Senat in Pankow

Stadler will 14 neue U-Bahnen zügig ausliefern

Der rot-rot-grüne Senat tourt durch Pankow - und diskutiert dort die wichtigsten Themen der wachsenden Stadt.

Michael Müller bei der Besichtigung eines U-Bahn-Wagens im Stadler-Werk in Pankow.

Michael Müller bei der Besichtigung eines U-Bahn-Wagens im Stadler-Werk in Pankow.

Foto: Isabell Jürgens

Berlins rot-rot-grüne Senatsriege hat sich an diesem Dienstag nicht wie sonst üblich im Roten Rathaus getroffen, um die wichtigsten Themen der wachsenden Stadt zu besprechen - sondern im Rathaus Pankow.

Eine gute Wahl, denn nirgendwo sonst in Berlin lässt sich eindrücklicher beobachten, wie dynamisch die Entwicklung voranschreitet. Schon heute ist Pankow mit rund 400.000 Einwohnern der bevölkerungsreichste Bezirk, bis 2030 sollen Prognosen zufolge weitere 30.000 dazu kommen.

"Wir haben ein intensives und konstruktives Gespräch mit dem Bezirksamt geführt", sagte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), der sich, wie auch die anderen Senatsmitglieder, bei dieser Gelegenheit in das Gästebuch des Bezirks eintrug. Insbesondere gelte es, die Infrastruktur für den Bezirk bereit zu stellen. "Nur Wohnungen bauen reicht nicht" , sagte Müller.

"Ein Thema, das den Bürgern auf den Nägeln brennt"

Das betonte auch der Pankower Bezirksamtschef Sören Benn (Linke). "Im gesamten Berliner Nordosten ist der Verkehr, insbesondere der Schwerlastverkehr, ein Thema, das den Bürgern auf den Nägeln brennt", sagte Benn. Aber auch fehlende Schulplätze, die Mietenentwicklung und die zunehmende Verdichtung beschäftigten die Menschen im Bezirk. "Es ist gut, dass der Senat sich von den Hotspots der Entwicklung ein Bild macht", so Benn weiter.

Anschließend stiegen die beiden Bürgermeister sowie einige Senatoren und Stadträte in einen Charterbus, um sich unter anderem die U- und S-Bahnproduktion bei der Firma Stadler in Wilhelmsruh anzuschauen. Benn nutzte die Fahrt, um die Senatoren darauf hinzuweisen, dass es massive Anwohnerproteste in dem dörflichen Ortsteil gibt, die sich gegen den Lkw-Verkehr auf ihrer Hauptstraße wehren. "Hier fehlt eine Entlasungstrasse zu dem großen Gewerbegebiet gleich hinter der Bezirksgrenze in Reinickendorf", sagte Benn.

Stadler will 14 Züge zügig ausliefern

Bei Stadler, dem größten Industriebetrieb im Bezirk, schauten sich die Regierungsmitglieder dann die Produktion neuer U- und S-Bahnen für Berlin an. Unter Ausschluss der mitgereisten Medienvertreter unterhielten sich die Regierungs- und Unternehmensverteter dann darüber, ob die dringend benötigten U-Bahnen für Berlin nicht etwas schneller ausgeliefert werden könnten.

Wie die Berliner Morgenpost erfuhr, soll Stadler auf Bitten des Senats zugesichert haben, die 14 Züge, bestehend aus je 4 Wagen, aus der so genannten Notbestellung möglichst zügig zu liefern. Es handelt sich um Züge der Baureihe IK 20. Die 14 Züge werden im kommenden Jahr geliefert, in diesem Jahr werden die verbleibenden sechs Züge der IK 18 bis Mai geliefert.

Wie berichtet, hatte Siemens die Notvergabe beklagt, was zu einer Verzögerung der Auslieferung geführt hatte. Diese sollte nach bisherigem Stand nun erst Mitte 2020 erfolgen.

Pankower Tor: Bagger können frühestens 2023 anrollen

Anschließend schaute sich die Reisegruppe das Entwicklungsgebiet Pankower Tor an. Seit Jahren wird um das Areal, in dem der Berliner Unternehmer Kurt Krieger rund 2000 Wohnungen errichten und 550 Millionen Euro investieren will, gestritten.

Und der Streit ist auch noch nicht zu Ende: Frühestens 2023 können die Bagger anrollen, informierte Baustadtrat Vollrad Kuhn (Grüne) den Regierenden Bürgermeister. Noch seien viele offene Fragen zu klären - unter anderem die verkehrliche Erschließung, die Fragen nach den beiden Schulstandorten sowie der vom Investor gewünschten und vom Bezirk abgelehnten Shopping-Mall müssten noch geklärt werden.

Zudem gebe es Zauneidechsen und Kreuzkröten auf dem Areal. Diese müssten entweder umgesiedelt werden, oder es müsse eine Grünanlage für sie geschaffen werden. Bei Müller sorgte das für Kopfschütteln. "Ich habe vor sechs Jahren gesagt, wie es hier schneller geht", sagte Müller. Damals als Stadtentwicklungssenator wollte Müller die Planung an sich ziehen. "Aber sowohl der Investor als auch der Bezirk hätten das damals lieber selbst übernommen.

"Angesichts der noch vielen offenen Fragen muss es nun erst mal auf Staatssekretärsebene eine Abstimmung geben", kündigte Müller an, bevor es weiter mit dem Bus zu den nächsten Baustellen ging - etwa an der Michaelangelostraße, wo der Bau von 1200 Wohnungen nun ebenfalls in die ferne Zukunft verschoben wurde, weil zunächst die Straße umverlegt werden soll.