Jahrestag

Siebentägiges Festival zur Feier des Mauerfalls

Zum 30. Jahrestag der Friedlichen Revolution plant Berlin ein einwöchiges Festival an sieben Orten – mit Crashkurs zur Geschichte.

Die Stadt als Open-Air-Ausstellungs- und Veranstaltungsgelände: Am Schloßplatz leuchten wieder die Fenster des Palastes der Republik.

Die Stadt als Open-Air-Ausstellungs- und Veranstaltungsgelände: Am Schloßplatz leuchten wieder die Fenster des Palastes der Republik.

Foto: Kulturprojekte Berlin unter Verwendung von Fotos von Harf Zimmermann

Berlin. Am Schloßplatz leuchtet wieder der Palast der Republik, am Brandenburger Tor gehen Grenzsoldaten auf Posten, und auf die Fassade der ehemaligen Stasizentrale in Lichtenberg sind gigantische Reihen von Akten projeziert. Eine Zeitreise in Bildern macht Geschichte fast greifbar. Das können die Berliner vom 4. bis 10. November zum 30. Jahrestag des Mauerfalls an sieben Orten in der Stadt erleben.

Der 20. Jahrestag des Mauerfalls war ein Meilenstein, die Feier zum 25. war mit ihrer spektakulär gelungenen „Lichtgrenze“ am Abend des 9. November 2014 kaum noch zu toppen. Wie kann man den 30. Jahrestag der Friedlichen Revolution in diesem Jahr angemessen würdigen? Und das in einem politischen und gesellschaftlichen Klima, das neben der Freude über den Mauerfall verstärkt die Widersprüche und Ambivalenzen – die auch mit dem folgenden gewaltigen Umbruch einhergingen – nach oben spült?

"Route der Revolution" führt zu sieben Orten

Das geht, indem man ihn mit seiner Vorgeschichte und den Folgen erzählt und neben Nachdenklichkeit und dem Gedenken an die Opfer das Feiern nicht vergisst, sagte Kultursenator Klaus Lederer (Linke) am Mittwoch.. Mit Organisator Moritz von Dülmen, Chef der Kulturprojekte Berlin GmbH, stellte er die Planungen für die siebentägigen Jubiläumsfeierlichkeiten vor.

„Friedliche Revolution und Mauerfall gehören zu den freudigsten Ereignissen der deutschen Geschichte – trotzdem ist nicht allen nach Feiern zumute“, so Lederer. Die Erinnerung an die Zeit um 1989 werde zunehmend mit Kritik an dem, was danach kam, konfrontiert. Auch die Sorgen und Ängste der Nachwendezeit müssten aufgegriffen werden. Doch „Widersprüche schließen Glückstage nicht aus“.

Es soll ein Festival werden, das die Stadt über eine „Route der Revolution“ an sieben Orten in ein riesiges Open-Air-Veranstaltungs- und Ausstellungsgelände verwandelt, sagte von Dülmen. Gethsemanekirche, Alexanderplatz, Schloßplatz, Brandenburger Tor, Kurfürstendamm, Stasi-Zentrale und East Side Gallery: Diese sieben Orte stehen für zentrale Ereignisse der Geschichte von 1989/1990. Hier trafen sich Oppositionelle, demonstrierten die Massen, tanzten die Bürger auf der Mauer und dem West-Boulevard, stürmten sie später die Hochburg der Geheimpolizei, verwandelten sie Freiheit in Kunst.

Bürgerbeteiligung ausdrücklich erwünscht

An diesen Orten soll die Zeit des Umbruchs erfahrbar werden, sagte von Dülmen. „Mit riesigen Projektionen historischer Filme und Bilder sowie Klanginstallationen werden die Schauplätze so zu Bühnenbildern, in die die Besucher eintauchen können.“ Damit auch die jüngere Generation die historischen Ereignisse von 1989/90 nachvollziehen kann, von ihren Anfängen in Mittel- und Osteuropa, der Fluchtwelle ab Frühsommer ’89 über die landesweiten Bürgerproteste und Demonstrationen bis zum Mauerfall und den ersten freien Wahlen in der DDR 1990. Am Feinschliff wird noch gearbeitet.

Die dezentrale Stadtinszenierung mit mehr als 100 Veranstaltungen wird nicht von der Kulturprojekte GmbH allein gestaltet. Im Auftrag der Senatsverwaltung für Kultur und mit einem Budget von zehn Millionen Euro ausgestattet, kooperiert sie mit der Gedenkstätte Berliner Mauer, dem Beauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, der Robert-Havemann-Gesellschaft, Berlin, Museen, Künstlern und Vereinen.

Höhepunkt ist Musikfestival am 9. November

Als Abschluss soll es als verbindendes Element Musik für alle geben. Höhepunkt der Feier ist am 9. November ein stadtweites Musikfestival, mit nationalen und internationalen Vertretern der verschiedenen Musikrichtungen, die die Zeit prägten oder für Aufbruch stehen. Von Dülmen denkt da etwa an Klassik am Alexanderplatz, Techno am Brandenburger Tor und Lieder in der Gethsemanekirche.

Die Beteiligung der Bürger ist erwünscht. Eindrücke und Hoffnungen von Menschen, die die historischen Ereignisse an zentralen Orten miterlebt haben, sollen Bestandteil des Programmes werden. Mit der Frage „Wer war dabei?“ haben die Veranstalter jetzt unter bit.ly/werwardabei einen ersten Online-Aufruf für den 9. November am Grenzübergang Bornholmer Straße gestartet. Wer sich auf dem historischen Video wiedererkennt oder dabei war, kann sich bei den Kulturprojekten melden. In regelmäßigen Abständen werden Aufrufe zu weiteren Orten folgen.

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