Liebe

Richtig vom Partner trennen: „Da öffnet sich eine Tür“

Jochen Meyer ist Paarberater und Single-Coach. Er sagt: Liebeskummer ist wichtig – um es in einer neuen Beziehung besser zu machen.

Es war einmal: Wenn sich ein Paar trennt, sollte der Trauer um die in die Brüche gegangene Beziehung genug Zeit eingeräumt werden, rät der Paarberater.

Es war einmal: Wenn sich ein Paar trennt, sollte der Trauer um die in die Brüche gegangene Beziehung genug Zeit eingeräumt werden, rät der Paarberater.

Foto: istock / iStockphoto

Irgendwann ist es einfach vorbei. Die große Liebe endet. Jede dritte Ehe wird geschieden, für andere Beziehungen gibt es keine Statistik. Die Trauer um die verlorene Beziehung beherrscht die Zeit nach der Trennung. Wie gehen Getrennte damit um? Und wie geht es danach weiter? Jochen Meyer ist Paarberater und Single-Coach in Berlin. Er unterstützt Frauen und Männer auch dabei, nach dem Ende einer Beziehung den Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben zu finden.

Warum ist es wichtig, um eine zerbrochene Beziehung zu trauern?

Jochen Meyer: In einer stabilen Bindung zu leben, ist ein Grundbedürfnis von Menschen. Wenn eine solche Beziehung zerbricht, ist das immer ein einschneidendes seelisches Erlebnis. Nur wenn wir es schaffen, das konstruktiv zu verarbeiten, können wir einen guten Abschluss finden. Zu trauern ist nur ein Teil dieser Verarbeitung.

Wie sieht diese Trauer aus?

Jeder trauert anders. Mancher trauert um den Partner, mancher um die Beziehung, manchmal ist auch die Trauer darum vorherrschend, wieder Single zu sein. Entscheidend ist, dass man sich für diese Erschütterung Zeit nimmt und die Gefühle zulässt, die dazugehören. Wir Menschen suchen das Glück und vermeiden den Schmerz. Viele gestatten sich deshalb nicht zu trauern. Aber nur wenn man sie zulässt, können die Trauergefühle abnehmen und verschwinden.

Wie viel Zeit darf man sich dafür geben?

Grundsätzlich sagt man: Es dauert ein Jahr, die Trennung zu verarbeiten und die Trauer abzuschließen. Aber das gilt nicht für jeden. Wer schon lange gemerkt hat, dass die Beziehung eigentlich schon gestorben ist, hat die Trauer vorweggenommen und ist über diese Phase schneller hinweg. Das ist natürlich komplett anders, wenn jemand von der Trennung überrascht wird. Der muss den Schock erst einmal verarbeiten. Wer diese Phase abkürzen will, läuft Gefahr, die unverarbeitete Trauer mit in die nächste Beziehung zu nehmen. Heilsamer ist es, sich mehr Zeit zu nehmen.

Wie findet man wieder heraus?

Das sind seelische Verarbeitungsprozesse und die man kann man nicht beschleunigen. Man kann sie zulassen, wenn man sich bewusst erlaubt: Ich darf jetzt traurig sein. Die Seele leistet Schwerstarbeit. Wenn man in einer Trauer richtig tief drin steckt, braucht man Zuwendung für sich selbst, da braucht man Wärme, Liebe. Tagebuch schreiben ist für viele hilfreich in so einer Zeit. Die meisten Menschen brauchen Freunde, die für sie da sind, die ihnen Zuspruch geben, den sie dringend brauchen. Und es ist wichtig, aktiv zu werden, man kann Sport treiben, sich ein neues Hobby suchen. Damit gibt man sich das Signal: Ich bin jetzt solo, ich nehme mein Leben wieder selbst in die Hand. Am Ende geht es darum, dass man mit der letzten Beziehung ins Reine kommt und auch mit dem Partner.

Wann wird der Kummer gefährlich?

Wenn ich merke, ich komme aus der Trauer nicht raus, meine Gedanken drehen sich im Kreis, meine Trauer wird mehr und nicht weniger, dann kann das zerstörerische Folgen haben. Wenn ich die Trennung ausschließlich als etwas erlebe, das nie hätte passieren dürfen, wenn ich meine Wut auf den Ex-Partner nicht loslassen kann, dann verarbeite ich die Trennung destruktiv und nicht konstruktiv. Bei einer gesunden Entwicklung hört das von allein auf. Aber es gibt Leute, die auf dieser Stufe stehen bleiben. Sie geraten dann in die Opferrolle und machen den Ex-Partner zum Täter. Damit sehen sie sich aber nicht als Handelnde, obwohl an einer Trennung immer beide Partner beteiligt sind.

Wie schafft man das, diese Wut auf den Partner zu überwinden?

