Einsatzzahlen

Polizei braucht immer länger zum Einsatzort

Die Berliner Polizei und die Feuerwehr brauchen immer länger bis sie am Einsatzort sind. Das belegen Zahlen der Innenverwaltung.

DIe Polizei braucht immer länger zum Einsatzort.

DIe Polizei braucht immer länger zum Einsatzort.

Foto: imago/Ralph Peters

Wer in Berlin den Notruf wählt, muss im Durchschnitt immer länger auf die Polizei oder die Feuerwehr warten. Das geht aus einer Antwort der Berliner Innenverwaltung auf eine Kleine Anfrage des innenpolitischen Sprechers der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Marcel Lu­the, hervor. Demnach vergingen im vergangenen Jahr im Schnitt 14:37 Minuten zwischen dem ersten Kontakt in der Notruf-Hotline 110 und der Alarmierung von Polizeibeamten. Dann vergingen im Schnitt noch einmal 8:23 Minuten zwischen Alarmierung und Eintreffen am Einsatzort. Zum Vergleich: Im Jahr 2014 betrugen die Werte noch 12:05 Minuten und 07:52 Minuten.

Da es sich um Mittelwerte handelt, gibt es niedrigere, aber auch höhere Werte. Wobei die Innenverwaltung darauf hinweist, dass in die Statistik auch nicht eilbedürftige Einsätze einfließen und diese auch den Großteil ausmachen würden. Das heißt: Zu einem Gewaltverbrechen rückt die Polizei wesentlich schneller aus als zu einem kleinen Verkehrsunfall oder einer Ruhestörung.

Trotzdem rufen die gestiegenen Zeiten Kritiker wie Innenexperte Luthe auf den Plan. Luthe sagte der Berliner Morgenpost: „Der Senat vernachlässigt die Kernaufgabe des Staates: die Sicherheit.“ Die kontinuierlich steigenden Wartezeiten würden einmal mehr die Überlastung von Feuerwehr und Polizei wegen unzureichender materieller und personeller Ausstattung belegen. „Hier muss sofort umgesteuert werden“, forderte Luthe.

Wachsende Stadt bedeutet auch zunehmende Wegezeiten

Im Gegensatz zur Polizei stiegen die Werte bei der Feuerwehr von 2014 bis zum Jahr 2017 nur leicht. Daten für das Jahr 2018 befinden sich noch in der Auswertung. So dauerte es 2017 im Schnitt 2:47 Minuten zwischen Rufannahme und Alarmierung und 7:55 Minuten zwischen Alarmierung und Eintreffen am Einsatzort. Zum Vergleich: 2014 waren es 2:33 Minuten und 7:17 Minuten.

Bei der Gewerkschaft der Polizei mahnt man aber zu einem differenzierten Umgang mit den Zahlen. Zwar seien die wachsenden Eintreffzeiten besorgniserregend, dennoch müsse jedem klar sein, dass eine wachsende Stadt mit wachsendem Verkehr auch längere Wegzeiten bedeuteten. „Zumal die Zahl der vorhandenen Funkwagen nicht mitgewachsen ist“, sagte Norbert Cioma, der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), auf Nachfrage.

Mit Blick auf den Fall Fabien, die bei einem Unfall mit einem Polizeifahrzeug ums Leben kam, sagte Cioma, dass man derzeit zu Recht auch öffentlich darüber diskutiere, dass sich Polizisten auch während einer Einsatzfahrt rücksichtsvoll und ohne Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer verhalten müssten. „Gleichzeitig zu erwarten, dass sie binnen Bruchteilen am Ort des Geschehens sind, ist dann aber etwas anmaßend“, so Cioma weiter.