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Prozessauftakt

Überfall: Taxifahrer im Koma - Täter legen Geständnisse ab

Seit einem Raubüberfall durch drei junge Berliner liegt ein polnischer Taxifahrer im Koma. Vor Gericht legten sie nun Geständnisse ab.

Prozessauftakt im fall des überfallenen Taxifahrers, der im Koma liegt.

Foto: dpa

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Berlin. Was macht man, wenn man als Berliner ohne Geld auf der Insel Usedom festsitzt und so schnell wie möglich nach Hause will? Vor dieser Frage standen im August vergangenen Jahres Pauline W. (23), Santi S. (21) und Dennis H. (16). Das Trio erwog verschiedene Möglichkeiten und entschied sich dann für die denkbar schlechteste: In ein Taxi steigen und sich auf der Fahrt nach Berlin bei passender Gelegenheit des Fahrers entledigen.

Von Swinemünde im polnischen Teil Usedoms sollte die Rückreise über Stettin nach Berlin gehen. Und das Vorhaben klappte. Unterwegs bedrohten Santi S. und Pauline W. den Taxifahrer Miroslaw W. mit Messern, zwangen ihn zum Aussteigen und fuhren davon. Es müsste vollkommen ausreichen, dem Fahrer die Messer nur zu zeigen, dachten sich die Drei. Dabei blieb es allerdings nicht ganz. Einer der beiden Angeklagten, wer von ihnen wurde zunächst nicht ganz klar, hielt dem 67-Jährigen das Messer so dicht an den Hals, dass dieser sich bei einer erschrockenen Bewegung eine Schnittwunde zuzog.

Opfer immer noch im Koma

Das war für ihn allerdings noch lange nicht das Schlimmste. Hilflos zurückgelassen regte das Erlebte Miroslaw W. so sehr auf, dass er einen Herzinfarkt erlitt. Im Krankenhaus in Stettin versetzten ihn die Ärzte in ein künstliches Koma. Bis heute, mehr als sechs Monate später, ist er nicht wieder daraus erwacht. Sein Schicksal ist weiterhin offen. Die drei Angeklagten setzten ihre Fahrt mit dem erbeuteten Taxi fort und fuhren noch einige Tage mit dem Wagen in Berlin herum, bevor sie Tage später festgenommen wurden. Sie hatten zwar die polnischen gegen deutsche Kennzeichen ausgetauscht, aber eine polnische Plakette weiter verwendet. Das fiel der Polizei auf.

Die älteste der Angeklagten ist mit 23 Jahren Pauline W. Nach ihren eigenen Angaben ging das Geld, das sie durch Gelegenheitsjobs im Sicherheitsgewerbe verdiente, für Alkohol und Drogen drauf. In ihrer Wohnung in Schöneweide beherbergte sie sowohl den 16-jährigen aus desolaten Familienverhältnissen stammenden Dennis H. wie auch den 21-jährigen Santi S. Der war zum Zeitpunkt der Tat Zeitsoldat bei der Bundeswehr, stationiert bei den Panzertruppen in Torgelow (Mecklenburg-Vorpommern).

Von seinem Dienst bei der Bundeswehr erhoffte sich S. eigentlich den Einstieg in ein geordnetes Leben. Anfangs, so schilderte er am Dienstag dem Gericht, ging auch alles gut. Aber nach einem Jahr begannen die Probleme und denen entzog sich S. mehrfach, indem er einfach nicht mehr zum Dienst erschien. Wiederholt waren Feldjäger auf der Suche nach ihm, auch am Tattag hätte er eigentlich in der Kaserne sein müssen. Wie seine Mitangeklagten ist auch S. wegen besonders schweren räuberischen Angriff auf einen Kraftfahrer angeklagt, zudem wirft ihm die Staatsanwaltschaft Fahnenflucht vor.

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Tag für Tag lebten die Angeklagten ziellos, ohne Geld und ohne Perspektiven in der Wohnung von Pauline W. in den Tag hinein, ihr Dasein war von Drogen und Alkohol geprägt. Dann kam ihnen am 14. August vergangenen Jahres die Idee, zur Ostsee zu fahren, einmal raus aus dem tristen Alltag, wie es Pauline W. gegenüber den Richtern beschrieb. Ihre Eltern hatten auf Usedom ein Haus, dort hofften die drei für einige Tage unterzukommen.

Für die Hinfahrt mit dem Zug reichte das Geld noch, auf Usedom angekommen waren sie aber schon pleite. Mitten in der Nacht erreichten sie das Haus der Eltern – und zogen unverrichteter Dinge sofort wieder ab. Ob sie davon ausgingen, dass die Eltern von Pauline W. nicht zuhause waren oder ob die junge Frau sich scheute, ihre Eltern, zu denen sie ein schwieriges Verhältnis hatte, mitten in der Nacht zu überfallen, blieb in den Ausführungen vor Gericht zunächst unklar. Auf jeden Fall entschied sich das Trio für die sofortige Rückreise und fasste dazu den ebenso fatalen wie folgenschweren Plan, der sie jetzt auf die Anklagebank brachte.

Reue vor Gericht

„Irrsinnig“ sei die Tat gewesen, bekannte Pauline W. in der Verhandlung. So wie sich die Dinge entwickelt hätten, habe das keiner von ihnen gewollt, ergänzte Dennis W. Und Santi s. sprach von einem „unverzeihlichen und schlimmen Fehler“, den er sich im Nachhinein nicht erklären könne. Alle drei Angeklagten gemeinsam äußerten, sie schämten sich für die Tat, insbesondere für das, was dem Taxifahrer wiederfahren sei. Immerhin stellten sie zudem fest, auch ihre Drogen- und Alkoholprobleme könnten keine Entschuldigung für ihre Tat sein. Der Prozess wird am 26. Februar fortgesetzt.