Gesundheitsamt

Amtsärzte-Mangel: Widerstand gegen Pläne des Senats

Der Finanzsenator möchte die Arbeit im Gesundheitsamt finanziell attraktiver gestalten, der Hauptpersonalrat lehnte die Vorschläge ab.

Die Berliner Gesundheitsämter leiden unter dem Mitarbeitermangel.

Die Berliner Gesundheitsämter leiden unter dem Mitarbeitermangel.

Foto: Bernd Wüstneck / dpa

Berlin. Um die Jobs für Amtsärzte in den Berliner Behörden attraktiver zu gestalten, will Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) die Mediziner mit außertariflichen Regelungen locken. Zwei entsprechende Vorschläge hat der Hauptpersonalrat des Landes Berlin (HPR) bislang aber abgelehnt. Ein weiterer Austausch finde statt, heißt es aus dem Hause Kollatz. Gesundheitssenatorin Dilek Kolat (SPD) ließ ausrichten, sie hoffe auf eine „schnelle Lösung im Interesse der Berlinerinnen und Berliner“.

Die HPR-Vorsitzende Daniela Ortmann bestätigte, dass die Personalvertreter eine außertarifliche Lösung blockieren. „Aber wir sind nicht Schuld am desolaten Zustand des Öffentlichen Gesundheitsdienstes.“ Der HPR sei verpflichtet, auf die Einhaltung der Tarifverträge zu achten, sagte Ortmann. Die vom Senat angebotene Regelung sei „eine Mogelpackung“, intransparent und benachteilige die bereits in den Ämtern tätigen Mediziner. Der Finanzsenator habe nicht dargestellt, dass er alle im Rahmen des Tarifvertrags erlaubten Möglichkeiten ausgeschöpft habe.

Nach Lesart der Personalräte lasse sich auch innerhalb des Regelwerks die Einkommen der Ärzte verbessern. Zudem sei Senator Kollatz ja Verhandlungsführer der Arbeitgeberseite in den laufenden bundesweiten Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der Länder, sagte Ortmann. Niemand hindere ihn, in diesem Rahmen die Bedingungen für die Amtsärzte zu verbessern. Auch vermisse sie eine Werbekampagne für den öffentlichen Gesundheitsdienst. Viele Mediziner hätten womöglich ein Interesse daran, den Stress der Krankenhäuser durch geregelte Arbeitszeiten zu tauschen.

20 Prozent weniger Gehalt als in Hamburg

Unter den Bezirksstadträten gibt es ebenfalls erhebliche Zweifel, ob die vom Senat angestrebte Lösung ausreichen würde, um qualifiziertes Personal in die Gesundheitsämter zu locken. Stadtrat Falko Liecke (CDU) aus Neukölln geht davon aus, dass die zwei frei werdenden Stellen für Amtsleitung und Stellvertreter in diesem Jahr nicht nachbesetzt werden können.

Ein fachlich sehr versierter Bewerber aus Schleswig-Holstein habe abgesagt. Selbst zu den vom Senat in Aussicht gestellten Konditionen hätte er in Neukölln 20 Prozent weniger verdient als in einer Hamburger Vorstadt. In Berlin hätte er bei 2,6 Stunden wöchentlicher Mehrarbeit 85.000 Euro im Jahr bekommen gegenüber 107.000 Euro im Hamburger Umland. Um konkurrenzfähig zu werden, fordert Liecke vom Finanzsenator, die Gehälter auf das Niveau vergleichbarer Positionen in anderen Bundesländern anzugleichen.

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