Stadt der Liebe

Berliner Paare verraten, wie die Liebe ewig hält

Gibt es ein Geheimrezept für das große Glück? Wir haben zwei Paare getroffen, die erzählen, was nach dem Ende der Verliebtheit folgt.

Maurice Rau und Vivien Bennowa haben sich vor sechs Jahren kennengelernt.

Maurice Rau und Vivien Bennowa haben sich vor sechs Jahren kennengelernt.

Foto: Maurizio Gambarini

In einem kleinen Café an der Knesebeck­straße sitzen Grüppchen von Menschen. Sie lachen miteinander und unterhalten sich. Eine junge Frau hebt ihr neugeborenes Baby aus dem Kinderwagen und gibt ihm die Brust. Am Nachbartisch sitzt ein Paar, das sich verliebte Blicke zuwirft und Händchen hält. „What do you fancy love“ heißt das Café. Liebe. Sogar in Namen von Gastrobetrieben hält sie Einzug. Nicht nur in Filmen oder Liedern ist die Liebe das bestimmende Thema. Und über allem schwebt die alles entscheidende Frage: Wie hält die Liebe? Wie schafft es ein Paar, „bis dass der Tod euch scheidet“ zusammenzubleiben?

Eine große Frage. Zwei Berliner Paare – eines frisch verlobt, das andere seit 36 Jahren verheiratet – versuchen Antwort zu finden.

Vivien Bennowa (30) hat ihren Maurice Rau (26) vor sechs Jahren auf einer Dating-App entdeckt. Anfangs war sie aber so gar nicht angetan von ihm. „Er hatte in seinem Profil so einen ganz bescheuerten Spruch stehen“, erinnert sich Vivien. „Das konnte ich nicht einfach stehen lassen und habe ihn angeschrieben, was der Mist soll.“ Maurice konnte das so nicht auf sich sitzen lassen. Ein SMS-Chat begann, bald wurden daraus Telefonate – und das Wissen, dass man sein bisher noch unbekanntes Gegenüber wider Erwarten ganz sympathisch findet. Nach dem ersten Treffen ist für beide klar: Das war nichts Einmaliges, da könnte mehr daraus entstehen. Sechs Jahre Beziehung später sind Vivien und Maurice frisch verlobt.

Streiten können ist wichtig

Dass sich die beiden die Meinung sagen können, ja sogar mal streiten, findet das Ehepaar Haack gut. Monika (74) und Al­brecht (75) sind seit 36 Jahren verheiratet. Und sagen beide: „Eine gute Streitkultur ist in jeder Beziehung wichtig.“ Monika ergänzt noch: „Wer sich nicht streitet, der lebt auch nicht miteinander.“ Beim Streiten kennen sich die beiden aus, sie sind schließlich schon in zweiter Ehe verheiratet. „Und alles, was man beim ersten Mal falsch gemacht hat, möchten wir jetzt natürlich besser machen“, sagt Albrecht.

Das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg verzeichnete im Jahr 2017 so wenig Scheidungen in Berlin wie seit rund 25 Jahren nicht mehr. Insgesamt wurden 6070 Ehen geschieden, 2,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Nach Angaben der Statistiker sei zudem nicht das „verflixte siebte Jahr“ besonders anfällig, sondern das achte Ehejahr, das mit einer Scheidungsrate von 6,7 Prozent an der Spitze liegt. Und: In rund der Hälfte der Fälle ergriffen Frauen die Initiative, 11,2 Prozent der Scheidungen beantragten beide Partner.

Sie hätte nie gedacht, dass sie nochmal heiratet

Monika erinnert sich mit gemischten Gefühlen an ihre Scheidungszeit vor rund 40 Jahren zurück. Völlig verzweifelt ging sie damals zum Jugendamt, denn ihr früherer Mann wollte für den gemeinsamen Sohn keinen Unterhalt zahlen. Zwei Stunden klagte sie dem zuständigen Sachbearbeiter ihr Leid. Der versprach ihr, sich um die Sache zu kümmern. Und konnte sie seitdem nicht mehr vergessen. Beim nächsten Jugendamts­besuch konnte Albrecht nicht nur die Adresse des säumigen Kindsvaters überreichen, sondern fragte Monika gleich auch noch nach einer Verabredung. „Ich hätte nie gedacht, dass ich mich je wieder verlieben könnte. Ganz zu schweigen vom Heiraten“, sagt Monika. „Aber Albrecht konnte mich zum Glück überzeugen“, sagt sie und lacht.

