmehr gehe es bei Sicherheitsanlagen darum, „Täter so lange wie möglich draußen zu halten“, so Krüger. Und um das Gefühl. „Sicher ist man, wenn man ein gutes Bauchgefühl hat“, sagte Krüger. Geht es danach, hat Helga Müller jahrelang in Unsicherheit gelebt.

Polizeistudenten für falsche Beamte gehalten

Damit anderen Bürgern diese Erlebnisse erspart bleiben, zogen die Polizeistudenten am Mittwoch gut eine Stunde lang durch die Anrainerstraßen des Theodor-Heuss-Platzes. Dabei entdeckten sie zehn Immobilien, in die Einbrecher ohne große Mühe durch unverschlossene Fenster hätten einsteigen können. An den Wohnungstüren gaben sich manche der Anwohner dann aber vor allem der Polizei gegenüber skeptisch.

Ob die Nachwuchspolizisten, in zivil gekleidet und nur anhand einer übergezogenen gelben Polizeiweste als solche erkennbar, denn überhaupt echte Polizisten seien, wollten einige wissen. Zumindest in diesem Bereich sei die Bevölkerung scheinbar genügend sensibilisiert, scherzte einer der Studenten anschließend. Unverständnis ernteten sie für ihre Aktion aber nicht. Im Gegenteil. Dass die Zahl der Wohnraumeinbrüche geringer geworden ist, ist auch den anhaltenden Bemühungen der Polizei zu verdanken.

Besser neu statt umgerüstet

Darüber hinaus gilt: Alles verriegeln, bis der Bauch schließlich Ruhe gibt. Dabei helfen können DIN-geprüfte Fenster- und Türelemente. Diese sollten mindestens die Widerstandsklasse „RC 2“ haben. Die Polizei rät zudem zu neuen Schließelementen, statt alte nachzurüsten. „Wenn etwas nachträglich besser gemacht wird, wird es nie so gut sein wie ein neues DIN-geprüftes Fenster“, so Krüger. Von einer Selbstmontage rät die Polizei in jedem Fall ab.