Polizeiakademie Berlin

Angehende Polizisten müssen zum Deutsch-Einstufungstest

Die Polizeiakademie strukturiert ihre Ausbildung um. In Zukunft soll es mehr Deutschunterricht, Ethik und weniger Praktika geben.

Skandalschmiede Polizeiakademie

Schüler der Berliner Polizeiakademie sollen in Spandau herumgegrölt und randaliert haben. Polizeipräsident Klaus Kandt kündigte an, dem Vorfall auf den Grund zu gehen.

Skandalschmiede Polizeiakademie

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Berlin. Bereits ab März dieses Jahres erhalten die Schüler mehr Deutschunterricht (drei statt zwei Semester), zudem wird das Fach Ethik wieder eingeführt und die Schüler haben weniger Praktika und mehr Theorie.

„Mir war es wichtig, dass wir nicht noch länger warten, sondern jetzt mit den Änderungen beginnen“, sagte die Akademieleiterin Tanja Knapp der Berliner Morgenpost am Sonnabend. Ursprünglich sollten die Veränderungen erst im September greifen.

Alle Schüler, die im März ihre Ausbildung an der Polizeiakademie beginnen, müssen zudem einen Deutsch-Einstufungstest absolvieren. „Wir wollen frühzeitig erkennen, wo Förderbedarf besteht“, so Knapp weiter.

In Analysen habe man festgestellt, dass die Praktika, die die Polizeischüler absolvieren müssen, zu lang und so die Vorbereitungszeit für die Prüfungen oft zu kurz sei. „Die Praktika werden so eingekürzt, dass genügend Vorbereitungszeit vor den Klausuren besteht“, sagte Knapp.

Generell seien Praktika zwar wichtig. Sie müssten alber kritisch hinterfragt werden, wenn dadurch der Ausbildungserfolg in Gefahr gerate. „Dass wir das Fach Ethik wieder einführen, war mir ganz persönlich wichtig“, erläuterte Knapp.

SPD-Innenexperte zählte zu Kritikern der Strukturreform

Seit zwei Jahren gibt es Diskussionen um die Polizeiakademie. Neben Berichten über Verfehlungen einzelner Schüler ging es immer wieder auch um die Lehre selbst. Denn vieles war an der Polizeischule, wie die Akademie früher noch hieß, verändert worden. Genau diese Änderungen werden nun von Tanja Knapp, die seit vergangenem Jahr im Amt ist, zurückgenommen.

Das liegt, so berichten es Lehrkräfte, vor allem an den Leistungen der Schüler. Immer wieder werden zum Teil eklatante Schwierigkeiten bei dem Verfassen von Texten und in der Aussprache festgestellt. Auch bei den sportlichen Leistungen und bei der allgemeinen Leistungsbereitschaft gebe es bei einigen Azubis Nachholbedarf, hieß es. Auch fehle häufig die realitätsnahe Einschätzung des Berufes.

Um so eine Einschätzung zu bekommen, hospitierte kürzlich SPD-Innenexperte Tom Schreiber an der Schule. „Die angestoßenen Veränderungen sind ein zartes Pflänzchen, das hier gerade wächst. Die Schule braucht jetzt Zeit und keine Hauruckaktionen“, so Schreiber. Der SPD-Politiker zählte zu den stärksten Kritikern der Strukturreform an der Polizeischule.

Schon vor Jahren warnte er vor den Folgen einer zu starken Umstrukturierung der Lehre – und sollte damit recht behalten. „Wir brauchen jetzt eine Ausbildungsoffensive. Und die Polizeiakademie befindet sich auf dem richtigen Weg“, sagte er. Schreiber wies zugleich darauf hin, dass die Anforderungen hoch seien. Nicht ohne Grund gebe es viele Durchfaller. „An der Akademie wird die Spreu vom Weizen getrennt. Und das ist auch gut so“, so Schreiber.

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