Car-Sharing-Anbieter

Car-Sharing-Dienst Oply startet in Berlin

Ab Mittwoch gibt es in Berlin einen weiteren Car-Sharing-Anbieter: Oply startet mit 200 Autos. Wie die Firma Kunden überzeugen will.

Oply-Chefin Katharina Wagner vor dem Hauptquartier des Car-Sharing-Anbieters im Haus des Lehrers am Berliner Alexanderplatz.

Oply-Chefin Katharina Wagner vor dem Hauptquartier des Car-Sharing-Anbieters im Haus des Lehrers am Berliner Alexanderplatz.

Foto: Reto Klar

Berlin. Ein neuer Car-Sharing-Anbieter nimmt ab Mittwoch in der deutschen Hauptstadt Fahrt auf: Das luxemburgische Unternehmen Oply startet mit 200 Autos im Berliner Stadtgebiet.

Oply will in dem umkämpften Markt mit neuem Konzept punkten: Die Fahrzeuge des Car-Sharing-Anbieters sind in sogenannten Nachbarschaften zu Hause und müssen dort nach Ende der Mietzeit auch wieder abgestellt werden. 54 dieser Nachbarschaften, die zwischen drei und fünf Quadratkilometer groß sind, soll es zunächst in Berlin geben. „Oply ist der Nachbar auf Rädern“, sagt die Geschäftsführerin des Unternehmens, Katharina Wagner.

Der Oply-Fuhpark umfasst vier Modelle: vom Sportwagen (Mazda MX5), dem Stadtflitzer (Ford Fiesta), über den Familienwagen (Ford Focus) bis zum Transporter (Renault Trafic). Die Buchung funktioniert über eine Smartphone-App. Das Auto muss für mindestens eine Stunde gemietet werden. Die maximale Mietdauer beträgt 27 Tage.

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Autos können stunden- oder tageweise gemietet werden

Die Preise liegen zwischen 6 und 9 Euro pro Stunde. Zwischen 45 und 75 Euro kostet der Tagesausflug mit einem der Oply-Fahrzeuge. 150 Kilometer sind inklusive, jeder weitere kostet 19 Cent. Auch Fahranfänger ab 18 Jahren dürfen das Mietsystem anders als bei anderen Diensten nutzen. Das gilt allerdings nicht für Transporter und Sportwagen.

Berlin ist erst der dritte Markt für das noch junge Unternehmen: Im März des vergangenen Jahres startet Oply in München, danach folgte Hamburg. Nutzerzahlen veröffentlicht die Firma nicht. Die Erwartungen der Gesellschafter seien jedoch übertroffen worden, so Chefin Wagner. Rückenwind gab zuletzt auch eine Umfrage unter der Oply-Kundschaft. 85 Prozent der Nutzer sagten demnach, dass Oply problemlos das eigene Auto ersetzen könne.

In Berlin stellt das Unternehmen seine Autos verstärkt jenseits der Innenstadt ab. Vor allem zu den Branchen-Größen Drive Now und Car2go, die erst in der vergangenen Woche zu FreeNow fusionierten, will Oply mit dem Konzept eine Alternative sein. FreeNow, das Joint Venture von BMW und Daimler, setzt auf das sogenannte Freefloating-Konzept, bei dem Autos überall in der Stadt stehen und frei gemietet werden können. Oply hingegen hat feste Abstell-Gebiete.

Ergänzung zu den bisherigen Anbietern

Experten geben dem neue Car-Sharing-Anbieter in Berlin gute Chancen. Oply sei eine sinnvolle Ergänzung zu dem bestehenden Angebot, sagt etwa der Branchenkenner Daniel Bartel. „Das Einzugsgebiet ist wesentlich größer als bei normalem Car-Sharing“, so Bartel. Auch Einwohner der angrenzenden Landkreise könnten etwa die Oply-Fahrzeuge nutzen, um dann weiter ins Berliner Stadtgebiet zu fahren. Generell könne die Berliner Car-Sharing-Landschaft noch einen weiteren Anbieter vertragen.

Nach Angaben der Senatsverwaltung für Verkehr tummeln sich inklusive Oply derzeit zehn Car-Sharing-Unternehmen in der Stadt. Nahezu 4000 Fahrzeuge gibt es. Im April soll mit We Share zudem ein weiterer Anbieter starten. Die Volkswagen-Tochter wird gut 1500 weitere Autos nach Berlin bringen. Die deutsche Hauptstadt ist angesichts ihres rasanten Einwohner-Wachstums ein spannendes Testfeld für die Mobilitäts-Unternehmen.