Es ist wichtig, sich nach der ersten Trauerphase bewusst zu machen, was gut war an der letzten Beziehung. Den Groll hinter sich zu lassen und sich zu sagen: Ich weiß, was ich an meinem Partner hatte. Irgendwann habe ich mich mal für diesen Partner entscheiden. Wenn ich damit gut klar kommen will, ist es wichtig, dass der Ex-Partner in der Erinnerung einen würdevollen Platz bekommt. Man kommt weiter, wenn man sich fragt: Was sind denn meine eigenen Anteile daran, dass wir als Paar gescheitert sind? Wer sich eingesteht, dass er nicht immer nur alles gut gemacht hat, entwickelt eine Reife, die er in die nächste Beziehung mitnimmt.

Sich gleich nach der Trennung in die nächste Beziehung zu stürzen, ist also keine gute Idee?

Es ist wichtig, nach einer Trennung einen Abschluss zu finden. Dazu gehört, der beendeten Beziehung einen Platz in sich selbst geben, einen Platz im Herzen – und dazu gehört, Verantwortung für das Scheitern mit zu übernehmen. Hier hilft die Frage weiter: Wie kann ich dafür sorgen, dass ich mich weiterentwickele und bestimmte Fehler in der nächsten Beziehung nicht mehr mache? An der Art, wie ich mich trenne und die Trennung verarbeite, entscheidet sich, wie meine nächste Beziehung wird. Da öffnet sich eine Tür.

Ob es die erste Liebe ist oder eine lange Beziehung: Eine Trennung tut immer weh. Die Berliner Morgenpost hat einige Tipps zusammengestellt, wie Sie den Liebeskummer überwinden können.

Richtig ausheulen

Hören Sie „Nothing Compares 2 U“ von Sinéad O’Connor in Dauerschleife, schauen Sie sich alle Paarfotos auf dem Handy an, lassen Sie die Tränen laufen. Bis Sie merken: Jetzt reicht es.

Wütend werden

Ist er nicht immer zu spät gekommen? War sie dauernd am Handy? Es gibt bestimmt viele Dinge, die Sie an dem oder der Ex so richtig blöd fanden. Allein sind Sie doch eigentlich viel besser dran!

Etwas kaputtmachen

Auch wenn Sie so richtig sauer sind: Die Autofenster des Ex lassen Sie besser in Ruhe. Die Lieblingstasse, die noch im Schrank steht, können Sie aber gegen die Wand werfen.

Reden, reden, reden

Der beste Freund, die Schwester oder Mama: Sie müssen sich wieder und wieder anhören, wie toll der Freund war oder dass die Ex-Frau eine Ziege ist. Reden hilft, Kummer zu bewältigen.

Telefonnummer löschen

Wenn es gemeinsame Kinder gibt, geht das nicht so leicht. Ansonsten gilt: Rufen Sie nicht an. Schon gar nicht nach ein paar Bier. Am nächsten Morgen ist es Ihnen peinlich.

Bei Facebook entfreunden

So verlockend es erscheint, auf Facebook oder Instagram zu verfolgen, ob sie schon neu verliebt ist oder mit wem er gerade Urlaub macht: So wird das nichts mit dem Neustart.

Weg mit den Erinnerungen

Sein Lieblings-T-Shirt, ihre Liebesbotschaften am Kühlschrank: Packen Sie alles in eine Kiste – wenn Sie über die Trennung hinweg sind, entscheiden Sie, was Sie aufheben wollen.

Schokolade tröstet

Ein Stück Schokolade langsam auf der Zunge zergehen zu lassen – das hat schon als Kind gegen Kummer geholfen. Und wenn ein Stück nicht reicht, hat die Tafel ja noch 23 weitere.

Sport machen

Ob es die Endorphine sind, die beim Sport für Glücksgefühle sorgen, oder eher andere Stoffe, ist wissenschaftlich nicht vollständig geklärt. Fest steht: Wer sich bewegt, fühlt sich besser.

Haare schneiden

Eine neue Frisur kann tatsächlich gegen Liebeskummer helfen – weil sie für Komplimente und neues Selbstvertrauen sorgt. Das gilt übrigens auch für Männer.

Was unternehmen

Verabreden Sie sich mit Freunden, melden Sie sich in einem Chor an, gehen Sie ins Theater – und plötzlich merken Sie: Ich habe den ganzen Abend kein einziges Mal an den oder die Ex gedacht.

Flirten

Experten raten davon ab, sich sofort in eine neue Beziehung zu stürzen. Aber einfach mal rumflirten stärkt das Selbstbewusstsein – und hilft gegen das Gefühl: Mich will sowieso keine(r) mehr.

Hilfe holen

Wenn Sie merken, dass Sie nicht über die Trennung hinwegkommen: Rufen Sie die Telefonseelsorge an, tauschen Sie sich in Onlineforen aus, suchen Sie sich einen Coach oder Therapeuten