TRAUER

Abschied von Jörg Schönbohm: Trauer um „einen der Besten“

Er war General und Innenpolitiker: Am Freitag wurde Jörg Schönbohm im Berliner Dom verabschiedet.

Der Sarg des verstorbenen früheren Innensenators von Berlin, Jörg Schönbohm, wird nach dem Trauergottesdienst aus dem Berliner Dom getragen.

Der Sarg des verstorbenen früheren Innensenators von Berlin, Jörg Schönbohm, wird nach dem Trauergottesdienst aus dem Berliner Dom getragen.

Foto: Michael Kappeler/DPA / dpa

Es hätte ihm gefallen: Mit einem bewegenden Trauergottesdienst im Berliner Dom, in Anwesenheit seiner Familie und rund 650 Freunden und Weggefährten aus Bundeswehr und Politik und mit einem großen militärischen Ehrengeleit ist Jörg Schönbohm, der ehemalige General und ehemalige Innensenator von Berlin und Innenminister von Brandenburg, verabschiedet worden. Schönbohm war am 7. Februar im Alter von 81 Jahren in seinem Zuhause in Kleinmachnow verstorben.

„Brandenburg trauert um einen seiner besten Männer“, sagte der brandenburgische Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) in seiner emotionalen und persönlichen Rede. „Der Verlust schmerzt uns sehr und macht uns tief traurig.“ In Kleinmachnow habe Schönbohm, der 1937 in Brandenburg geboren worden war, nach dem Fall der Mauer wieder seine Heimat gefunden. „Kleinmachnow wurde zum Lebensmittelpunkt der ganzen Familie.“ Woidke und auch die anderen Trauerredner wie Altbischof Wolfgang Huber und Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble würdigten die Lebensleistung von Schönbohm, der zunächst Karriere in der Bundeswehr gemacht hatte, dann als erster Soldat zu einem Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium wurde - und schließlich, 1996, in die Politik ging.

Erst war Schönbohm drei Jahre lang Innensenator in Berlin in der großen Koalition unter dem Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU), dann wechselte er nach Brandenburg, einte die zerstrittene CDU und führte sie in die Regierung unter Ministerpräsident Manfred Stolpe und später unter Matthias Platzeck (beide SPD). Zehn Jahre lang gestaltete Schönbohm als Innenminister und Vize-Ministerpräsident das Land mit.

Eine große Leistung nach dem Fall der Mauer

Als Bundeswehr-General löste Schönbohm nach 1989 die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR auf und integrierte sie in die Bundeswehr. Eine Leistung, die alle Redner am Freitagvormittag besonders hervorhoben. „Die Bundeswehr, das ist der Bereich, wo die deutsche Einheit am besten geklappt hat“, sagte Woidke. Schönbohm habe damals gesagt: „Es kommen keine Sieger zu den Besiegten, sondern Deutsche kommen zu Deutschen.“ Dieses Credo habe sich gepaart „mit Fleiß, Gradlinigkeit und Liebe zur Heimat“.

„Mit ihm verliert unser Land einen Staatsdiener von preußischer Statur, einen waschechten Brandenburger, einen Mann mit Haltung und festen Überzeugungen, einen Konservativen im besten bürgerlichen Sinne“, sagte Bundestagspräsident Schäuble. Schönbohms Kindheit sei vom Zweiten Weltkrieg geprägt gewesen, diese Zeit habe er nie vergessen. Schönbohm habe „sein ganzes Leben der äußeren und inneren Sicherheit gewidmet“. Und, so Schäuble, Schönbohm sei stets überzeugt gewesen, dass die Demokratie wehrhaft sein muss.

Schäuble erinnerte aber auch an den Humor und die Schlagfertigkeit des Verstorbenen, an seinen Widerspruchsgeist und Führungsstärke. „Nichts verachtete er mehr als Beliebigkeit“, sagte Schäuble. Und: „Ein Parteisoldat ist er nie geworden. Seine Unabhängigkeit war ihm wichtig.“

Glaube, Liebe, Hoffnung - und Geradlinigkeit

Auch Altbischof Huber, der im Gottesdienst die Trauerrede hielt, würdigte die Leistungen und die Geradlinigkeit des Verstorbenen. Und er erinnerte an die Werte, die Schönbohm immer wichtig waren - der Glaube, die Liebe, die Hoffnung. Und er erinnerte an das große Lebensglück Schönbohms - an seine Frau Eveline, von ihm immer „Evi“ genannt, die er schon aus dem Sandkasten kannte, denn die beiden Familien waren befreundet. Für einige Jahren verlor man sich nach dem Zweiten Weltkrieg aus den Augen, dann trafen sich Schönbohm und Eveline wieder und heirateten rasch.

Als Soldat musste Schönbohm häufig den Standort wechseln, die Familie - bald mit den drei Kindern Imme, Hendrik und Arne - zog immer mit. Die Liebe hielt, im Jahr 2009 feierten Schönbohms ihre goldene Hochzeit. Im Berliner Dom.

„Hier hat er seinen Frieden mit der Kirche gefunden“, sagte Altbischof Huber in seiner ebenfalls sehr persönlichen und warmherzigen Trauerrede. Altbischof Huber erinnerte auch an den „Widerspruchsgeist“, der Schönbohm so eigen war. So gab es Auseinandersetzungen über die Abschiebung von bosnischen Flüchtlingen. Uneins war man sich auch, als Schönbohm schon Innenminister in Brandenburg war - und Huber vorschlug, eine Härtefallkommission einzurichten, die über die Abschiebung von Asylbewerbern entscheiden sollte. Der CDU-Mann Schönbohm lehnte erst ab, „später gab es sie dann doch“, sagte Huber. „Jörg Schönbohm hat immer aus lauteren Motive gehandelt.“

Sohn würdigt ihn als Ratgeber und Helfer

Für die Familie, auf Wunsch seines Vaters, sprach dann Sohn Hendrik - in einer sehr anrührenden Rede würdigte er den Vater und Ehemann, der „eine liebevolle und glückliche Ehe“ geführt habe, der immer verfügbar gewesen sei, als Ratgeber und Helfer, der allseits interessiert gewesen sei, humorvoll und schlagfertig. „Was hatte er für eine Energie und immer Freude an Neuem“, sagte Hendrik Schönbohm. Kurz vor seinem Tod habe er mit seinem Vater gesprochen, und dieser habe gesagt: „Ich habe ein schönes und erfülltes Leben gehabt.“ Und, so Hendrik Schönbohm: „Er hatte keine Angst vor dem Tod.“

Die Familie hatte sich zum Abschied von Jörg Schönbohm, der zeitlebens ein gläubiger Christ war, einen öffentlichen Trauergottesdienst gewünscht. Viele Weggefährten kamen, aus der Bundeswehr und aus der Politik. Unter den Trauergästen waren CDU-Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer, der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD), der ehemalige Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU), die Berliner CDU-Chefin und Kulturstaatsministerin Monika Grütters, der frühere Berliner Innensenator Frank Henkel (CDU), der ehemalige brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD), der Präsident des Technischen Hilfswerks, Albrecht Broemme.

Nach dem Gottesdienst wurde der Sarg Schönbohms, bedeckt mit der Bundesflagge, mit militärischen Ehren aus dem Dom getragen, am Lustgarten spielte die Bundeswehr auf. Bei der Nationalhymne sagen viele Trauergäste mit, beim Lied vom guten Kameraden flossen Tränen. Viele Passanten verfolgten den Abschied – unter blauem Himmel, bei strahlendem Sonnenschein. „Es hätte Jörg Schönbohm gefallen“, sagte ein Trauergast.