Anders als etwa in der bayerischen Landeshaupstadt München werden die Anbieter jedoch nicht von der öffentlichen Hand unterstützt. DriveNow und Car2go, die bisherigen Marken von BMW und Daimler, müssen deswegen im öffentlichen Parkraum der deutschen Hauptstadt auch die vollen Gebühren zahlen. München hingegen hatte einen Schritt auf die Anbieter zugemacht, nimmt jetzt Pauschalbeträge für das Parken von bis zu 1800 Euro pro Jahr und Auto.

Senat unterstütz Car-Sharing nicht

Dass Car-Sharing-Unternehmen die vollen Parkgebühren in Berlin zahlen müssen, habe auch Oply davon abgehalten, Fahrzeuge in den innerstädtischen Bezirken abzustellen, erklärt Katharina Wagner. „Wir suchen das Gespräch mit Senat und Bezirken“, sagt die Geschäftsführerin. Perspektivisch hofft Wagner auf ein Entgegenkommen bei den Parkgebühren. „Es wäre ein hohe Hürde, wenn Berlin sagt, wir unterstützen das Modell nicht“, so die Oply-Chefin, die zuvor auch schon für Car2go tätig war. Katharina Wagner führt derzeit aber auch Gespräche mit Unternehmen, die dem Car-Sharing-Anbieter möglicherweise Parkflächen im innerstädtischen Stadtgebiet zur Verfügung stellen könnten.

Der Senat plant ohnehin derzeit keine Veränderungen im Umgang mit den Car-Sharing-Anbietern. „Eine finanzielle Unterstützung gibt es nicht und dies ist auch nicht geplant“, teilte eine Sprecherin der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz auf Anfrage der Berliner Morgenpost mit. Gleichwohl sei Car-Sharing ein wichtiger Bestandteil des Mobilitäts-Mixes in Berlin. „Car-Sharing kann Fahrten mit dem eigenen Auto verringern oder dazu führen, dass ein eigenes Auto überflüssig wird“, so die Sprecherin.

Regelmäßig führe die Senatsverwaltung deswegen auch Gespräche mit den unterschiedlichen Anbietern. Dabei gehe es einerseits um den Ausbau der Flotten in den Außenbezirken. Andererseits habe sich Berlin zum Ziel gesetzt, den Anteil der elektrisch betriebenen Car-Sharing-Fahrzeuge zu erhöhen. Erste Anbieter gehen darauf bereits ein: Die Volkswagen-Tochter We Share will im April mit einer ausschließlich elektrisch betriebenen Flotte starten.

Branche deutschlandweit auf Wachstumskurs

Auch bei Oply wäre perspektivisch der Einsatz von Elektrofahrzeugen denkbar. Möglich macht das die Partnerschaft mit dem chinesische Automobilkonzern SAIC. Die Asiaten, die in Oply auch investiert sind, zählen zu den zehn größten Auto-Herstellern auf der Welt. Auch E-Autos haben die Chinesen im Portfolio.

Die Investoren hinter Oply werden allerdings weiter viel Geduld beweisen müssen. Deutschlandweit wird Car-Sharing zwar immer beliebter. Nach Angaben des Bundesverbands Car-Sharing waren im Januar insgesamt 2,46 Millionen Nutzer-Konten bei den Unternehmen registriert – rund 350.000 mehr als im Vorjahreszeitraum. Doch profitabel sind viele Anbieter nicht. „Für Car-Sharing-Unternehmen ist das jetzige Engagement eine Wette auf die Zukunft“, sagt Experte Daniel Bartel. Unternehmen würden sich jetzt positionieren und darauf hoffen, dass der Besitz eines eigenen Autos für folgende Generationen weiter an Stellenwert verliert. Auch die digitale Technologie mache es möglich, jetzt neue Geschäftsmodelle aufzubauen.

Oply hat im Haus des Lehrers am Berliner Alexanderplatz seine Deutschland-Zentrale bezogen. Etwa zwei Dutzend Mitarbeiter kümmern sich hier um den Aufbau des Unternehmens, zusätzlich gibt es eine Handvoll Mitarbeiter in Luxemburg. Die Kostenstruktur sei „sehr schlank aufgestellt“, sagt Oply-Chefin Wagner. Auch bei Reinigung und Wartung der Fahrzeuge setzt das Unternehmen nicht auf eigenen Mitarbeiter. In Berlin arbeitet Oply dafür mit einem Dienstleister zusammen.

Ergänzung:

In der Grafik zu den größten Car-Sharing-Unternehmen in Berlin fehlt der Anbieter Drivy. Nach eigenen Angaben agiert der Dienst in Berlin mit rund 500 Fahrzeugen.