Berlin

Fall Fabien: Zeugen vom Unfalltag sollen neu befragt werden

Der Fall Fabien soll in Teilen neu aufgerollt werden. Der Vorgang beschäftigt nun auch höchste Kreise in Justiz, Politik und Polizei.

Familie, Freunde und Bekannte trauern am Alexanderplatz um die bei dem Unfall gestorbene Fabien M.

Familie, Freunde und Bekannte trauern am Alexanderplatz um die bei dem Unfall gestorbene Fabien M.

Foto: Jörg Krauthöfer

Berlin. Alle Personen, die mit dem Fahrer des Funkstreifenwagens am Unfalltag Kontakt hatten, sollen erneut befragt werden. Diese Befragungen sollen dem Fall zugeteilte Ermittler durchführen. „Wir wollen wissen, wie es wirklich war. Mit allen Konsequenzen“, hieß es aus Polizeikreisen.

Die 21-Jährige aus Reinickendorf war im vergangenen Jahr bei einem Verkehrsunfall mit einem Funkstreifenwagen ums Leben gekommen. Durch Recherchen der Berliner Morgenpost war bekannt geworden, dass das Polizeiauto mit 134 Kilometern in der Stunde zu schnell unterwegs gewesen sein soll und dass bei dem Beamten, der den Wagen steuerte, bei einer Blutentnahme im Krankenhaus ein Wert von 1,1 Promille gemessen worden war. Seitdem schlägt der Fall – auch bundesweit – hohe Wellen.

Am Freitag erhoben die Eltern im RBB schwere Vorwürfe gegen die Behörden. Scharf kritisiert wurde von ihnen und ihrem Anwalt der Umgang von Polizei und Staatsanwaltschaft mit dem schwerwiegenden Verdacht, wonach der Unfallfahrer betrunken gewesen sein soll. Auf Nachfrage wies die Staatsanwaltschaft die Anschuldigungen zurück. Die Ermittlungen hätten im Herbst vergangenen Jahres kurz vor dem Abschluss gestanden. Dann seien erstmals die Vorwürfe einer möglichen Alkoholisierung des Fahrers über die Nebenklage an die Staatsanwaltschaft herangetragen worden.

Vorgang auf dem Tisch der Polizeipräsidentin

Diese anonym geäußerten Anschuldigungen waren zuvor wiederum – vermutlich aus dem Umfeld der Charité – an die Nebenklage weitergegeben worden. Zunächst seien diese aber zu wenig konkret gewesen, hieß es aus der Staatsanwaltschaft. Das habe sich später geändert, weshalb man die Akte schließlich beschlagnahmen ließ.

Nach Informationen der Berliner Morgenpost beschäftigt der Fall mittlerweile höchste Kreise in Justiz, Politik, Verwaltung und Polizei – wo der Vorgang mittlerweile auf dem Tisch der Polizeipräsidentin liegt. Gegen den Polizeibeamten laufen nämlich auch disziplinarrechtliche Schritte, die allerdings gerade auf Eis liegen, weil die Behörde die strafrechtlichen Ermittlungen abwarten will. Sollte sich der Verdacht aber bestätigen, dass der Beamte während des Dienstes stark alkoholisiert war, würde er sofort suspendiert.

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