„Die Liebe ist, was sie ist – sagt die Liebe“, wirft Vivien ein und blickt das Ehepaar bewundernd an. Auch sie und Maurice kennen schwere Zeiten. Als Vivien vor einigen Jahren schwer erkrankte, schlug sie Maurice die Trennung vor. „Ich wollte nicht, dass er in so jungen Jahren schon so viel mitmachen muss“, erklärt die 30 Jahre alte Berlinerin heute. Maurice war über diesen Vorschlag empört – und blieb dann bei seiner Freundin. „In der Liebe ist der Wille alles“, sagt Maurice. Monika pflichtet ihm bei: „Man muss es wollen, man muss es einfach wollen. Dann übersteht man auch die Schwierigkeiten, die es natürlich in jeder Beziehung gibt.“ „Manchmal muss man eben kämpfen“, erwidert Maurice. Albrecht nippt an seinem Milchkaffee und sagt: „Wir kämpfen eigentlich nicht mehr. Bei uns sind alle Zweifel weg.“ Im Alter, erklärt er weiter, wird es wichtiger, sich umeinander zu kümmern. „Und füreinander da zu sein“, ergänzt seine Frau prompt.

„Wer häufig Partner wechselt, der hat es nicht verstanden“

Dieser Moment ist wohl typisch für jede längere Beziehung: Der eine sagt etwas, der andere fällt ihm ins Wort. Oder welche kleinen Streitigkeiten gibt es sonst noch so in Beziehungen? „Er lässt seinen Kram überall herumliegen“, sagt Vivien und verdreht genervt die Augen. „Oder er öffnet den Kühlschrank und sieht die Butter nicht und fragt dann: ,Wo ist die Butter‘“, ergänzt Monika, und beide Frauen lächeln sich wissend an. „Aber das machen wir doch nicht aus bösem Willen“, versucht sich Maurice in einer Verteidigung. „Aber du machst es trotzdem immer wieder“, neckt ihn seine Verlobte. „Al­brecht hat damals auch zu mir gesagt, ich hätte einen Putzfimmel“, erinnert sich Monika. „Aber den habe ich tatsächlich nicht.“ „Sagst du“, erwidert Albrecht und muss lachen.

Maurice und Vivien lauschen dem Langzeit-Ehepaar aufmerksam. 30 Jahre Beziehung unterscheiden die beiden Paare. Ob man da wohl noch selbst etwas für die bevorstehende Ehe lernen kann? „Natürlich“, ist sich Vivien sicher. Ihr Vorbild in Sachen Liebe sind ihre Eltern. „Heute ist unsere ganze Gesellschaft doch viel schnelllebiger. Tag und Nacht haben Spätis geöffnet, es gibt tolle Bars und Restaurants, die Arbeitslage ist gut. Und es gibt viele Dating-Apps. Wenn einem dann mal etwas nicht gefällt, kann man es einfach austauschen. Auch den Partner“, sagt Vivien. „Aber ich finde, Liebe gehört immer nur zweien. Wer häufig den Partner wechselt, einfach so“, sagt sie und schnippt ihre Finger zusammen, „der hat die Liebe nicht verstanden.“

Kleine Geschenke und Rituale halten die Liebe frisch

Die Liebe aufrechtzuerhalten, da sind sich beide Paare einig, funktioniert besonders mit Zweisamkeit. Mal einen Blumenstrauß mitbringen – wie im Fall von Maurice und Vivien – oder gemeinsame Rituale mit dem Partner – zu besonderen Anlässen in Sterne-Restaurants essen gehen, wie im Fall von Monika und Albrecht – erhält die Intimität. Und schafft Raum für gemeinsame Erinnerungen, die im Alltag wichtig sind. Auch wenn es mal wieder kracht, weil er die Socken vor dem Sofa liegen gelassen hat.

Für die Zukunft von Vivien und Maurice sieht das Ehepaar Haack keine Probleme. „Es gibt kein Patentrezept für eine gute und funktionierende Ehe“, sagt Monika zum Abschied. „Aber ich denke, wenn ihr so weitermacht, diskutiert und Probleme löst, dann klappt das schon.“

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